Flame tree mali

Baum schneiden: Welches Werkzeug du wirklich brauchst

Kurzantwort: Bis etwa zwei Zentimeter Aststärke reicht eine scharfe Bypass-Gartenschere. Bis rund vier Zentimeter nimmst du eine zweihändige Astschere, darüber eine Zugsäge mit feiner Zahnung. Für Äste über Kopfhöhe kommt ein Teleskopstiel dazu. Die Motorsäge ist das letzte Mittel — für Beschäftigte erst nach der Ausbildung nach DGUV Information 214-059 und nur mit Schnittschutzhose, Helm mit Visier und Gehörschutz.

Werkzeug für den Baumschnitt wird meist nach Gefühl gekauft. Das Ergebnis siehst du erst Monate später am Baum. Eine gequetschte Schnittstelle überwallt schlechter als eine glatt getrennte.

Die Auswahl hängt an zwei Größen: an der Stärke des Astes und an der Höhe, in der er sitzt. Alles andere ist Zubehör.

Hier steht, welches Gerät zu welcher Aststärke gehört, wo die Grenze zur Motorsäge verläuft und welche Schnittführung das Werkzeug überhaupt erst sinnvoll macht.

Bypass oder Amboss — die Gartenschere

Eine Bypass-Schere arbeitet wie eine Haushaltsschere. Zwei Klingen gleiten aneinander vorbei und trennen das Holz glatt ab. Für lebende Triebe ist das die richtige Bauart.

Eine Amboss-Schere drückt eine Klinge gegen eine feste Metallfläche. Das Holz wird dabei gequetscht. Bei trockenem Totholz stört das wenig, an frischen Trieben schadet es der Wunde.

Den größten Unterschied macht die Schärfe. Stumpfe Klingen reißen die Rinde ein und hinterlassen Fransen, an denen Pilze ansetzen. Harz nach jedem Einsatz abwischen, die Klinge mit einem feinen Stein nachziehen, einen Tropfen Öl ins Gelenk — damit hält eine gute Schere Jahre.

Achte beim Kauf darauf, dass Klinge und Feder einzeln nachkaufbar sind. Bei den gängigen Herstellern ist das der Fall, bei Billiggeräten selten.

Astschere und Säge — ab zwei Zentimetern

Wird der Ast dicker als ein Daumen, kommt die einhändige Schere an ihre Grenze. Dann greifst du zur zweihändigen Astschere. Modelle mit Getriebe oder Ratsche übersetzen die Kraft und schaffen Äste bis etwa vier Zentimeter.

Darüber schneidet die Säge sauberer als jede Schere. Japanische Zugsägen trennen beim Ziehen. Das Blatt steht dabei unter Zug, verkantet seltener und braucht weniger Kraft als eine Säge, die auf Stoß arbeitet.

Für den Hausgarten reicht meist ein Klappmodell mit rund 24 Zentimetern Blattlänge. Eine grobe Zahnung frisst sich schnell durch frisches Holz, eine feine hinterlässt die glattere Fläche. Im Zweifel nimm die feinere: Der Baum verschließt die Wunde, nicht du.

Über Kopf — Teleskopstiel und Hochentaster

Alles oberhalb der Schulter wird zur Sicherheitsfrage. Eine Teleskop-Astsäge verlängert den Arm um zwei bis vier Meter, und du bleibst mit beiden Füßen am Boden. Das reicht für die meisten Obstbäume im Hausgarten.

Der Hochentaster ist die motorisierte Variante: eine kleine Kettensäge am Stiel, meist mit Akku. Er nimmt Kraft ab und verlangt dieselbe Vorsicht wie jede Kettensäge. Helm, Schutzbrille und Handschuhe gehören dazu, weil das Schnittgut von oben kommt.

Eine Regel gilt ohne Ausnahme: Motorsäge und Leiter gehören nie zusammen. Wer aus der Krone heraus arbeiten muss, ruft eine Fachfirma für Baumpflege. Die arbeitet aus der Hubarbeitsbühne oder mit Seilklettertechnik.

Motorsäge — Ausbildung und Schutzausrüstung

Für Beschäftigte ist der Umgang mit der Motorsäge geregelt. Die DGUV Information 214-059 „Ausbildung für Arbeiten mit der Motorsäge und die Durchführung von Baumarbeiten“ beschreibt die Ausbildung in Modulen. Modul A heißt „Grundlagen der Motorsägenarbeit“, Modul B „Baumfällung und Aufarbeitung“. Die Module C und D behandeln Baumarbeiten mit der Motorsäge aus dem Arbeitskorb, also von der Hubarbeitsbühne aus; Modul C umfasst 16, Modul D 24 Unterrichtseinheiten zu je 45 Minuten.

Zur persönlichen Schutzausrüstung zählen Schnittschutzhose, Schnittschutzstiefel, Helm mit Visier und Gehörschutz sowie feste Handschuhe. Ohne diese Ausrüstung beginnt kein Kurs, und ohne sie sollte auch im eigenen Garten keine Kette laufen.

Privat schreibt dir niemand einen Nachweis vor, denn die DGUV-Regeln gelten für Versicherte in Betrieben. Beim Selbstwerben von Brennholz im Gemeinde- oder Staatswald verlangen die Forstverwaltungen den Motorsägenschein allerdings regelmäßig.

Die Schnittführung macht den Unterschied

Der Schnitt endet nicht bündig am Stamm. Am Astansatz sitzt der Astring, ein leichter Wulst. Dieses Gewebe überwallt die Wunde. Wer ihn wegschneidet, hinterlässt ein Loch, das der Baum nur schwer schließt.

Bei schweren Ästen arbeitest du in drei Schnitten. Zuerst ein Entlastungsschnitt von unten, etwa eine Handbreit vom Stamm entfernt. Dann der Trennschnitt von oben, einige Zentimeter weiter außen. Der Ast fällt, ohne die Rinde aufzureißen. Zuletzt nimmst du den Stummel direkt vor dem Astring ab.

Werkzeug überträgt Krankheiten. Nach dem Schnitt an befallenen Gehölzen, etwa bei Verdacht auf Feuerbrand an Apfel, Birne oder Quitte, reinigst du die Klinge, bevor du zum nächsten Baum gehst.

Und der Kalender gehört zur Werkzeugfrage dazu: Hecken, Gebüsche und andere Gehölze dürfen nach § 39 Absatz 5 Bundesnaturschutzgesetz vom 1. März bis 30. September nicht auf den Stock gesetzt oder beseitigt werden. Schonende Form- und Pflegeschnitte bleiben erlaubt.

Häufige Fragen

Bypass oder Amboss — was ist besser?

Für lebendes Holz die Bypass-Schere, weil sie glatt trennt. Die Amboss-Schere quetscht und passt zu trockenem Totholz.

Ab welcher Stärke brauche ich eine Säge?

Etwa ab vier Zentimetern. Darunter arbeitet die Astschere schneller, darüber wird der Scherenschnitt unsauber.

Brauche ich im eigenen Garten einen Motorsägenschein?

Gesetzlich nicht. Die Ausbildung nach DGUV Information 214-059 richtet sich an Beschäftigte. Für Brennholz im Gemeinde- oder Staatswald verlangen die Forstverwaltungen den Nachweis in der Regel.

Warum reißt beim Absägen die Rinde ein?

Weil der Ast unter seinem Gewicht abbricht, bevor der Schnitt durch ist. Der Entlastungsschnitt von unten verhindert das.

Wie halte ich Schere und Säge in Form?

Harz abwischen, Klinge nachziehen, Gelenk ölen, Sägeblatt trocken lagern. Ein Werkzeug, das rostet oder klemmt, arbeitet ungenau.

Quellen

DGUV Information 214-059: Ausbildung für Arbeiten mit der Motorsäge und die Durchführung von Baumarbeiten
§ 39 Bundesnaturschutzgesetz — Allgemeiner Schutz wild lebender Tiere und Pflanzen
Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau: Winterschnitt bei Apfelbäumen

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Geschrieben von Jonas, Redaktion spatenfreunde.de — er schreibt hier über Garten, Pflanzen und die Arbeit im Beet.

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