Blühende Clematis-Ranke mit violetten Blüten an einem Rankgitter

Clematis pflanzen: Der richtige Zeitpunkt und die Tiefpflanzung

Kurzantwort: Die beste Pflanzzeit für Clematis liegt zwischen August und Oktober, wenn der Boden in tieferen Schichten noch über zehn Grad warm ist und die Pflanze vor dem Winter noch neue Wurzeln bilden kann. Alternativ lässt sich auch im Frühjahr zwischen März und Mai pflanzen. Entscheidend ist in beiden Fällen die Tiefpflanzung: Clematis kommt etwa 5 bis 10 Zentimeter tiefer in die Erde, als sie zuvor im Topf stand. Diese Maßnahme schützt die Pflanze langfristig vor den Folgen der gefürchteten Clematiswelke.

Clematis, im Deutschen auch Waldrebe genannt, gehört zu den beliebtesten Kletterpflanzen für Rankgitter, Pergolen und Zäune. Mit ihren Blattstielranken windet sie sich an dünnen Halterungen empor und bildet je nach Art und Sorte von Frühling bis Herbst große, auffällige Blüten.

Damit die Pflanze zuverlässig anwächst und auch nach Jahren noch gut aussieht, kommt es neben dem Zeitpunkt vor allem auf die richtige Pflanztiefe an. Clara erklärt, worauf zu achten ist, damit die Kletterpflanze über viele Jahre zuverlässig blüht.

Spätsommer und Herbst als Hauptpflanzzeit

Von August bis Oktober liegen die Bodentemperaturen in 20 bis 30 Zentimetern Tiefe noch über zehn Grad, während die Lufttemperaturen bereits sinken. Unter diesen Bedingungen bildet Clematis noch neue Wurzeln, ohne gleichzeitig oberirdisch viel Energie in Blatt- oder Blütenwachstum stecken zu müssen. Die Pflanze wächst dadurch besonders zuverlässig an und startet im folgenden Frühjahr kräftig durch. Wer im Spätsommer pflanzt, sieht oft schon im ersten Jahr einen deutlich kräftigeren Neuaustrieb als bei einer reinen Frühjahrspflanzung.

Frühjahr als Alternative

Auch eine Pflanzung im Frühjahr zwischen März und Mai ist möglich und in vielen Gärten üblich, insbesondere wenn eine bereits blühende Clematis im Gartencenter gekauft wurde. In diesem Fall sollte die Pflanze möglichst rasch in die Erde, statt lange im Topf zu verbleiben, und braucht über den ersten Sommer hinweg regelmäßige Wassergaben. Clematis zeigt sich insgesamt recht tolerant gegenüber dem genauen Pflanztermin, solange kein Frost und keine Hitzeperiode unmittelbar bevorstehen.

Warum die Tiefpflanzung so wichtig ist

Anders als die meisten anderen Kletterpflanzen wird Clematis deutlich tiefer gepflanzt, als sie im Anzuchttopf stand: etwa 5 bis 10 Zentimeter tiefer, sodass mehrere Triebknospen unter der Erdoberfläche liegen. Dieser Kniff ist eine Art Lebensversicherung für die Pflanze: Sollte sie oberirdisch an der gefürchteten Clematiswelke erkranken und absterben, kann sie aus den unterirdisch liegenden Knospen erneut austreiben. Ohne diese Reserveknospen wäre ein Befall mit der Welke oft das endgültige Ende der Pflanze.

Der passende Standort

Clematis mag es an den Blättern und Blüten meist sonnig bis halbschattig, während der Wurzelbereich kühl und beschattet bleiben sollte – ein Grundsatz, der unter Kennern oft mit „Kopf in der Sonne, Füße im Schatten“ umschrieben wird. Niedrige Stauden oder flache Steine vor dem Wurzelbereich helfen, den Boden dort vor direkter Sonneneinstrahlung zu schützen. Auch ein größerer Bodendecker in unmittelbarer Nähe kann diese Schattenfunktion übernehmen, ohne der Clematis Nährstoffe streitig zu machen.

Boden und Pflanzloch vorbereiten

Clematis bevorzugt einen humusreichen, durchlässigen Boden, der Feuchtigkeit hält, ohne zu vernässen. Ein großzügig ausgehobenes Pflanzloch, angereichert mit reifem Kompost, gibt den Wurzeln von Anfang an genug Raum, um sich auszubreiten. Schwerer, verdichteter Boden sollte vor der Pflanzung zusätzlich mit Sand oder feinem Kies aufgelockert werden, damit überschüssiges Wasser nach starken Regenfällen zügig abziehen kann.

Rankhilfe direkt mit einplanen

Da Clematis sich mit ihren Blattstielen an dünnen Strukturen festhält, sollte die Rankhilfe bereits beim Pflanzen stehen und nicht erst nachträglich ergänzt werden. Ein Gitter, Draht oder Rankspalier mit Abständen von wenigen Zentimetern gibt den jungen Trieben von Beginn an genug Halt, um in die gewünschte Richtung zu wachsen. Wird die Rankhilfe erst nachträglich montiert, verheddern sich die bereits gewachsenen Triebe oft unkontrolliert und müssen mühsam von Hand sortiert werden.

Nach der Pflanzung: Wässern und Rückschnitt

Direkt nach dem Einpflanzen wird kräftig angegossen, damit sich die Erde eng um den Wurzelballen schließt. In den ersten Wochen darf der Boden nicht austrocknen. Ein Rückschnitt der jungen Triebe auf zwei bis drei Knospenpaare nach der Pflanzung fördert eine buschige Verzweigung von unten, statt dass die Pflanze nur einen einzelnen langen Trieb bildet.

Typische Anfängerfehler

Der häufigste Fehler ist, Clematis genauso flach wie andere Kübel- oder Gartenpflanzen zu setzen und auf die Tiefpflanzung zu verzichten. Ebenso problematisch ist ein vollsonniger, ungeschützter Wurzelbereich ohne schattenspendende Bepflanzung davor, der den Boden schneller austrocknen lässt, als es der Pflanze guttut.

Clematis-Sorten werden in drei Schnittgruppen eingeteilt, die festlegen, wie und wann sie nach der Anwuchsphase zurückgeschnitten werden. Diese Einteilung steht meist schon auf dem Pflanzenetikett und sollte beim Kauf notiert werden, da sich die Schnittgruppe im Nachhinein am Wuchs allein nur schwer erkennen lässt, aber für die künftige Pflege entscheidend ist.

Sortenvielfalt für jeden Garten

Mit rund 300 Wildarten und unzähligen Gartenhybriden bietet die Gattung Clematis eine enorme Bandbreite an Blütenformen, -farben und -größen, von zart-glockig bis großblumig gefüllt. Für kleine Balkone eignen sich kompakte, weniger wüchsige Sorten, während großblumige Kletterhybriden an Pergolen oder Hauswänden mehrere Meter Höhe erreichen können.

Im ersten Standjahr sollte die Clematis nicht zu stark blühen dürfen, damit sie ihre Energie vorrangig in die Wurzelbildung statt in die Blütenpracht steckt. Ein Entfernen der ersten Blütenknospen kurz nach der Pflanzung fällt zwar schwer, zahlt sich aber in den Folgejahren durch eine kräftigere, langlebigere Pflanze aus.

Wer mehrere Clematis-Sorten mit unterschiedlicher Blütezeit kombiniert, kann sich so über mehrere Monate hinweg an einer durchgehenden Blütenfolge an derselben Rankhilfe erfreuen, statt nur wenige Wochen im Jahr Blüten zu sehen.

Auch nach mehreren erfolgreichen Standjahren lohnt sich weiterhin ein wachsames Auge auf den Wurzelbereich, da beschatteter, kühler Boden über die gesamte Lebensdauer der Pflanze hinweg einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren bleibt.

Quellen

Geschrieben von Clara, Redaktion spatenfreunde.de — sie schreibt hier über Garten, Pflanzen und die richtige Pflege.

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