Unbelaubter Baum vor winterlichem Himmel

Bäume schneiden: Wann welcher Baum an die Reihe kommt

Kurzantwort: Der Winterschnitt in der Vegetationsruhe regt das Wachstum an, der Sommerschnitt am belaubten Baum bremst es. Kernobst wird zwischen Februar und Ende März geschnitten, Steinobst nach der Ernte. Birke, Ahorn, Walnuss und Hainbuche bluten im Frühjahr stark und kommen deshalb im Sommer oder Spätherbst dran. Gearbeitet wird an frostfreien, trockenen Tagen.

Die Frage nach dem Termin lässt sich nicht mit einem einzigen Datum beantworten. Sie hängt an drei Dingen: an der Baumart, am Ziel des Schnitts und am gesetzlichen Rahmen.

Der gesetzliche Teil ist schnell erledigt und betrifft im Hausgarten weniger, als viele annehmen. Der gärtnerische Teil verlangt etwas mehr Sortierung.

Hier steht beides — erst die Rechtslage, dann die Termine nach Baumart.

Der gesetzliche Rahmen

§ 39 Absatz 5 des Bundesnaturschutzgesetzes verbietet vom 1. März bis zum 30. September, „Bäume, die außerhalb des Waldes, von Kurzumtriebsplantagen oder gärtnerisch genutzten Grundflächen stehen, Hecken, lebende Zäune, Gebüsche und andere Gehölze“ abzuschneiden, auf den Stock zu setzen oder zu beseitigen.

Für Bäume gilt die Einschränkung „außerhalb gärtnerisch genutzter Grundflächen“. Ein Baum im gepflegten Hausgarten fällt damit nicht unter dieses Verbot. Hecken und Gebüsche dagegen sind ohne diese Ausnahme erfasst.

Unabhängig davon gilt der Artenschutz. Absatz 1 derselben Vorschrift verbietet, wild lebende Tiere ohne vernünftigen Grund zu stören oder ihre Fortpflanzungsstätten zu beschädigen. Ein besetztes Vogelnest oder eine Fledermausquartier im Stamm setzt jeder Säge eine Grenze.

Dazu kommen kommunale Baumschutzsatzungen. Viele Städte schützen Bäume ab einem bestimmten Stammumfang und verlangen für Fällung und starken Rückschnitt eine Genehmigung. Ein Anruf beim Grünflächenamt klärt das in fünf Minuten.

Astsäge an einem Zweig angesetzt
Ab etwa vier Zentimetern Aststärke übernimmt die Säge. Foto: Ildar Sagdejev (Specious), CC BY-SA 3.0

Winterschnitt: was er bewirkt

Der Winterschnitt erfolgt in der Vegetationspause nach dem Laubabwurf. Der Baum hat seine Reserven in Wurzeln und Stamm eingelagert, die Krone ist übersichtlich, und der Aufbau lässt sich gut beurteilen.

Der Effekt: Der Schnitt regt das Wachstum an. Die eingelagerten Reserven verteilen sich im Frühjahr auf weniger Knospen, und die verbliebenen treiben umso kräftiger.

Das ist erwünscht bei jungen Bäumen im Aufbau und bei schwachwüchsigen, vergreisten Kronen. Bei einem ohnehin wuchernden Baum verstärkt der Wintertermin das Problem.

Praktisch liegt das Fenster zwischen Laubfall und Austrieb. Frostfreie Tage über etwa minus fünf Grad sind Bedingung, weil gefrorenes Holz an der Schnittstelle ausbricht.

Sommerschnitt: was er bewirkt

Der Sommerschnitt am belaubten Baum bremst das Wachstum. Mit jedem entfernten Trieb geht Blattmasse verloren, und damit Assimilate, die der Baum in Holz umgesetzt hätte.

Der übliche Termin liegt im Juni und Juli, bei Obst als sogenannter Juniriss. Junge, noch krautige Triebe werden dabei von Hand herausgerissen, was eine kleinere Wunde hinterlässt.

Ein zweiter Vorteil: Wunden verschließen bei warmem Wetter deutlich schneller. Gerade bei Kirsche und Pflaume senkt das den Befall durch Pilzkrankheiten.

Bäume, die bluten

Birke, Ahorn, Walnuss und Hainbuche bauen im Spätwinter und Frühjahr starken Wurzeldruck auf. Aus jeder Schnittstelle läuft dann über Wochen Saft.

Dieser Saftfluss schwächt den Baum und hält die Wunde offen, weil sich kein Wundgewebe bilden kann. Deshalb werden diese Arten im Sommer nach dem Johannistrieb geschnitten, üblicherweise im Juli und August, oder im Spätherbst nach dem Laubfall.

Der Winterschnitt zwischen Januar und April ist bei ihnen der schlechteste aller Termine.

Termine nach Baumart im Überblick

  • Apfel, Birne, Quitte: Februar bis Ende März
  • Süß- und Sauerkirsche: Sommer, direkt nach der Ernte
  • Pflaume, Zwetschge, Mirabelle: nach der Ernte, spät reifende Sorten bis Anfang September
  • Pfirsich, Aprikose, Mandel: im Frühjahr zur Blütezeit
  • Birke, Ahorn, Walnuss, Hainbuche: Juli bis August oder Spätherbst
  • Linde, Platane, Robinie: Winterhalbjahr, frostfrei
  • Nadelgehölze: nur Korrekturen, meist im Frühsommer

Wetter und Tageszeit

Ein trockener, frostfreier Tag ist die beste Voraussetzung. Regen und Nebel verteilen Pilzsporen auf frischen Schnittflächen.

Bei Frost unter etwa minus fünf Grad wird nicht gearbeitet. Das Holz ist dann spröde, die Schnittkante franst aus, und die Wundheilung startet später.

Im Hochsommer meidet man die Mittagsstunden. Plötzlich freigelegte Rinde an der Südseite kann sonnenbrandartige Schäden bekommen, besonders bei glattrindigen Arten wie Buche und Ahorn.

Wann gar nicht geschnitten wird

Bei besetztem Vogelnest, bei erkennbaren Höhlen mit Bewohnern und bei Bäumen unter einer kommunalen Schutzsatzung ohne Genehmigung bleibt die Säge im Schuppen.

Auch bei starkem Frost, bei Dauerregen und bei frisch gepflanzten Bäumen im ersten Standjahr wird nur das Nötigste gemacht.

Arbeiten in der Krone, an Bäumen im Straßenraum oder in der Nähe von Leitungen gehören in die Hände eines Fachbetriebs. Das ist eine Frage der Sicherheit und der Haftung.

Der Schnitt bei jungen und alten Bäumen

Junge Bäume in den ersten Standjahren werden jährlich geschnitten. In dieser Phase wird das Gerüst festgelegt, und jede spätere Korrektur kostet größere Wunden.

Frisch gepflanzte Bäume bekommen im ersten Jahr nur einen Pflanzschnitt, der die Krone an das beim Roden verkleinerte Wurzelwerk angleicht. Danach bleibt der Baum ein bis zwei Jahre in Ruhe und wurzelt ein.

Alte Bäume vertragen weniger. Die Reserven sind geringer, die Überwallung läuft langsamer und große Wunden bleiben offen. Hier gilt: wenig, dafür regelmäßig, und lieber mehrere kleine Schnitte als einen großen.

Bei stark vernachlässigten Kronen wird der Rückschnitt über zwei bis drei Jahre verteilt. Ein Baum, dem in einem Winter die halbe Krone genommen wird, antwortet im Sommer mit einem dichten Kranz aus Wasserschossen.

Häufige Fragen

Darf ich im Sommer einen Baum im Garten fällen?

Das Verbot in § 39 Absatz 5 BNatSchG gilt für Bäume außerhalb gärtnerisch genutzter Flächen. Kommunale Baumschutzsatzungen und der Artenschutz können trotzdem greifen.

Wann schneidet man eine Birke?

Im Sommer nach dem Johannistrieb oder im Spätherbst, nie im Spätwinter.

Was ist besser, Winter- oder Sommerschnitt?

Das hängt vom Ziel ab. Winter treibt an, Sommer bremst.

Wie kalt darf es beim Schneiden sein?

Bis etwa minus fünf Grad ist Arbeiten möglich. Darunter bricht das Holz an der Schnittstelle.

Wie oft muss ein Baum geschnitten werden?

Junge Obstbäume jährlich, ältere alle zwei bis drei Jahre, Ziergehölze nur bei Bedarf.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Clara, Redaktion spatenfreunde.de — sie schreibt hier über Garten, Pflanzen und die richtige Pflege.


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