Pflanzen gegen Mücken: Was Studien zeigen und was nur duftet

Kurzantwort: Keine Pflanze im Topf hält Mücken auf dem Balkon messbar fern. Zwei Feldstudien mit der als „Mückenschreck“ verkauften Duftpelargonie fanden keinen Unterschied zu Flächen ohne Pflanze. Die ätherischen Öle aus Zitronengras, Basilikum oder Katzenminze wirken auf der Haut, und dort nur kurz. Gegen Stiche helfen stehendes Wasser beseitigen, Fliegengitter und zugelassene Repellentien.

Jedes Frühjahr stehen sie wieder im Gartencenter: Duftpelargonien mit dem Etikett „Mückenschreck“, Zitronengras im Topf, Lavendel „gegen Stechmücken“. Die Idee klingt gut. Eine Pflanze auf dem Tisch, und der Abend auf der Terrasse bleibt stichfrei.

Ich habe mir angesehen, was dazu gemessen wurde. Das Ergebnis ist unbequem für die Etiketten. Die Öle vieler dieser Pflanzen wirken tatsächlich abschreckend. Die lebende Pflanze gibt davon aber so wenig in die Luft ab, dass die Mücke es nicht bemerkt.

Hier steht, was die Studien zeigen, welche Pflanzen zumindest als Ölquelle taugen und was du stattdessen tun kannst.

Warum der Duft im Beet nicht reicht

Repellentien wirken, weil sie von der Haut verdunsten und dort einen Duftmantel bilden. So beschreibt es das Umweltbundesamt. Die Mücke verliert die Spur von Atem und Schweiß, weil der Wirkstoff direkt an der Quelle sitzt.

Eine Pflanze zwei Meter weiter kann das nicht leisten. Ihre Duftstoffe verteilen sich in alle Richtungen, der Wind trägt sie weg, und an deiner Haut kommt fast nichts an. Die kanadische Arbeitsgruppe um Bill Matsuda hat 1996 gemessen, wie viel Öl in der Duftpelargonie steckt: 0,2 Prozent des frischen Pflanzenmaterials. Das ist wenig, und davon verdunstet pro Stunde nur ein Bruchteil.

Die Mückenschreck-Pelargonie im Test

Die Pflanze heißt botanisch Pelargonium citrosum „Van Leenii“ und wurde mit dem Versprechen verkauft, Mücken in einem Umkreis von knapp einem Quadratmeter fernzuhalten. Zwei Studien haben das geprüft.

James Cilek und Todd Schreiber setzten 1994 in Florida Testpersonen mit und ohne Pflanzen ins Freie und zählten die Mücken, die auf den Unterarmen landeten. Ergebnis: kein signifikanter Unterschied. Im Laborkäfig ruhten sogar mehr Mücken auf abgeschnittenen Blättern der Pflanze als auf Papierblättern gleicher Form.

Matsuda und Kollegen verglichen die Pflanze 1996 mit einem DEET-Präparat. DEET senkte die Stiche acht Stunden lang um mehr als 90 Prozent. Zwischen Personen mit und ohne Pelargonie gab es keinen Unterschied. Nebenbei stellte die Analyse klar: Die Pflanze ist eine Rosengeranie mit Geraniol und Citronellol. Vom Citronella-Gras steckt nichts darin.

Was Versuche mit Topfpflanzen wirklich zeigen

Es gibt eine Studie, die lebenden Pflanzen eine Wirkung zuschreibt. Aklilu Seyoum und Kollegen stellten 2002 in Kenia Topfpflanzen in geschlossene Versuchshütten und ließen Malariamücken auf Testpersonen los. Amerikanisches Basilikum hielt 39,7 Prozent der Mücken ab, Wandelröschen 32,4 Prozent, ein Lippia-Strauch 33,3 Prozent.

Drei Dinge relativieren das. Erstens fand der Versuch in einer geschlossenen Hütte statt. Ein offener Balkon ist eine andere Situation. Zweitens blieben 60 bis 70 Prozent der Mücken ungestört. Drittens fielen mehrere Kandidaten durch, darunter Tagetes und der Zitroneneukalyptus als lebender Baum. Ausgerechnet der Baum, dessen Öl den stärksten pflanzlichen Repellent-Wirkstoff liefert.

Die Übersichtsarbeit von Marta Maia und Sarah Moore im Malaria Journal (2011) fasst den Stand so zusammen: Pflanzliche Wirkstoffe schützen auf der Haut, verdunsten aber schnell. Citronella-Präparate wirken etwa zwei Stunden. Citronella-Kerzen senken die Stiche im Feld um rund 50 Prozent, ein verlässlicher Schutz ist das nicht.

Pflanzen, deren Öle tatsächlich wirken

Die Liste ist kürzer als die Werbung. Zitroneneukalyptus liefert den Wirkstoff PMD, der in Feldstudien sechs bis sieben Stunden vollständigen Schutz gab. Citronella-Gras wirkt kurz. Das Umweltbundesamt nennt außerdem Neemöl, Lavendelöl und Geraniol als Naturstoffe mit abschreckenden Eigenschaften.

Das gilt jeweils für das Öl in einem geprüften Produkt. Ein Lavendelbusch neben der Liege setzt davon fast nichts frei. Zerreibst du Blätter auf der Haut, bekommst du eine ungeprüfte Dosis und ein Risiko: Das Bundesinstitut für Risikobewertung warnt, dass pflanzliche Stoffe unter Sonne Haut- und Schleimhautreizungen auslösen können.

Was im Garten wirklich hilft

Stechmücken brauchen stehendes Wasser für ihre Larven. Regentonne abdecken, Untersetzer und Gießkannen wöchentlich leeren, Vogeltränke alle paar Tage frisch füllen. Das nimmt der nächsten Generation die Kinderstube.

Für die Regentonne gibt es Larvenmittel mit dem Bakterium Bti. Das Umweltbundesamt hat sie bewertet und sieht bei Anwendung im Privatbereich keine negativen Auswirkungen auf die Umwelt. Das Wasser bleibt zum Gießen nutzbar.

Fliegengitter an Schlafzimmerfenstern wirken zu 100 Prozent, solange sie dicht sind. Für den Abend draußen bleiben Repellentien mit DEET, Icaridin oder IR3535. Laut BfR wirkt DEET je nach Konzentration bis zu acht Stunden, Icaridin kürzer und verträglicher. Kinder unter zwei Jahren bekommen weder das eine noch das andere.

Duftpflanzen sinnvoll einsetzen

Pflanz Lavendel, Basilikum, Katzenminze und Zitronengras trotzdem. Sie duften, sie schmecken, und die Bienen mögen sie. Nur erwarte keinen Stichschutz von ihnen.

Wenn du den Effekt aus der Kenia-Studie mitnehmen willst, stell mehrere große Töpfe Basilikum dicht an den Sitzplatz, windgeschützt. Der Beitrag bleibt klein. Den mückenfreien Abend liefert die Kombination aus Wasserstellen, Gitter und Repellent.

Häufige Fragen

Welche Pflanze hält Mücken am besten fern?

Keine belegt im Freien einen messbaren Effekt. Im geschlossenen Raum kam Amerikanisches Basilikum in einer Studie auf knapp 40 Prozent weniger Mücken.

Hilft die Mückenschreck-Pelargonie?

Nein. Zwei Feldstudien aus Florida und Kanada fanden keinen Unterschied zu Testpersonen ohne Pflanze.

Wirkt Lavendel gegen Mücken?

Lavendelöl hat laut Umweltbundesamt abschreckende Eigenschaften. Die Pflanze im Beet gibt davon zu wenig ab.

Kann ich Zitronengras auf die Haut reiben?

Besser nicht. Die Dosis ist unbekannt, die Wirkung kurz, und unter Sonne drohen Hautreizungen.

Was hilft in der Regentonne?

Deckel drauf oder ein zugelassenes Larvenmittel mit Bti. Das Umweltbundesamt sieht darin kein Umweltrisiko.

Was ist mit Tomaten und Walnussblättern?

Dafür gibt es keine Feldstudie mit Wirkungsnachweis. Tagetes fiel in Kenia durch.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Jonas, Redaktion spatenfreunde.de — er schreibt hier über Garten, Pflanzen und die Arbeit im Beet.

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