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Kurzantwort: Formschnitt bringt Gehölze durch wiederholtes Kappen der Triebspitzen in eine geometrische, meist kugel-, kegel- oder quaderförmige Gestalt. Geeignet sind vor allem dichte, kleinblättrige Gehölze wie Eibe, Buchsbaum, Hainbuche oder Liguster, die viele Knospen entlang des Triebs tragen. Geschnitten wird meist im Juni, junge, wüchsige Pflanzen vertragen zusätzlich einen zweiten Schnitt im März. Werkzeug, Richtschnur und Geduld entscheiden am Ende genauso über das Ergebnis wie die Wahl des Gehölzes.
Eine kugelrund geschnittene Hecke oder ein spitz zulaufender Kegel aus Buchsbaum wirken wie ein gebautes Möbelstück im Garten, dabei stecken dahinter nur ein Gehölz und ein regelmäßiger Rückschnitt. Formschnitt bringt Pflanzen durch gezieltes Kappen in ein architektonisches, ornamentales oder figürliches Aussehen, das mit dem natürlichen Wuchs der Art oft wenig gemein hat.
Nicht jedes Gehölz eignet sich dafür gleich gut. Manche Bäume verzeihen den ständigen Rückschnitt über Jahrzehnte, andere reagieren mit kahlen Stellen oder sterben an den Schnittkanten zurück.
Welche Gehölze sich für den Formschnitt eignen
Als klassische Formschnittpflanzen gelten winterharte, dicht wachsende Gehölze wie Eibe, Buchsbaum, Hainbuche, Liguster und Thuja, die auch nach starkem Rückschnitt zuverlässig wieder austreiben. Für einzeln stehende Solitärformen eignen sich zudem Weißdorn, Stechpalme oder Wacholder. Wer Blüten nicht missen möchte, greift zu Rhododendron, Azalee oder Forsythie, die einen moderaten Formschnitt ebenfalls vertragen. Im mediterranen Kübelgarten übernehmen Lavendel und Rosmarin dieselbe Rolle in kleinerem Maßstab.
Weniger geeignet sind dagegen schnellwüchsige, grobblättrige Gehölze wie Forsythie in großer Form oder Flieder, deren Triebe nach dem Schnitt oft ungleichmäßig und mit großen Lücken nachwachsen. Auch reine Nadelgehölze mit lockerem Nadelkleid, etwa Kiefern, lassen sich kaum zu geschlossenen Flächen formen, weil ihnen die dichten Seitenknospen fehlen, aus denen Buchsbaum oder Eibe ihre kompakte Oberfläche bilden.
Der richtige Zeitpunkt im Jahr

Der Formschnitt erfolgt in der Regel im Juni, wenn der erste kräftige Austrieb des Frühjahrs abgeschlossen ist und die Pflanze die entstehenden Schnittwunden noch über den Sommer hinweg verschließen kann. Junge und besonders wüchsige Gehölze werden oft zweimal geschnitten, einmal im März vor dem Austrieb und ein zweites Mal Ende Juni, um die Form über die gesamte Saison eng zu halten. Ältere, etablierte Formgehölze kommen dagegen meist mit dem einen Sommerschnitt aus. An heißen, sonnigen Tagen schneidet man am besten früh morgens oder abends, damit die frischen Schnittflächen nicht zusätzlich unter praller Mittagssonne austrocknen.
Warum das Kappen der Spitze so wirkungsvoll ist
Wird die Spitze eines Triebs entfernt, aktiviert die Pflanze die darunterliegenden, bislang ruhenden Seitenknospen. Aus einem einzelnen Trieb entstehen dadurch mehrere neue, was die gesamte Pflanze dichter und buschiger werden lässt. Genau dieser Effekt macht den Formschnitt erst möglich: Ohne das wiederholte Kappen bliebe die Oberfläche löchrig, und die gewünschte geometrische Form würde nie richtig geschlossen wirken.
Drei Schnittarten mit unterschiedlichem Ziel
Beim Gestaltungsschnitt wird die Grundform eines jungen Gehölzes erstmals angelegt, meist über mehrere Jahre in kleinen Schritten. Der Erhaltungsschnitt folgt danach jährlich und verdichtet die bestehende Form, ohne sie grundlegend zu verändern. Ist eine Pflanze mit der Zeit zu groß oder lückig geworden, hilft ein Verjüngungsschnitt: ein deutlich stärkerer Rückschnitt, der die Pflanze zwingt, von innen heraus komplett neu auszutreiben. Nadelgehölze wie Eibe vertragen einen solchen radikalen Rückschnitt bis ins alte Holz erstaunlich gut, während andere Arten darauf deutlich empfindlicher reagieren und einen Verjüngungsschnitt besser in zwei Etappen über zwei Jahre verteilt bekommen.
Werkzeug für gerade Linien
Für großflächige, gleichmäßige Formen kommt in der Regel eine Heckenschere zum Einsatz, für feinere Details und einzelne Zweige eine kleinere Gartenschere. Damit Kanten und Kugeln wirklich gerade beziehungsweise rund werden, helfen Hilfsmittel wie eine gespannte Richtschnur, eine Messlatte oder eine aufgesetzte Schablone aus Draht. Bei aufwendigeren Formen, etwa Spiralen oder Figuren, dienen zusätzlich Rankgerüste aus Metall oder Holz als Orientierung, an der sich die Triebe während des Wachstums entlangführen lassen. Scharfe, saubere Klingen sind dabei kein Detail: Stumpfe Scheren quetschen die Triebspitzen, statt sie glatt zu kappen, was die Wundheilung verzögert und Pilzen leichter Angriffsfläche bietet.
Eine Technik mit langer Geschichte
Schon in der römischen Antike schnitten sogenannte topiarii Gehölze in Form, lange bevor der Begriff Formschnitt existierte. Seinen Höhepunkt erreichte die Technik im Barock, als der französische Gartenarchitekt André Le Nôtre geometrische Broderien und Formhecken zu einem zentralen Gestaltungselement der Schlossgärten machte, allen voran in Versailles. In der Romantik geriet der strenge Formschnitt zeitweise aus der Mode, bevor formale Gärten im 19. Jahrhundert eine Renaissance erlebten und sich bis heute in privaten wie öffentlichen Anlagen halten. Im heutigen Hausgarten dient Formschnitt selten dem Zeigen von Macht wie einst an den Fürstenhöfen, sondern schafft vor allem klare, ruhige Linien als Gegengewicht zu locker wachsenden Staudenbeeten in seiner Nähe.
Risiko Buchsbaumzünsler
Ausgerechnet der Buchsbaum, eine der beliebtesten Formschnittpflanzen überhaupt, steht seit einigen Jahren unter Druck. Der Buchsbaumzünsler, ein ursprünglich ostasiatischer Kleinschmetterling mit rund vier Zentimetern Flügelspannweite, wurde 2006 erstmals in Deutschland nachgewiesen, zunächst in Baden-Württemberg und am Oberrhein, 2010 dann auch erstmals in Bayern. Seine Raupen fressen zunächst die Blätter und anschließend die grüne Rinde der Zweige, bei starkem Befall stirbt die Pflanze streckenweise ab. Wirksam gegen die Raupen sind biologische Präparate auf Basis von Bacillus thuringiensis, dazu mechanische Maßnahmen wie das Absammeln oder das Abspritzen mit einem Hochdruckstrahler samt Auffangfolie. Auch Vogelschutznetze über der Pflanze helfen, die Raupen mechanisch fernzuhalten, während natürliche Gegenspieler wie Wespen, Vögel und Ameisen inzwischen zunehmend selbst zur Bekämpfung beitragen. Wer trotzdem auf Buchsbaum setzen möchte, kontrolliert die Pflanze ab dem Frühsommer regelmäßig auf erste Fraßspuren, denn je früher der Befall auffällt, desto besser lässt er sich eindämmen, bevor größere Teile der Form kahl gefressen sind.
Quellen
Geschrieben von Clara, Redaktion spatenfreunde.de — sie schreibt hier über Garten, Pflanzen und die richtige Pflege.







