Kurzantwort: Ein Steingarten braucht drei Dinge: volle Sonne, einen durchlässigen Aufbau mit mindestens 30 Zentimetern Drainage und ein mageres, überwiegend mineralisches Substrat. Die Steine stammen idealerweise alle aus derselben Gesteinsart und werden zu einem Drittel eingegraben. Bepflanzt wird mit Gebirgs- und Trockenpflanzen wie Hauswurz, Fetthenne, Thymian und Blaukissen.
Das Vorbild ist der alpine Hang: wenig Erde, viel Stein, starke Sonne, Wasser, das sofort abläuft. Genau diese Bedingungen brauchen die Pflanzen, die dort wachsen.
Ein Steingarten hat mit einer mit Folie unterlegten Kiesfläche nichts zu tun. Er ist eine Bepflanzung, in der Steine die Rolle des Bodens übernehmen — nicht die Rolle der Pflanzen.
Dieser Text geht die Anlage Schritt für Schritt durch: Standort, Aufbau, Steinsetzung, Substrat, Pflanzen und Pflege.
Der Standort
Volle Sonne ist Voraussetzung. Die meisten Polster- und Gebirgspflanzen vertragen Schatten schlecht, werden dort weich, blühen kaum und faulen im Winter.
Eine leichte Hanglage ist ideal, weil Wasser von selbst abläuft und die Fläche sich schneller erwärmt. Auf ebenem Grund wird eine Erhebung aufgeschüttet, mindestens 40 bis 50 Zentimeter hoch.
Ein Platz unter Bäumen ist ungeeignet. Herabfallendes Laub bleibt zwischen den Steinen liegen, bildet Humus und verändert das Substrat über die Jahre — genau das, was Steingartenpflanzen nicht wollen.
Der Aufbau in Schichten
Zuerst wird der Boden 40 bis 60 Zentimeter tief ausgehoben und von Wurzelunkraut befreit. Giersch, Quecke und Ackerwinde später aus einem Steingarten zu entfernen, ist praktisch aussichtslos.
Es folgt eine Drainageschicht von 20 bis 30 Zentimetern aus grobem Schotter oder Bauschutt ohne Feinanteil. Darauf kommt eine dünne Trennlage aus Vlies oder grobem Sand, damit das Substrat nicht einschlämmt.
Obenauf liegt das Pflanzsubstrat, 20 bis 30 Zentimeter hoch. Ein bewährtes Gemisch besteht zu zwei Dritteln aus mineralischem Material — Splitt, Kies, Lavagranulat oder Bims — und zu einem Drittel aus Gartenerde oder Lehm.
Steine richtig setzen
Eine einzige Gesteinsart wirkt ruhiger als eine Sammlung. Sandstein, Kalkstein, Basalt oder Gneis — welches Material passt, richtet sich nach der Region, damit die Anlage nicht fremd wirkt.
Größere Findlinge werden zu etwa einem Drittel eingegraben. Steine, die nur auf der Fläche liegen, wirken hingeworfen und rutschen mit der Zeit.
Bei geschichteten Gesteinen zeigt die Schichtung in dieselbe Richtung, leicht nach hinten geneigt. So laufen Regen und Tau in Richtung Wurzelraum. Zwischen den Steinen bleiben Fugen und Taschen frei, in die später gepflanzt wird.
Die Pflanzen
Polster für Fugen und Flächen: Blaukissen, Steinkraut, Polsterphlox, Thymian, Steinbrech und Mauerpfeffer. Sie schließen die Fläche und blühen im Frühjahr flächig.
Sukkulente Arten: Hauswurz und Fetthenne kommen mit wenigen Zentimetern Substrat aus. Hauswurz besiedelt selbst schmale Fugen und Mauerkronen.
Gräser und Struktur: Blauschwingel, Bärenfellgras und Federgras bringen Bewegung und stehen auch im Winter.
Gehölze: Zwergkiefer, Zwergwacholder und Kriechmispel geben Höhe. Zwei bis drei Stück reichen für eine mittelgroße Anlage.
Zwiebeln: Wildtulpen, Krokusse und Traubenhyazinthen blühen im März und April, bevor die Polster übernehmen.
Pflege über die Jahre
Gedüngt wird nicht. Nährstoffe machen Gebirgspflanzen weich, treiben sie auseinander und fördern Fäulnis im Winter.
Gejätet wird regelmäßig, besonders in den ersten drei Jahren. Sämlinge von Birke, Ahorn und Löwenzahn werden herausgezogen, solange sie klein sind — später sitzen die Wurzeln zwischen den Steinen fest.
Gemulcht wird mit Splitt, nicht mit Rinde. Eine zwei bis drei Zentimeter starke Splittschicht hält den Wurzelhals trocken, reflektiert Licht und verhindert, dass Erde bei Regen auf die Blätter spritzt.
Zurückgeschnitten werden Polster nach der Blüte um etwa ein Drittel. Das hält sie kompakt und verhindert, dass sie von innen verkahlen.
Der Unterschied zum Schottergarten
Beim Schottergarten liegt eine Folie oder ein Vlies unter einer flächigen Kiesdecke, und Pflanzen sind Beiwerk oder fehlen ganz. Der Boden darunter ist vom Wasser- und Luftaustausch weitgehend abgeschnitten.
Im Steingarten gibt es keine Folie. Wasser versickert, Wurzeln wachsen bis in die Drainage hinunter, und die Fläche ist bepflanzt. Bodenleben und Insekten finden Lebensraum.
Mehrere Bundesländer haben Schotterflächen inzwischen ausdrücklich untersagt, unter anderem Baden-Württemberg im Naturschutzgesetz und Nordrhein-Westfalen in der Landesbauordnung. Ein richtig angelegter Steingarten ist von diesen Regelungen nicht betroffen.
Trockenmauer und Trog als Variante
Wo ein Hang abgefangen werden muss, ist die Trockenmauer die konsequente Form des Steingartens. Sie wird ohne Mörtel gesetzt, mit leichter Neigung gegen den Hang, und hinter den Steinen liegt eine Schicht aus Schotter, die das Wasser ableitet.
In den Fugen wächst, was auch auf der Fläche wächst: Hauswurz, Mauerpfeffer, Zimbelkraut, Blaukissen und Steinbrech. Die Mauer speichert tagsüber Wärme und gibt sie nachts ab. Eidechsen, Wildbienen und Spinnen nutzen die Hohlräume als Quartier.
Auf dem Balkon oder der Terrasse übernimmt ein Steintrog dieselbe Funktion im Kleinen. Ein flaches Gefäß aus Stein oder Beton bekommt ein Abzugsloch, eine Schicht Blähton und dasselbe magere Substrat. Drei bis fünf Polsterpflanzen und ein Zwerggehölz reichen für eine Fläche von einem halben Quadratmeter.
Wichtig ist in beiden Fällen die Winterhärte des Gefäßes und ein Standort, an dem kein Wasser stehen bleibt. Nasse Kälte tötet Steingartenpflanzen schneller als Frost.
Häufige Fragen
Wie groß muss ein Steingarten sein?
Ab etwa drei Quadratmetern wirkt er als eigene Fläche. Kleiner geht als Trog oder Miniatur-Steingarten in einer Schale.
Wann lege ich ihn an?
Erdarbeiten im Herbst oder frühen Frühjahr, gepflanzt wird im April und Mai oder im September.
Muss ich gießen?
Im ersten Jahr regelmäßig, danach nur in langen Trockenphasen. Etablierte Bestände kommen fast allein zurecht.
Was tun gegen Moos zwischen den Steinen?
Moos zeigt zu viel Feuchtigkeit oder zu wenig Licht an. Meist hilft es, die Splittschicht zu erneuern und beschattende Zweige zurückzunehmen.
Quellen
- Steingarten – Wikipedia
- Hauswurzen – Wikipedia
- Schottergarten – Wikipedia
- Umweltbundesamt: Bodenversiegelung
Das passt dazu
Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:
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Geschrieben von Clara, Redaktion spatenfreunde.de — sie schreibt hier über Garten, Pflanzen und die richtige Pflege.

