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Kurzantwort: Die richtige Reihenfolge lautet: erst vertikutieren, dann düngen. Beim Vertikutieren wird Rasenfilz und Moos aus der Grasnarbe herausgekämmt, wodurch sich die Oberfläche öffnet. Wird erst gedüngt und danach vertikutiert, landet ein Teil des Düngers direkt im Rasenfilz und wird beim Vertikutieren wieder mit herausgerissen, statt in den Boden zu gelangen. Gedüngt wird deshalb am selben oder folgenden Tag nach dem Vertikutieren, anschließend wird leicht gewässert, damit die Nährstoffe zügig in den Boden einziehen.
Vertikutieren und Düngen gehören zu den festen Terminen im Rasenjahr, vor allem im Frühjahr, wenn der Rasen aus dem Winter kommt und wieder in Schwung gebracht werden soll. Wie bei vielen Pflegeschritten im Garten entscheidet aber nicht nur, was gemacht wird, sondern auch, in welcher Reihenfolge.
Wer schon einmal frisch gedüngt und dann vertikutiert hat und sich über den Rasen gewundert hat, der trotzdem blass blieb, kennt das Problem aus eigener Erfahrung. Clara erklärt, warum die Reihenfolge bei Rasenfilz und Düngung einen spürbaren Unterschied macht und wie die Rasenpflege im Frühjahr Schritt für Schritt abläuft.
Warum die Reihenfolge überhaupt zählt
Rasenfilz, also die verfilzte Schicht aus abgestorbenen Halmen und Moos zwischen den grünen Grashalmen, wirkt wie eine Barriere zwischen Dünger und Boden. Wird vor dem Vertikutieren gedüngt, bleibt ein Teil der Nährstoffe im Filz hängen, statt bis zu den Wurzeln vorzudringen, und geht beim anschließenden Vertikutieren zusammen mit dem herausgekämmten Filz wieder verloren. Im schlechtesten Fall landet so ein erheblicher Teil des teuer gekauften Düngers am Ende ungenutzt im Grüngutsack statt im Rasen.
Erst mähen, dann vertikutieren
Vor dem Vertikutieren wird der Rasen zunächst gemäht und dabei recht kurz gehalten. Ein kurzer Rasen erleichtert dem Vertikutierer die Arbeit, weil die Messer den Rasenfilz und das Moos zwischen den Halmen besser erreichen und gründlicher herausarbeiten können, als wenn langes Gras im Weg steht und die Messer eher über die Halme gleiten, statt in den Filz einzudringen.
Der Vertikutiervorgang
Beim Vertikutieren wird die Fläche kreuzweise bearbeitet, also einmal längs und einmal quer, damit Moos und Rasenfilz möglichst vollständig aus der Grasnarbe entfernt werden. Für kleinere Flächen kann bereits ein handgeführter Vertikutierer oder ein eiserner Rechen ausreichen, größere Rasenflächen lassen sich mit einem motorbetriebenen Gerät effizienter bearbeiten. Die Messertiefe sollte dabei nur wenige Millimeter in den Boden reichen, damit gesunde Grasnarbe nicht unnötig mit herausgerissen wird.
Das ausgekämmte Material entfernen
Nach dem Vertikutieren liegt meist deutlich sichtbarer Filz und Moos auf der Oberfläche, der vollständig entfernt werden sollte, entweder durch Aufsaugen mit dem Fangkorb eines Sichelmähers oder durch manuelles Zusammenrechen. Bleibt das Material liegen, blockiert es weiterhin Licht und Nährstoffe, die eigentlich bis zum Boden vordringen sollen, und der gesamte Vertikutiervorgang verfehlt seinen Zweck.
Jetzt kommt der Dünger
Erst nachdem die Fläche vertikutiert und von losem Material befreit ist, wird gedüngt, am besten noch am selben oder spätestens am folgenden Tag. Die geöffnete Rasennarbe nimmt die Nährstoffe jetzt deutlich besser auf als eine noch von Filz bedeckte Fläche, was sich in einer merklich besseren Düngewirkung zeigt und den Rasen binnen weniger Wochen sichtbar dunkler und dichter werden lässt.
Nach dem Düngen leicht wässern
Nach der Düngergabe hilft eine leichte Bewässerung dabei, die Düngerkörner anzulösen und die Nährstoffe in den Boden einzuspülen, statt dass sie ungenutzt auf der Oberfläche liegen bleiben. Das gilt besonders für mineralische Dünger, die ohne ausreichend Feuchtigkeit nur langsam wirken, während organische Dünger etwas gutmütiger auf eine kurze Trockenphase reagieren.
Kahle Stellen gleich mitversorgen
Durch das Vertikutieren entstehen häufig kleinere kahle Stellen, an denen zuvor Moos oder dichter Filz saß. Diese Lücken lassen sich direkt im Anschluss mit Nachsaat schließen, idealerweise zwischen April und Anfang Mai, wenn Bodentemperatur und Feuchtigkeit für die Keimung günstig sind. Eine dünne Schicht Anzuchterde über dem neuen Saatgut verbessert den Bodenschluss und beschleunigt die Keimung zusätzlich.
Der richtige Zeitpunkt im Jahr
Der April gilt allgemein als guter Zeitpunkt, um den Rasen für die neue Saison vorzubereiten, da der Boden dann bereits erwärmt, aber noch nicht von sommerlicher Trockenheit geprägt ist. Wer im Herbst zusätzlich vertikutiert, sollte diesen Termin rechtzeitig vor dem ersten Frost legen, damit der Rasen bis zum Winter noch ausreichend regenerieren kann und nicht geschwächt in die kalte Jahreszeit startet.
Wie oft vertikutiert werden sollte
Ein gesunder, gut gepflegter Rasen kommt oft mit einem einzigen Vertikutiertermin im Frühjahr aus, während stark moosbelastete oder schattige Flächen von einem zweiten Termin im Herbst profitieren können. Zu häufiges Vertikutieren schwächt den Rasen dagegen eher, als dass es ihm nutzt, da jeder Durchgang auch gesunde Grashalme in Mitleidenschaft zieht.
Wer unsicher ist, ob der eigene Rasen überhaupt vertikutiert werden muss, kann mit einem einfachen Test prüfen: Lässt sich mit der flachen Hand spürbar in eine weiche, schwammige Schicht unter den grünen Halmen drücken, ist meist genug Filz vorhanden, um den Aufwand zu rechtfertigen. Bei nur wenig Filz reicht dagegen häufig schon ein gründliches Abrechen mit dem Laubrechen als schonendere Alternative.
Direkt nach dem Vertikutieren wirkt jeder Rasen zunächst lückenhafter und schlechter, als er eigentlich ist, weil die frisch geöffneten Stellen sichtbar werden. Diese Optik verbessert sich in aller Regel innerhalb weniger Wochen deutlich, sobald sich der Rasen von dem Eingriff erholt hat und die Düngung ihre Wirkung entfaltet.
Bei anhaltender Trockenheit sollte auf das Vertikutieren besser verzichtet werden, da der zusätzliche Stress durch den Eingriff einen bereits geschwächten Rasen weiter schädigen kann, statt ihn zu beleben.
Wer die Reihenfolge einmal verinnerlicht hat, tauscht sie erfahrungsgemäß nicht mehr: Der Unterschied zwischen einem satten, dichten Rasen nach der richtigen Reihenfolge und einem eher blassen Ergebnis nach vertauschten Schritten ist meist schon nach wenigen Wochen deutlich sichtbar.
Quellen
Geschrieben von Clara, Redaktion spatenfreunde.de — sie schreibt hier über Garten, Pflanzen und die richtige Pflege.







