Abgesägter Ast an einem Baumstamm

Bäume beschneiden: saubere Schnitte am Astring setzen

Kurzantwort: Ein Ast wird direkt außerhalb des Astrings abgenommen, also außerhalb der Verdickung, mit der er am Stamm ansitzt. Der Astring bleibt unverletzt stehen, weil der Baum von dort aus sein Wundholz bildet. Schwere Äste werden in drei Schritten abgetragen, damit die Rinde beim Abbrechen nicht ausreißt. Ein flächiger Wundverschluss gilt heute als nicht sinnvoll.

Ein Baum verschließt Wunden nicht wie Haut. Er kann beschädigtes Gewebe nicht reparieren, sondern grenzt es ab und überwallt die Stelle von den Rändern her mit neuem Holz.

Wie schnell das gelingt, entscheidet sich beim Schnitt. Eine sauber gesetzte, richtig platzierte Wunde überwallt in wenigen Jahren; ein Stummel oder ein zu tiefer Schnitt bleibt jahrzehntelang eine offene Flanke.

Deshalb geht es hier weniger um den Zeitpunkt als um die Ausführung: wo die Säge ansetzt, in welcher Reihenfolge gearbeitet wird und wie viel Krone ein Baum verträgt.

Der Astring und warum er stehen bleibt

Am Ansatz eines Astes sitzt eine ringförmige Verdickung, der Astring oder Astkragen. Sie entsteht dort, wo sich Stammgewebe und Astgewebe überlagern.

In dieser Zone liegen die Zellen, aus denen der Baum sein Wundholz bildet. Wird der Astring mit abgesägt, fehlt dem Baum genau das Gewebe, das die Wunde schließen soll.

Der Schnitt sitzt deshalb direkt außerhalb dieser Verdickung, leicht schräg vom Stamm weg. Die Schnittfläche wird dabei so klein wie möglich gehalten.

Zwei Fehler sind häufig. Der glatte Schnitt am Stamm entfernt den Astring und hinterlässt eine große Wunde, die schlecht überwallt. Der Stummelschnitt lässt ein Aststück stehen, das abstirbt, verpilzt und die Fäule in den Stamm leitet.

Gartenschere und Astschere
Bypass-Scheren trennen, Amboss-Scheren quetschen — bei lebendem Holz zählt der Unterschied. Foto: Ray in Manila, CC BY 4.0

Die Dreischnittmethode

Ein schwerer Ast reißt beim Durchsägen unter seinem eigenen Gewicht ab und zieht dabei einen langen Rindenstreifen aus dem Stamm. Diese Verletzung ist größer als die eigentliche Schnittwunde und heilt schlechter.

Die Dreischnittmethode verhindert das:

Erster Schnitt: von unten, etwa zwanzig bis dreißig Zentimeter vom Stamm entfernt, ein Drittel bis zur Hälfte in den Ast hinein.

Zweiter Schnitt: von oben, einige Zentimeter weiter außen. Der Ast bricht ab und der Riss stoppt am ersten Schnitt.

Dritter Schnitt: der verbliebene Stummel wird sauber direkt außerhalb des Astrings abgenommen. Jetzt ist das Gewicht weg, und die Säge lässt sich präzise führen.

Für die letzte Trennung hilft eine zweite Hand, die den Reststummel hält, damit er nicht im letzten Moment abkippt.

Wundverschluss: was heute gilt

Das flächige Verstreichen von Schnittwunden mit Baumwachs oder Latexfarbe war lange üblich und gilt inzwischen als wenig hilfreich.

Der Grund: Das Mittel schließt Feuchtigkeit und Pilzsporen unter der Schicht ein und behindert das Abtrocknen. Der Baum grenzt die Wunde ohnehin selbst ab.

Bei sehr großen Schnittflächen wird heute allenfalls der Wundrand behandelt, um die Kambiumzone vor dem Austrocknen zu schützen. Die Fläche in der Mitte bleibt offen.

Wichtiger als jedes Mittel ist die Größe der Wunde. Als Faustzahl gilt: Schnittflächen über etwa zehn Zentimeter Durchmesser überwallt ein Baum nur noch langsam und unvollständig.

Werkzeug

Bis zwei Zentimeter: Bypass-Gartenschere. Zwei Klingen gleiten aneinander vorbei und trennen sauber. Amboss-Scheren drücken den Trieb gegen eine Platte und quetschen das Gewebe.

Bis vier Zentimeter: Astschere mit langen Griffen, ebenfalls als Bypass-Ausführung.

Darüber: Handsäge mit Zugschnitt. Sie arbeitet beim Ziehen und lässt sich in engen Astgabeln besser führen als eine Bügelsäge.

Scharfe Werkzeuge sind kein Komfort, sondern Pflanzenschutz. Ausgefranste Schnittkanten trocknen zurück und bieten Pilzen mehr Angriffsfläche. Zwischen befallenen und gesunden Bäumen werden Klingen desinfiziert.

Kronenpflege, Aufastung, Einkürzung

Die Kronenpflege nimmt totes, gebrochenes, sich reibendes und nach innen wachsendes Holz heraus. Sie verändert die Form kaum und ist der schonendste Eingriff.

Die Aufastung entfernt die untersten Äste und hebt damit den Kronenansatz. Sie schafft Durchgangshöhe über Wegen und bringt Licht in den Unterbau. Der Kronenansatz sollte danach noch mindestens die Hälfte der Baumhöhe unter sich lassen.

Die Kroneneinkürzung nimmt die Krone insgesamt zurück. Sie ist der stärkste Eingriff und wird über Ableitung auf einen Seitenast gearbeitet, nicht durch Kappen der Äste auf beliebiger Höhe.

Das Kappen ganzer Kronen, umgangssprachlich Köpfen, gilt in der Fachwelt als Schadensfall. Der Baum reagiert mit einem dichten Kranz aus schwach angewachsenen Ständertrieben, die später ausbrechen.

Wie viel darf weg

Die Krone versorgt den Baum. Jedes entfernte Blatt fehlt in der Bilanz, und der Baum muss den Verlust aus Reserven ausgleichen.

Als Richtwert gilt: höchstens ein Viertel bis ein Drittel der Krone in einem Jahr. Bei alten oder geschwächten Bäumen deutlich weniger.

Wer mehr wegnehmen will, verteilt den Eingriff über zwei bis drei Jahre. Der Baum reagiert auf einen zu starken Schnitt mit Wasserschossen, die das Problem im Folgejahr vergrößern.

Wann der Fachbetrieb übernimmt

Arbeiten in der Krone, mit der Motorsäge über Kopf, auf der Leiter oder in der Nähe von Freileitungen gehören in professionelle Hände. Die Regelwerke für die Baumpflege gibt in Deutschland die Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau heraus.

Hinzu kommt die rechtliche Seite. Eigentümer haben eine Verkehrssicherungspflicht für ihre Bäume. Bei Schäden durch abbrechende Äste stellt sich die Frage, ob der Baum regelmäßig kontrolliert wurde.

Viele Kommunen haben zudem Baumschutzsatzungen, die Fällungen und starke Rückschnitte ab einem bestimmten Stammumfang genehmigungspflichtig machen.

Häufige Fragen

Wo genau setze ich die Säge an?

Direkt außerhalb des Astrings, ohne die Verdickung zu verletzen und ohne einen Stummel stehen zu lassen.

Muss ich große Wunden verstreichen?

Ein flächiger Anstrich gilt als nicht sinnvoll. Allenfalls der Wundrand wird behandelt.

Was ist die Dreischnittmethode?

Entlastungsschnitt von unten, Trennschnitt von oben, dann der saubere Restschnitt am Astring.

Wie viel Krone darf ich entfernen?

Höchstens ein Viertel bis ein Drittel pro Jahr, bei alten Bäumen weniger.

Darf ich meinen Baum kappen?

Fachlich ist das Kappen ein Schadensfall. Wo Höhe reduziert werden muss, wird auf Seitenäste abgeleitet.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Clara, Redaktion spatenfreunde.de — sie schreibt hier über Garten, Pflanzen und die richtige Pflege.


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