Reifende Feigen an einem Zweig

Feigenbaum schneiden: Zeitpunkt, Technik und Ertrag

Kurzantwort: Die Echte Feige (Ficus carica) wird vor dem Frühjahrsaustrieb geschnitten, meist zwischen Ende Februar und Anfang April, sobald keine starken Fröste mehr zu erwarten sind. Entfernt werden totes, frostgeschädigtes und nach innen wachsendes Holz. Ein starker Rückschnitt kostet die frühe Ernte, weil die Vorfeigen an den Trieben des Vorjahres sitzen. Beim Schneiden gehören Handschuhe dazu.

Die Feige gehört zu den Maulbeergewächsen und stammt vermutlich aus Südwestasien, aus der Region am Kaspischen Meer und dem Pontischen Gebirge. Kultiviert wird sie seit der Antike im gesamten Mittelmeerraum.

In Mitteleuropa bleibt sie deutlich kleiner als in ihrer Heimat und erreicht selten mehr als fünf bis sechs Meter. Winterharte Sorten wie Brown Turkey vertragen im laublosen Zustand Temperaturen bis etwa minus fünfzehn Grad, reagieren aber empfindlich auf Kahlfrost.

Der Schnitt fällt bei dieser Pflanze überschaubar aus. Wichtiger als die Menge ist der Zeitpunkt und das Wissen darüber, wo die Früchte entstehen.

Der Zeitpunkt: vor dem Austrieb

Die Pflege beschränkt sich in der Regel auf einen Rückschnitt vor dem Frühjahrsaustrieb. Praktisch heißt das: Ende Februar bis Anfang April, je nach Region und Witterung.

Zu früh geschnitten ist ungünstig, weil ein später Frost in die frischen Schnittstellen fährt und die Triebe von oben zurücktrocknen. Zu spät geschnitten kostet Kraft, weil die Pflanze bereits Saft in Triebe schiebt, die dann fallen.

Ein guter Anhaltspunkt ist der Moment, in dem die Knospen anschwellen, aber noch geschlossen sind. Dann lässt sich totes von lebendem Holz sicher unterscheiden.

Im Herbst wird nicht geschnitten. Offene Wunden gehen unverheilt in den Winter, und gerade bei der Feige trocknen die Triebenden dann weit zurück.

Der Milchsaft der Pflanze kann zusammen mit Sonnenlicht eine Photodermatitis auslösen. Foto: Monica Arellano-Ongpin, CC BY 4.0

Wo die Feige ihre Früchte bildet

Kulturfeigen können bis zu dreimal jährlich Früchte tragen. Man unterscheidet Vorfeigen, auch Brebas genannt, Sommerfeigen und Herbstfeigen. Die Früchte entstehen an einjährigem Holz aus Knospen des Vorjahres.

In Mitteleuropa spielen zwei dieser Sätze eine Rolle. Die Vorfeigen sitzen an den Trieben des Vorjahres und reifen früh, oft schon im Juli. Der zweite Satz bildet sich an den diesjährigen Trieben und reift im Spätsommer und Herbst — sofern der Sommer warm genug war.

Daraus folgt die wichtigste Schnittregel: Wer die Vorjahrestriebe stark einkürzt, schneidet die frühe Ernte weg. Ein radikaler Rückschnitt im Frühjahr bringt viel neues Holz, aber im selben Jahr kaum reife Früchte.

Der Erhaltungsschnitt Schritt für Schritt

Erstens: totes und frostgeschädigtes Holz entfernen. Schwarze, eingetrocknete Triebspitzen werden bis ins gesunde, hellgrüne Gewebe zurückgenommen.

Zweitens: auslichten. Nach innen wachsende, sich kreuzende und aneinander reibende Zweige kommen weg. Ziel ist eine Krone, in die Licht und Luft kommen.

Drittens: zu dicht stehende Triebe an der Basis entfernen, statt sie alle einzukürzen. Die Feige treibt aus dem verbliebenen Holz kräftig nach.

Viertens: Bodentriebe. Die Feige bildet gern Ausläufer aus dem Wurzelbereich. Wer einen Stamm erziehen will, entfernt sie; wer einen mehrtriebigen Strauch bevorzugt, lässt zwei bis drei stehen.

Geschnitten wird immer knapp oberhalb einer nach außen gerichteten Knospe oder direkt am Ansatz des Triebs, ohne einen Stummel stehen zu lassen.

Die Feige im Kübel

Im Gefäß ist der Schnitt regelmäßiger nötig, weil der Wurzelraum begrenzt bleibt und die Pflanze sonst kopflastig wird.

Üblich ist ein Aufbau als Strauch mit drei bis fünf Haupttrieben oder als kleiner Hochstamm mit klarem Kronenansatz. Das Verhältnis von Krone zu Topf sollte im Blick bleiben — eine zu große Krone auf zu kleinem Ballen kippt bei Wind.

Beim Umtopfen alle zwei bis drei Jahre lässt sich der Schnitt gut kombinieren: Wer Wurzeln kürzt, nimmt oben eine ähnliche Menge weg.

Kübelfeigen überwintern hell und kühl bei etwa fünf bis zehn Grad oder dunkel und frostfrei, wenn sie das Laub abgeworfen haben. Gegossen wird sparsam, aber der Ballen darf nie ganz austrocknen.

Alte Feigen verjüngen

Verkahlte, überalterte Pflanzen vertragen einen Verjüngungsschnitt. Dabei werden die ältesten Haupttriebe bodennah entfernt, verteilt über zwei bis drei Jahre.

Die Feige treibt zuverlässig aus altem Holz wieder aus, oft sogar aus dem Wurzelstock. Nach einem harten Winter mit Rückfrost bis zum Boden lohnt sich Geduld: Was oben tot aussieht, treibt im Mai häufig neu.

Ein Verjüngungsschnitt kostet ein bis zwei Erntejahre. Danach steht die Pflanze wieder mit jungem, fruchtbarem Holz da.

Milchsaft: Handschuhe sind Pflicht

Die ganze Pflanze führt Milchsaft, der im Zusammenhang mit Sonnenlicht nach Berührung zu einer Photodermatitis führen kann. Die Reaktion zeigt sich als Rötung, Blasenbildung und länger anhaltende Verfärbung der Haut.

Beim Schneiden gehören deshalb Handschuhe und lange Ärmel dazu. Saft auf der Haut wird sofort abgewaschen, und an sonnigen Tagen bleibt die betroffene Stelle bedeckt.

Der Milchsaft tritt aus jeder frischen Schnittstelle aus und versiegelt sie nach kurzer Zeit von selbst. Wundverschlussmittel sind bei der Feige nicht nötig.

Nach dem Schnitt

Im Freiland gepflanzte Feigen freuen sich über eine Kompostgabe im Frühjahr und eine Mulchschicht über dem Wurzelbereich. Zu viel Stickstoff treibt weiches Holz, das im Winter zurückfriert.

Junge Pflanzen bekommen in den ersten Jahren einen Winterschutz aus Vlies und einer dicken Laubschicht über der Wurzelscheibe. Ab etwa dem fünften Standjahr sind winterharte Sorten in weiten Teilen Deutschlands ohne Schutz stabil.

Häufige Fragen

Wann schneidet man einen Feigenbaum?

Vor dem Frühjahrsaustrieb, meist zwischen Ende Februar und Anfang April, an einem frostfreien Tag.

Darf ich im Sommer schneiden?

Kleine Korrekturen ja. Ein starker Schnitt im Sommer kostet den zweiten Fruchtsatz.

Warum trägt meine Feige keine Früchte?

Häufige Gründe sind ein zu starker Rückschnitt der Vorjahrestriebe, ein zu kühler Standort oder ein zu kurzer Sommer für die Reife.

Wie stark darf ich zurückschneiden?

Die Feige verträgt viel und treibt aus altem Holz aus. Der Ertrag setzt danach ein bis zwei Jahre aus.

Muss die Schnittwunde behandelt werden?

Nein. Der austretende Milchsaft verschließt die Stelle selbst.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Clara, Redaktion spatenfreunde.de — sie schreibt hier über Garten, Pflanzen und die richtige Pflege.

Die mobile Version verlassen