Kurzantwort: Baumpflege besteht im Garten aus vier Dingen: durchdringende Wassergaben in den ersten drei bis fünf Standjahren, eine offene, unbepflanzte Baumscheibe, ein sparsamer Schnitt am Astring und eine Sichtkontrolle zweimal im Jahr. Alles andere ist meist Sache einer Fachfirma.
Ein Baum ist die langlebigste Investition im Garten. Er verzeiht viel, aber er verzeiht langsam. Fehler an den Wurzeln oder am Stamm zeigen sich oft erst nach Jahren in der Krone.
Die meisten Schäden im Hausgarten entstehen nicht durch Krankheiten, sondern durch Bodenverdichtung, falsche Bewässerung und Schnitte an der falschen Stelle.
Dieser Text geht die Pflege in der Reihenfolge durch, in der sie im Leben eines Baumes anfällt.
Die ersten Standjahre entscheiden
Ein frisch gepflanzter Baum hat beim Roden im Baumschulquartier einen großen Teil seiner Feinwurzeln verloren. Bis er den umgebenden Boden wieder durchwurzelt hat, vergehen drei bis fünf Jahre. In dieser Zeit hängt er an dem, was der Gärtner gibt.
Gegossen wird selten, aber viel: 50 bis 100 Liter je Gabe, alle sieben bis zehn Tage in der Vegetationszeit, bei anhaltender Hitze häufiger. Kleine tägliche Mengen bleiben in der obersten Bodenschicht und ziehen die Wurzeln nach oben, wo sie im nächsten trockenen Sommer als Erste vertrocknen.
Ein aufgeworfener Gießrand aus Erde hält das Wasser über der Wurzel, statt es ablaufen zu lassen. Bei Pflanzung im Herbst gilt dasselbe: Auch im Winter braucht ein immergrüner Baum an frostfreien Tagen Wasser.
Die Baumscheibe freihalten
Der Bereich unter der Krone gehört dem Baum. Rasen, der bis an den Stamm reicht, konkurriert um Wasser und Nährstoffe, und der Rasenmäher verletzt bei jedem Durchgang die Rinde. Solche Wunden sind die häufigste Eintrittspforte für holzzersetzende Pilze.
Eine Mulchschicht aus fünf bis acht Zentimetern Rindenmulch, Laub oder Holzhäcksel hält den Boden feucht und kühl. Direkt am Stamm bleibt eine Handbreit frei. Bis an die Rinde angehäufter Mulch hält Feuchtigkeit am Stammfuß und fördert Fäulnis.
Schnitt: so wenig wie möglich, so früh wie möglich
Jeder Schnitt ist eine Wunde. Bäume überwallen sie, heilen sie aber nicht aus. Deshalb gilt die Reihenfolge: In der Jugend werden Fehler mit dünnen Ästen korrigiert, statt später starke Äste abzunehmen.
Geschnitten wird am Astring, dem Wulst dort, wo der Ast aus dem Stamm tritt. Dieser Wulst enthält das Gewebe, aus dem der Baum die Wunde verschließt. Ein bündig am Stamm geführter Schnitt entfernt ihn und hinterlässt eine Wunde, die jahrelang offen bleibt.
Starke Äste werden in drei Schritten abgenommen: erst ein Entlastungsschnitt von unten, dann von oben durchtrennen, zuletzt den Stummel sauber am Astring absetzen. Ohne diese Reihenfolge reißt der fallende Ast einen Rindenstreifen bis in den Stamm.
Ein flächiger Wundverschluss gilt heute als nicht sinnvoll, weil er Feuchtigkeit unter der Beschichtung einschließt.
Was Bäumen im Garten wirklich schadet
Bodenverdichtung steht an erster Stelle. Ein Bagger, eine Materiallagerung oder ein regelmäßig befahrener Bereich unter der Krone presst die Poren zusammen, aus denen die Wurzeln Luft ziehen. Wurzeln ersticken langsam, und die Krone lichtet sich Jahre später.
Aufschüttungen wirken ähnlich. Schon zwanzig Zentimeter Erde über dem Wurzelbereich können einen alten Baum töten. Wird beim Bauen ein Graben durch den Wurzelraum gezogen, verliert der Baum tragende Wurzeln und wird instabil.
Dazu kommen Streusalz an Wegen und Versiegelung bis an den Stamm. Als Faustregel schützt man den Bereich unter der Kronentraufe und ein Stück darüber hinaus.
Kontrolle und Verkehrssicherungspflicht
Wer einen Baum besitzt, haftet für Schäden, die von ihm ausgehen. Zweimal im Jahr eine Sichtkontrolle vom Boden aus reicht im Normalfall: einmal im belaubten Zustand, einmal ohne Laub.
Aufmerksam wird man bei Pilzfruchtkörpern am Stammfuß, bei Längsrissen, bei aufgeplatzter oder abgelöster Rinde, bei stärkerem Totholz in der Krone und bei plötzlich vermehrtem Wasserreiserwuchs am Stamm. Auch ein aufgewölbter Boden auf einer Seite des Stammes ist ein Warnzeichen.
Zeigt sich eines dieser Merkmale, gehört eine Baumkontrolle in Fachhände. Arbeiten in der Krone und Fällungen sind kein Feld für Leitern und Selbstversuche.
Was das Gesetz vorgibt
Das Bundesnaturschutzgesetz verbietet in § 39 Absatz 5 das Abschneiden, Auf-den-Stock-Setzen und Beseitigen von Gehölzen zwischen dem 1. März und dem 30. September. Für Bäume auf gärtnerisch genutzten Grundstücken greift dieses Verbot nicht, wohl aber das ganzjährige Verbot, Nester und Brutstätten zu zerstören.
Unabhängig davon haben viele Städte und Gemeinden eigene Baumschutzsatzungen. Sie schützen Bäume ab einem bestimmten Stammumfang, meist gemessen in einem Meter Höhe, und machen Fällungen genehmigungspflichtig. Ein Anruf beim Grünflächenamt klärt das in wenigen Minuten.
Den richtigen Baum pflanzen
Die meiste Pflegearbeit spart, wer vor dem Kauf die Endgröße prüft. Ein Baum, der in dreißig Jahren fünfzehn Meter erreicht, passt nicht in einen Vorgarten von vierzig Quadratmetern. Kleinbleibende Hausbäume wie Felsenbirne, Zierapfel, Rotdorn oder Kupfer-Felsenbirne kommen mit sechs bis acht Metern aus.
Beim Pflanzen wird die Grube doppelt so breit ausgehoben wie der Ballen, aber nicht tiefer. Der Wurzelanlauf, also die Stelle, an der sich der Stamm zu den Wurzeln verbreitert, bleibt sichtbar. Zu tief gesetzte Bäume kümmern über Jahre, ohne dass die Ursache auffällt.
Ein Dreibock oder ein Schrägpfahl hält den Ballen die ersten zwei bis drei Jahre ruhig. Danach kommt die Verankerung weg — ein Baum, der sich im Wind bewegen darf, bildet stärkeres Stammholz aus.
Häufige Fragen
Wie oft muss ich einen alten Baum gießen?
Ein eingewachsener Baum kommt allein zurecht. Erst in langen Hitzeperioden über mehrere Wochen helfen einige sehr große Wassergaben im Wurzelbereich.
Wann ist der beste Zeitpunkt zum Schneiden?
Für die meisten Laubbäume das späte Winterhalbjahr an frostfreien Tagen. Stark blutende Arten wie Walnuss, Birke und Ahorn schneidet man besser im Spätsommer.
Darf ich Efeu am Stamm wachsen lassen?
An einem gesunden, kräftigen Baum ist Efeu unproblematisch und bietet Vögeln Deckung. An geschwächten Bäumen erschwert er die Kontrolle des Stammes.
Was tun bei Totholz in der Krone?
Über Wegen und Sitzplätzen wird es entfernt. Im hinteren Gartenbereich darf starkes Totholz stehen bleiben, es ist Lebensraum für zahlreiche Insekten und Vögel.
Quellen
Das passt dazu
Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:
- Geldpflanze pflegen: Licht, Wasser, Substrat und Schnitt
- Baum schneiden: Anleitung für den richtigen Schnitt
- Fleischfressende Pflanzen: Pflege, Wasser und Winterruhe
Geschrieben von Clara, Redaktion spatenfreunde.de — sie schreibt hier über Garten, Pflanzen und die richtige Pflege.

