Dichte, glänzend grüne Kirschlorbeerhecke mit jungen Blütenspitzen

Lorbeerhecke schneiden: Zeitpunkt und Werkzeug richtig

Kurzantwort: Die als Lorbeerhecke bekannte Pflanze ist in Deutschland fast immer Kirschlorbeer, botanisch nicht mit dem echten Lorbeer verwandt. Formschnitt ist zweimal im Jahr möglich, im Frühjahr vor dem Austrieb und im Spätsommer, ein radikaler Rückschnitt der ganzen Hecke aber nur außerhalb der gesetzlichen Vogelschutzzeit von März bis September. Bei großblättrigen Sorten schneidet eine Handschere sauberer als eine elektrische Heckenschere.

Kaum eine Heckenpflanze ist in deutschen Gärten so verbreitet wie die, die umgangssprachlich Lorbeerhecke heißt. Botanisch handelt es sich dabei fast immer um Kirschlorbeer, eine ganz andere Pflanzenfamilie als der Gewürzlorbeer aus der Küche.

Für den Schnitt macht dieser Unterschied wenig aus, wohl aber für das Verständnis, warum die Pflanze so robust, schnellwüchsig und zugleich giftig ist.

Kirschlorbeer statt echter Lorbeer

Die Pontische Lorbeerkirsche gehört nicht zur Pflanzengattung Lorbeeren (Laurus), sondern zu den Rosengewächsen. Der Name Lorbeerhecke stammt allein von der Ähnlichkeit der ledrigen, glänzenden Blätter mit denen des echten Lorbeers. Seit den 1990er-Jahren ist Kirschlorbeer nach Verkaufszahlen das dominierende Sichtschutzgehölz in Mitteleuropa geworden.

Der echte, im Mittelmeerraum beheimatete Gewürzlorbeer wird in Deutschland meist nur als Kübelpflanze kultiviert, weil er hierzulande kaum winterhart ist und strengen Frost ungeschützt selten übersteht. Diese fehlende Winterhärte ist einer der praktischen Gründe, warum sich der deutlich robustere Kirschlorbeer als Heckenpflanze durchgesetzt hat, obwohl beide Pflanzen botanisch nichts miteinander zu tun haben.

Formschnitt im Jahresverlauf

Kirschlorbeer verträgt zwei Formschnitte im Jahr gut: einen im Frühjahr, bevor die Pflanze austreibt, und einen zweiten im Spätsommer, wenn der erste Neuaustrieb bereits verholzt ist. Zwischen beiden Terminen wächst die Hecke weiter und braucht dadurch über das Jahr verteilt weniger radikale Eingriffe als bei nur einem jährlichen Schnitt.

Wird nur einmal im Jahr geschnitten, verholzt der neue Austrieb bis dahin bereits stark, und der Schnitt muss entsprechend tiefer in altes Holz gehen, um die Form wieder zurückzunehmen. Zwei moderate Schnitte im Jahr halten die Hecke dagegen gleichmäßiger in Form und beanspruchen die Pflanze insgesamt weniger als ein einzelner, harter Rückschnitt.

Die gesetzliche Schonzeit beachten

Ein kompletter Rückschnitt auf altes Holz zählt als Beseitigung im Sinne von § 39 Bundesnaturschutzgesetz und ist deshalb zwischen dem 1. März und dem 30. September nicht erlaubt. Die beiden üblichen Formschnitte im zeitigen Frühjahr und im Spätsommer bewegen sich meist innerhalb dieses Zeitraums, gelten aber als schonender Pflegeschnitt, solange nur der Zuwachs des laufenden Jahres entfernt wird und die Hecke als Ganzes stehen bleibt.

Ein Blick in die dichten unteren Zweige vor dem Schnitt lohnt sich trotzdem: Auch Kirschlorbeer bietet Singvögeln dichten, blickdichten Nistraum, und ein belegtes Nest wird bis zum Ausfliegen der Jungvögel ausgespart, selbst wenn der geplante Formschnitt rechtlich zulässig wäre.

Das richtige Werkzeug für große Blätter

Bei Sorten mit großen Blättern durchtrennt eine elektrische Heckenschere die Blattfläche mittig und hinterlässt braune, unschöne Schnittränder an jedem einzelnen Blatt. Eine Handschere oder Astschere schneidet dagegen ganze Triebe ab, ohne einzelne Blätter aufzuschlitzen. Bei kleinblättrigen Sorten fällt dieser Effekt geringer aus, dort lässt sich auch mit der Heckenschere arbeiten.

Wer eine große Fläche mit großblättrigem Kirschlorbeer hat und trotzdem nicht komplett auf die Heckenschere verzichten möchte, kann beide Werkzeuge kombinieren: die grobe Formgebung mit der Heckenschere, den Feinschliff an sichtbaren, blickfangenden Bereichen zusätzlich von Hand mit der Astschere nacharbeiten.

Schutzausrüstung wegen der Giftigkeit

Alle Pflanzenteile der Lorbeerkirsche enthalten cyanogene Glykoside, aus denen sich vor allem beim Zerkauen von Samen und Blättern giftiger Cyanwasserstoff bildet, ein Umstand, der bei einer so weit verbreiteten Gartenpflanze oft in Vergessenheit gerät. Beim Schnitt bedeutet das: Handschuhe tragen und das Schnittgut nicht in Reichweite von Kindern oder Haustieren liegen lassen, bis es entsorgt ist. Unbeschädigt verschluckte Samen gelten dagegen als für Menschen ungefährlich, weil sich der Giftstoff erst beim Zerkauen freisetzt – ein Grund mehr, Kinder trotzdem vom Zerbeißen der glänzenden schwarzen Steinfrüchte fernzuhalten.

Warum Naturschützer zur Zurückhaltung raten

Kirschlorbeer keimt leicht aus Vogelkot, wenn Vögel die Früchte fressen und die Samen andernorts wieder ausscheiden. Naturschutzverbände warnen deshalb zunehmend davor, weil sich die Pflanze auf diesem Weg in Wäldern und an Waldrändern ausbreitet und dort die heimische Krautschicht verdrängt. Wer eine bestehende Lorbeerhecke schneidet, tut der Umgebung einen Gefallen, wenn er reife Früchte vor dem Abfallen entfernt statt sie liegen zu lassen.

Standort und Wuchsverhalten

Kirschlorbeer gilt als sehr anpassungsfähige Art, die mit verschiedensten, auch kalkhaltigen Bodenarten zurechtkommt und sowohl schattige wie sonnige Standorte verträgt. Seine Winterhärte wird meist mit der USDA-Klimazone 7 angegeben, also bis etwa minus 17 Grad, in strengen Wintern können in ungeschützten Lagen dennoch Frostschäden an den Blättern auftreten. Genau diese Anspruchslosigkeit an den Standort erklärt, warum sich die Pflanze seit den 1990er-Jahren gegen empfindlichere, traditionellere Heckenpflanzen wie Liguster oder Buchsbaum so deutlich durchgesetzt hat.

Kahle Stellen nach dem Schnitt

Wurde ein Teil der Hecke zu radikal geschnitten oder ist über die Jahre unten kahl geworden, treibt Kirschlorbeer auch aus älterem Holz meist zuverlässig wieder aus, solange der Rückschnitt außerhalb der Vogelschutzzeit erfolgt. Bis die neuen Triebe die kahle Stelle wieder ganz schließen, vergehen je nach Wuchskraft der Pflanze und Standort meist ein bis zwei volle Vegetationsperioden. Bei einzelnen abgestorbenen Pflanzen in einer bestehenden Hecke lohnt sich Nachpflanzen derselben Sorte, damit Wuchsform und Blattgröße einheitlich bleiben und die Lücke nicht dauerhaft sichtbar bleibt.

Schnittgut richtig entsorgen

Wegen der enthaltenen Giftstoffe gehört Schnittgut von Kirschlorbeer nicht auf den Kompost für den eigenen Nutzgarten, sondern in die Biotonne oder zum kommunalen Grünschnittplatz. Naturschutzverbände weisen zudem darauf hin, dass sich verwilderte Sämlinge aus abgelegten Schnittresten in Wäldern ausbreiten können. Wer größere Mengen Schnittgut hat, sollte diese deshalb keinesfalls am Waldrand oder auf einer wilden Grünfläche ablagern, so verlockend das bei sperrigen Ästen auch sein mag.

Quellen

Geschrieben von Clara, Redaktion spatenfreunde.de — sie schreibt hier über Garten, Pflanzen und die richtige Pflege.

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