Kurzantwort: Eine Pflanze im Glas geht auf drei Arten: als geschlossener Flaschengarten mit Substrat, Moos und Farnen, der jahrelang ohne Gießen auskommt; als Steckling oder Pflanze im reinen Wasserglas, etwa Efeutute (Epipremnum aureum) oder Grünlilie (Chlorophytum comosum); oder als Hydrokultur mit Blähton und Nährlösung. Alle drei brauchen einen hellen Platz ohne direkte Sonne, weil sich Glas aufheizt. Der berühmteste Flaschengarten wurde 1960 gepflanzt und seit 1972 nicht mehr gegossen.
Glas zeigt, was in der Erde sonst verborgen bleibt: Wurzeln, Wasserstand, Moos. Das ist der Reiz, und gleichzeitig der Grund, warum viele Gläser nach drei Wochen trüb, veralgt oder verschimmelt sind.
Die Lösung liegt in der Wahl des richtigen Systems. Ein Glas ohne Abzugsloch verhält sich anders als ein Topf, und jede der drei Methoden hat eigene Regeln.
Hier findest du, wie Flaschengarten, Wasserglas und Hydrokultur funktionieren, welche Pflanzen passen und wo die Fehler liegen.
Der Flaschengarten: ein Ökosystem hinter Glas
Ein Flaschengarten ist laut Wikipedia ein kleines Ökosystem in einer Flasche oder einem ähnlichen Glasbehälter, bestehend aus Substrat, Pflanzen, Mikroorganismen, Luft und Wasser. Wasser verdunstet aus Erde und Blättern, kondensiert am Glas und läuft zurück. Tagsüber nutzt die Pflanze Kohlendioxid für die Photosynthese, nachts verbraucht sie Sauerstoff.
Die Idee ist fast 200 Jahre alt. Der Londoner Arzt Nathaniel Bagshaw Ward beobachtete im Sommer 1829 in einem erdgefüllten Gefäß mit Glasdeckel, wie Feuchtigkeit am Deckel kondensierte, zurücktropfte und Samen keimen ließ. 1833 schickte er zwei Glaskästen mit Farnen und Gräsern nach Australien, nach über einem Jahr waren die Pflanzen unversehrt. Der Wardsche Kasten machte den Transport lebender Pflanzen über Ozeane möglich.
Der bekannteste moderne Flaschengarten stammt von dem Briten David Latimer. Er pflanzte 1960 eine Tradescantia in eine Glasballonflasche, goss 1972 zum letzten Mal und verschloss das Glas. Es war 2013 noch bewachsen, über 40 Jahre ohne Wasser von außen.
Flaschengarten anlegen
Du brauchst ein sauberes Glas mit Deckel oder Korken, eine Drainageschicht aus Blähton oder Kies (2 bis 3 Zentimeter), darüber optional etwas Aktivkohle gegen Gerüche, dann feuchte, nährstoffarme Erde. Als Pflanzen empfiehlt Wikipedia Moose, Farne, Bromelien und tropische Kleinarten. Kleine Farne, Moospolster und Fittonien funktionieren zuverlässig.
Einmal angießen, bis die Erde feucht, aber nicht nass ist. Deckel zu. Beschlägt das Glas morgens leicht und klart bis mittags auf, stimmt die Wassermenge. Bleibt es dauerhaft beschlagen, für einen Tag öffnen. Bleibt es trocken, ein paar Milliliter nachgießen.
Standort: hell, aber ohne direkte Sonne, etwa ein Nordfenster oder ein Meter neben einem Ostfenster. In der Sonne heizt sich das Glas wie ein Gewächshaus auf und kocht die Pflanzen. Eine echte Hermetosphäre muss laut Wikipedia jahrelang weder gegossen noch gedüngt werden.
Pflanzen im Wasserglas
Die einfachste Variante: ein Steckling im Wasser. Efeutute, Grünlilien-Ableger, Monstera-Stecklinge mit Luftwurzel, Buntnessel und Basilikum bilden innerhalb von ein bis drei Wochen Wurzeln. Efeutute und Grünlilie leben auch dauerhaft im Wasser, wenn du alle ein bis zwei Wochen wechselst und ab dem zweiten Monat ein wenig Flüssigdünger zugibst.
Drei Regeln: Kein Blatt darf im Wasser hängen, sonst fault es. Das Glas sollte nicht in der Sonne stehen, sonst wachsen Algen. Und dunkles oder mattes Glas hält Algen besser fern als klares, weil die Wurzeln im Dunkeln bleiben.
Stecklinge, die im Wasser bewurzelt wurden, bilden Wasserwurzeln. Beim Umzug in Erde brauchen sie zwei bis drei Wochen gleichmäßig feuchte Erde, bis sie Erdwurzeln nachbilden.
Hydrokultur: Glas mit Blähton
Hydrokultur ist laut Wikipedia eine Pflanzenhaltung, bei der die Pflanzen statt in Erdreich in wassergefüllten Behältern wurzeln, mit oder ohne inertem Stützsubstrat. Das Standardsubstrat ist körniger Blähton, pH-neutral und offenporig, damit er Wasser speichert und Sauerstoff an die Wurzeln lässt.
Im Glas sieht das so aus: Blähton unten, die Pflanze mit gewaschenen Wurzeln hinein, Wasser bis etwa ein Viertel der Höhe. Ein Wasserstandsanzeiger zeigt, wann nachgefüllt wird. Gedüngt wird mit Hydrokulturdünger, der den pH-Wert reguliert. Vorteile laut Wikipedia: seltener gießen, seltener umtopfen, weniger Schädlinge.
Die Umstellung einer älteren Erdpflanze klappt nicht immer. Beim Auswaschen gehen die feinen Wurzelhaare verloren, die Pflanze reagiert mit Blattdürre. Junge Pflanzen und Stecklinge stellen sich leichter um. Orchideen und Bromelien eignen sich besonders, weil ihre Wurzeln ohnehin frei wachsen.
Was im Glas schiefgeht
Algen: grüner Belag an der Innenseite. Ursache ist Licht auf Wasser oder feuchter Erde. Glas aus der Sonne nehmen, bei Wasserglas und Hydrokultur das Wasser wechseln, bei Flaschengärten die Wand mit einem Stab und Küchenpapier abwischen.
Schimmel: weißer Flaum auf Erde oder Pflanzenresten im Flaschengarten. Abgestorbene Blätter sofort entfernen, einen Tag lüften, Wassermenge reduzieren.
Fäulnis: braune, weiche Stängel. Fast immer stand zu viel Wasser zu lange. Im Wasserglas den Steckling neu anschneiden, im Flaschengarten die betroffene Pflanze entfernen.
Stauhitze: Blätter werden glasig oder gelb. Das Glas stand in der Sonne. Sofort umstellen.
Welche Pflanze für welches Glas
Geschlossener Flaschengarten: Moose, Zwergfarne, Fittonia, kleine Bromelien, Pilea. Keine Sukkulenten und keine Kakteen, die faulen in der feuchten Luft.
Offenes Glas ohne Deckel mit Erde: Sukkulenten und Kakteen, aber nur mit dicker Drainageschicht und sehr sparsamem Gießen, weil das Wasser nicht abfließen kann.
Wasserglas: Efeutute, Grünlilie, Monstera-Stecklinge, Buntnessel, Efeu. Hydrokultur im Glas: Efeutute, Einblatt, Zamioculcas, Orchideen.
Häufige Fragen
Welche Pflanze wächst dauerhaft im Wasserglas?
Efeutute und Grünlilie halten jahrelang im Wasser, wenn du regelmäßig wechselst und leicht düngst.
Wie lange hält ein Flaschengarten?
Bei richtigem Wasserhaushalt und Licht Jahre bis Jahrzehnte. David Latimers Flaschengarten war nach über 40 Jahren ohne Gießen noch grün.
Warum wird mein Glas grün?
Algen durch Licht auf Wasser oder Erde. Glas aus der Sonne stellen, Wasser wechseln, dunkleres Glas wählen.
Kann ich Sukkulenten im geschlossenen Glas halten?
Nein. Sie faulen in der feuchten Luft. Nur im offenen Glas mit Drainage und sehr wenig Wasser.
Brauche ich Löcher im Glas?
Nein, Glas hat keine. Ersatz ist eine Drainageschicht aus Blähton oder Kies und vorsichtiges Gießen.
Wo stelle ich ein Pflanzenglas hin?
Hell, ohne direkte Sonne. Nord- oder Ostfenster, oder etwas abseits eines Süd- oder Westfensters.
Quellen
- Flaschengarten — Wikipedia
- Wardscher Kasten — Wikipedia
- Bottle garden — Wikipedia (englisch)
- Hydrokultur — Wikipedia
Das passt dazu
Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:
- Pflanze umtopfen: Anleitung in 8 Schritten, Zeitpunkt, Topfgröße
- Pflanze immergrün, winterhart, blühend: 8 Arten mit Blütezeit
- Pflanze im Topf: Gefäß, Erde, Gießen, Düngen und Überwintern
Geschrieben von Jonas, Redaktion spatenfreunde.de — er schreibt hier über Garten, Pflanzen und die Arbeit im Beet.
