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Kurzantwort: Ein steiler Hang wird pflegeleicht, indem er in mehrere flachere Ebenen aufgeteilt wird – traditionell mit Trockenmauern aus lose geschichteten Natursteinen. Die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau beschreibt diese Terrassierung als bewährte Technik, die steile Flächen überhaupt erst gärtnerisch nutzbar macht. Die Mauern selbst werden dabei zum Lebensraum: In ihren Fugen finden Mauerpfeffer und Zimbelkraut Halt, und gerade selten gewordene Zauneidechsen nutzen Trockenmauern laut NABU als wichtigen Rückzugsraum.
Ein steiler Hang im eigenen Garten gilt vielen als Belastung: Rasenmähen wird zur Rutschpartie, Regenwasser läuft ungebremst ab und nimmt dabei Erde und frisch ausgebrachten Mulch gleich mit. Wer versucht, einen solchen Hang wie eine ebene Fläche zu behandeln, kämpft dauerhaft gegen die Schwerkraft – mit entsprechendem Pflegeaufwand.
Die deutlich robustere Lösung liegt nicht in noch mehr Handarbeit, sondern in der Form der Fläche selbst. Wird der Hang in mehrere kleinere, annähernd waagerechte Terrassen unterteilt, verschwindet ein Großteil der Probleme von allein: Wasser versickert dort, wo es fällt, statt abzufließen, und jede einzelne Ebene lässt sich pflegen wie ein normales Beet.
Warum ein Hang eigene Regeln braucht
Auf einer steilen Fläche gelten andere Voraussetzungen als im ebenen Beet. Regenwasser prallt auf den Boden und läuft an der Oberfläche ab, statt zu versickern, und reißt dabei lockere Erde, Samen und Dünger mit sich. Pflanzen mit flachem Wurzelwerk finden auf einem Steilhang kaum Halt, während schwere Gartengeräte kaum sicher zu bedienen sind. Die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau nennt Terrassierung deshalb als eine der wirksamsten Methoden, um solche Flächen gärtnerisch überhaupt erst nutzbar zu machen – durch die Unterteilung in mehrere weniger steile Abschnitte.
Terrassierung mit Trockenmauern
Mauern aus lose geschichteten Natursteinen, ohne Mörtel aufgesetzt, sichern seit jeher Böschungen und terrassieren Hänge – die Technik reicht bis in historische Weinberge zurück, wo steile Lagen auf diese Weise bewirtschaftbar gemacht wurden. Weil eine Trockenmauer ohne Mörtel eine flexible Konstruktion bleibt, braucht sie kein starres, frostsicheres Fundament. Steht sie auf gewachsenem Boden, reicht laut Landesanstalt eine Tragschicht von etwa einem Drittel der späteren Mauerhöhe, mindestens jedoch 30 Zentimeter. Die Mauer selbst wird an der Basis etwa ein Drittel so dick wie hoch – bei einer angestrebten Höhe von 1,20 bis 1,50 Metern also 40 bis 50 Zentimeter Mauerdicke. Höhere Mauern werden aus Trockenmauerwerk kaum noch gebaut, weil sie unwirtschaftlich dick ausfallen müssten und zusätzlich einen statischen Nachweis verlangen.
Die Neigung macht den Unterschied
Stützmauern werden nicht senkrecht, sondern mit einer leichten Neigung von 5 bis 15 Prozent gegen den Hang errichtet. Dieser sogenannte Anlauf verbessert die Standfestigkeit der Mauer und sorgt optisch dafür, dass vor allem höhere Mauern nicht nach vorne zu kippen scheinen. Ein praktischer Nebeneffekt: Pflanzen, die später in die Fugen der Mauerfläche gesetzt werden, werden durch die Neigung besser mit Regenwasser versorgt, weil dieses an der leicht schrägen Fläche länger verweilt, statt sofort abzulaufen.
Die Fugen werden zum Lebensraum
Anders als eine Betonmauer bleibt eine Trockenmauer durchlässig: Zwischen den Steinen entstehen Ritzen und Hohlräume, in denen sich Pflanzen ansiedeln können. Typische Bewohner sind der Weiße Mauerpfeffer mit seinen leuchtenden Blüten und der Scharfe Mauerpfeffer, der gelbe Polster auf der Mauerkrone bildet. Im Schatten gedeihen Zimbelkraut und Steinbrech. Auch Tiere profitieren: Wolfsspinnen und nachtaktive Insekten besiedeln die Fugen, Wespen legen Nester an, und Erd- sowie Wechselkröten finden in den trockenen Hohlräumen Schutz. Besonders wertvoll sind Trockenmauern laut NABU für Zauneidechsen, die in vielen Regionen selten geworden sind – für sie zählen solche Mauern zu den wichtigsten verbliebenen Lebensräumen im Siedlungsbereich.
Bodendecker zwischen den Terrassen
Die Flächen zwischen den Mauern lassen sich mit tief wurzelnden Bodendeckern bepflanzen, die den Boden zusätzlich festigen und Erosion zwischen den einzelnen Ebenen verhindern. Eine geschlossene Pflanzendecke bremst außerdem die Verdunstung und lässt weniger Fläche offen, in der sich Regenwasser seinen eigenen, unkontrollierten Weg bahnen könnte. Je kleinteiliger die Terrassen ausfallen, desto eher lohnt sich diese flächige Bepflanzung gegenüber einzeln gesetzten Pflanzen, die zwischen sich offene, erosionsanfällige Erde stehen lassen.
Wasser gezielt lenken statt abfließen lassen
Jede Terrassenstufe funktioniert im Grunde wie eine kleine Regenauffangfläche: Wasser, das oben auf den Hang trifft, verweilt auf der jeweiligen Ebene länger, bevor es über die nächste Mauerkante zur darunterliegenden Terrasse weiterfließt. Dadurch hat der Boden auf jeder Stufe mehr Zeit, Feuchtigkeit aufzunehmen, statt dass das gesamte Regenwasser ungebremst am Fuß des Hangs ankommt. Wer zusätzlich eine Sammelrinne am unteren Ende der Fläche einplant, kann überschüssiges Wasser gezielt in eine Regentonne oder ein Beet mit höherem Wasserbedarf leiten, statt es ungenutzt versickern zu lassen.
Wenn eine Mauer zu aufwendig ist
Nicht jeder Hang muss gleich mit Trockenmauern terrassiert werden – bei mäßiger Steigung reicht oft schon eine geschlossene Bepflanzung mit tief wurzelnden Bodendeckern, um Erosion spürbar zu bremsen. Der NABU empfiehlt für schattige Hangbereiche unter Bäumen etwa Efeu, der sich flächig ausbreitet und mit seinen Wurzeln den Boden festigt. Für sonnige Hangflächen eignen sich niedrige, genügsame Arten wie Teppich-Thymian oder die Fetthenne Sedum, die dichte Polster bilden und kaum Nährstoffe brauchen. Wichtig ist in jedem Fall eine geschlossene Pflanzendecke: Offene Erdflächen zwischen einzeln gesetzten Pflanzen bieten Regenwasser weiterhin eine Angriffsfläche, während eine durchgehende Bepflanzung den Boden wie ein Netz zusammenhält.
Was im ersten Jahr zu beachten ist
Frisch gebaute Trockenmauern und neu bepflanzte Terrassen brauchen etwas Zeit, bis sich Fugenpflanzen und Bodendecker etabliert haben. In den ersten ein bis zwei Jahren nach der Anlage sollte deshalb regelmäßiger gegossen und auf lockere Steine oder ausgewaschene Fugen geachtet werden. Sobald sich die Pflanzendecke geschlossen hat und die Mauer sich gesetzt hat, reduziert sich der Pflegeaufwand deutlich – ein terrassierter Hang verlangt dann spürbar weniger Arbeit als dieselbe Fläche als durchgehend steile, unbefestigte Böschung.
Quellen
- Mehr als ein Lesesteinhaufen – (Trocken-)Mauern fachgerecht bauen, Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau
- Lebensraum Trockenmauer – NABU
- Statt Schottergarten: NABU-Tipps zu pflegeleichten Gärten
Geschrieben von Clara, Redaktion spatenfreunde.de — sie schreibt hier über Garten, Pflanzen und die richtige Pflege.







