Pflanze der Unsterblichkeit: Jiaogulan im Garten und im EU-Recht

Kurzantwort: Mit „Pflanze der Unsterblichkeit“ ist Jiaogulan gemeint, botanisch Gynostemma pentaphyllum, ein Kürbisgewächs aus Südchina und Südostasien. Der Name ist die Übersetzung des chinesischen Xiancao. Die Kletterpflanze wächst im Halbschatten, wird 4 bis 8 Meter lang und übersteht nach Wikipedia-Angaben bis zu −15 Grad, sicher ist das in Deutschland nicht. In der EU stehen die Blätter im Novel-Food-Katalog als nicht neuartig nur in Nahrungsergänzungsmitteln, als Tee oder Lebensmittel brauchen sie eine Zulassung, die es nicht gibt. Verkauft wird sie deshalb als Zierpflanze.

Wer nach der „Pflanze der Unsterblichkeit“ sucht, landet bei Jiaogulan. Der Name klingt nach Mythos, hat aber einen einfachen Ursprung: Im Chinesischen heißt die Pflanze Xiancao, was sich mit „Kraut der Unsterblichkeit“ übersetzen lässt. Die französische Bezeichnung „herbe de l’immortalité“ steht sogar im offiziellen Katalog der EU.

Daraus ist ein Verkaufsargument geworden, das mehr verspricht, als belegt ist. Klinische Studien mit belastbaren Ergebnissen zu Wirkung und Sicherheit gibt es laut Wikipedia nicht.

Hier findest du, was die Pflanze botanisch ist, wie sie im Garten wächst und wie die Rechtslage in der EU tatsächlich aussieht.

Botanik: ein Kürbisgewächs, das klettert

Gynostemma pentaphyllum gehört zur Familie der Kürbisgewächse (Cucurbitaceae), ist also mit Gurke und Zucchini verwandt. Sie stammt aus dem südlichen China, Japan, Korea, Thailand, Indien und Südostasien bis nach Neuguinea.

Die Pflanze ist eine schlanke, kletternde Staude mit fünfteiligen Blättern, daher der Artname pentaphyllum. Sie erreicht Wuchslängen von 4 bis 8 Metern und hält sich mit Ranken fest. Jiaogulan ist zweihäusig: Es gibt männliche und weibliche Pflanzen. Wer Samen will, braucht beide. Die Blüten sind klein und grünlich-weiß, die Früchte kleine schwarze Beeren.

Bis 2005 wurden über 100 Saponine aus der Pflanze isoliert, die Gypenoside. Sie geben den Blättern den leicht süßlichen, dann bitteren Geschmack.

Standort und Pflege im Garten

Jiaogulan mag es halbschattig. Wikipedia nennt eine optimale Beleuchtung von 65 bis 75 Prozent des vollen Lichts, wachstumsfähig ist die Pflanze bei 40 bis 80 Prozent. Volle Mittagssonne lässt die Blätter welken, tiefer Schatten bremst das Wachstum.

Der Boden sollte humos, locker und gleichmäßig feucht sein, ohne Staunässe. Die optimale Wuchstemperatur liegt zwischen 15 und 30 Grad. Die Pflanze braucht eine Kletterhilfe: ein Spalier, ein Zaun oder ein Obelisk im Kübel. Ohne Stütze kriecht sie über den Boden und wurzelt an den Knoten.

Gießen im Sommer regelmäßig, im Kübel fast täglich. Dünger braucht sie wenig, eine Kompostgabe im Frühjahr reicht. Schädlinge sind selten, Schnecken mögen die jungen Triebe.

Winterhärte: die Angaben widersprechen sich

Die deutsche Wikipedia schreibt, die Pflanze soll zwischen −15 und +41,5 Grad überlebensfähig sein. Die englische Wikipedia nennt USDA-Zone 8 und ergänzt, dass Jiaogulan in kalten Klimaten mit Frost schlecht wächst und in gemäßigten Regionen meist einjährig kultiviert wird.

Aus beiden Angaben folgt für Deutschland: Die oberirdischen Teile sterben beim ersten Frost ab. Das Rhizom kann in milden Lagen mit Laub- oder Reisigschutz überleben und im späten Frühjahr neu austreiben. In rauen Lagen ist das ein Glücksspiel.

Sicherer ist die Kultur im Kübel. Im Herbst zurückschneiden, den Topf hell und frostfrei bei 5 bis 10 Grad überwintern und nur so viel gießen, dass der Ballen nicht austrocknet. Ab Mai geht es wieder nach draußen.

Vermehrung

Am einfachsten geht die Vermehrung über Stecklinge. Triebspitzen mit drei bis vier Blattknoten im Sommer abschneiden, untere Blätter entfernen und in feuchte Anzuchterde oder ein Wasserglas stellen. Nach zwei bis drei Wochen bilden sich Wurzeln.

Auch Absenker funktionieren: Einen Trieb auf die Erde legen, mit einem Stein beschweren und warten, bis er an den Knoten wurzelt. Samen sind schwieriger, weil du eine männliche und eine weibliche Pflanze brauchst und die Keimung unregelmäßig ist.

Rechtslage in der EU: Zierpflanze, kein Tee

Hier werden die meisten Ratgeber ungenau. Der Novel-Food-Katalog der Europäischen Kommission führt Gynostemma pentaphyllum mit Stand Januar 2026 in zwei Einträgen. Für die Blätter lautet der Status „nicht neuartig in Nahrungsergänzungsmitteln“. Das bedeutet nach Erläuterung der Kommission: Die Blätter waren vor dem 15. Mai 1997 in der EU ausschließlich in Nahrungsergänzungsmitteln in Verwendung. Jede andere Verwendung als Lebensmittel, also auch als Tee, braucht eine Zulassung nach der Novel-Food-Verordnung.

Der zweite Eintrag betrifft einen auf 80 Prozent Gypenoside standardisierten Extrakt. Er wurde auf Anfrage bei der tschechischen Behörde als neuartiges Lebensmittel eingestuft und ist nicht zugelassen.

Die englische Wikipedia verweist zusätzlich auf ein Gerichtsurteil von 2012, nach dem der Verkauf als Lebensmittel untersagt ist. Der Katalog selbst ist laut Kommission nicht rechtsverbindlich, die Mitgliedstaaten können den Verkauf zusätzlich beschränken. Deshalb wird die Pflanze im Handel als Zier- oder Duftkraut angeboten, ohne Hinweis auf Verzehr. Was du im eigenen Garten mit den Blättern machst, regelt das Lebensmittelrecht nicht, es gilt für das Inverkehrbringen.

Giftigkeit für Kinder und Haustiere

Jiaogulan gilt nicht als Giftpflanze. In der Pflanzenliste der Giftzentrale Bonn ist sie nicht aufgeführt, und in Asien wird sie seit langem als Tee getrunken. Belastbare Daten zur Verträglichkeit für Hunde und Katzen gibt es allerdings nicht. Wenn ein Tier größere Mengen gefressen hat und Erbrechen oder Durchfall zeigt, ist der Tierarzt der richtige Ansprechpartner.

Für Kinder gilt die übliche Regel: Blätter ausprobieren ist bei einer nicht giftigen Pflanze kein Notfall, aber auch keine Einladung.

Häufige Fragen

Wie heißt die Pflanze der Unsterblichkeit botanisch?

Gynostemma pentaphyllum, deutsch Jiaogulan, ein Kürbisgewächs aus Südchina und Südostasien.

Ist Jiaogulan winterhart?

Bedingt. Die Angaben reichen von −15 Grad bis „schlecht bei Frost“. In milden Lagen überlebt das Rhizom mit Schutz, im Kübel ist die Überwinterung bei 5 bis 10 Grad sicherer.

Darf ich Jiaogulan als Tee kaufen?

In der EU nicht als Lebensmittel. Die Blätter gelten laut Novel-Food-Katalog nur in Nahrungsergänzungsmitteln als nicht neuartig, jede andere Lebensmittelverwendung braucht eine Zulassung.

Macht Jiaogulan tatsächlich langlebig?

Dafür gibt es keinen Beleg. Wikipedia hält fest, dass klinische Studien mit belastbaren Ergebnissen zu Wirkung und Sicherheit fehlen.

Wo soll Jiaogulan stehen?

Halbschattig, in lockerem, feuchtem Boden, mit Kletterhilfe. Volle Mittagssonne lässt die Blätter welken.

Ist die Pflanze giftig für Katzen?

Sie ist nicht als Giftpflanze bekannt, Daten zu Haustieren fehlen aber. Bei Symptomen nach dem Fressen zum Tierarzt.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Jonas, Redaktion spatenfreunde.de — er schreibt hier über Garten, Pflanzen und die Arbeit im Beet.

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