Stand: September 2026 · Lesezeit: 6 Minuten
Ein bundesweites Verbot für Kirschlorbeer gibt es in Deutschland nicht. Die Pflanze darf gekauft, gepflanzt und behalten werden. In der Schweiz gilt seit dem 1. September 2024 ein Verbot für Vermehrung, Verkauf und Neupflanzung. Naturschützer fordern ähnliche Regeln auch hierzulande.
Kurzantwort: Deutschland kennt kein Kirschlorbeer-Verbot, die Schweiz hat seit September 2024 eines. Einzelne Gemeinden hierzulande können über Bebauungspläne eigene Vorgaben machen.
Das Wichtigste in Kürze
- Deutschland: kein gesetzliches Verbot, Einstufung als potenziell invasiv.
- Schweiz: Verbot von Verkauf und Neupflanzung seit 1. September 2024.
- EU: Kirschlorbeer steht nicht auf der Unionsliste invasiver Arten.
- Alle Pflanzenteile sind giftig, die Samen besonders.
Wird Kirschlorbeer verboten? Die aktuelle Rechtslage
Die Frage taucht in Gartenforen und Nachrichten immer öfter auf. Der Grund liegt im Erfolg der Pflanze. Die Lorbeerkirsche, botanisch Prunus laurocerasus, ist einer der beliebtesten Heckensträucher. Sie wächst schnell, bleibt im Winter grün und ist blickdicht. Genau diese Eigenschaften machen sie in der Natur zum Problem.
Nach der Bewertung des Bundesamts für Naturschutz gilt die Art in Deutschland als potenziell invasiv. Sie steht auf der Grauen Liste, auch Handlungsliste genannt. Das bedeutet: Behörden beobachten die Ausbreitung und prüfen, ob vorbeugende Maßnahmen nötig werden. Ein Verbot ist damit noch nicht verbunden.
Kirschlorbeer verboten? So sieht es in der Schweiz aus
Die Schweiz ging als erstes europäisches Land voran. Sie nahm die Lorbeerkirsche 2024 in ihre Liste der gebietsfremden invasiven Pflanzen auf. Seit dem 1. September 2024 sind Vermehrung, Inverkehrbringung und Neupflanzung untersagt. Rechtsgrundlage ist die Freisetzungsverordnung des Bundes.
Bestehende Hecken müssen Eigentümer in der Regel nicht sofort roden. Sie werden vorerst geduldet. Einige Gemeinden gehen weiter. In Worb im Kanton Bern müssen die Sträucher bis 2027 aus den Gärten verschwinden. Andere Kommunen bieten Neophytensäcke zur kostenlosen Entsorgung oder leihen Rodungswerkzeug aus.
Kirschlorbeer verbieten in Deutschland: Was Gemeinden tun können
Auch ohne Bundesgesetz ist die Lage nicht überall gleich. Kommunen dürfen in Bebauungsplänen Pflanzlisten festlegen. Manche schließen Kirschlorbeer dort aus oder verlangen heimische Gehölze. Erste Städte und Gemeinden entfernen die Pflanze außerdem von ihren eigenen Flächen und ersetzen sie durch heimische Sträucher.
Wer eine Hecke neu anlegen will, schaut deshalb am besten in den Bebauungsplan und in die Gestaltungssatzung. Diese Unterlagen hält das Bauamt bereit. Auch Mietverträge oder Vorgaben der Eigentümergemeinschaft können Pflanzen regeln.
| Land | Status der Lorbeerkirsche |
|---|---|
| Deutschland | Graue Liste (Handlungsliste), kein Verbot |
| Schweiz | Verbot von Vermehrung, Verkauf und Neupflanzung seit 1.9.2024 |
| Österreich | Sache der Bundesländer, Steiermark mit strengen Managementmaßnahmen |
| EU | Nicht auf der Unionsliste invasiver Arten |
Warum Naturschützer die Lorbeerkirsche kritisch sehen
Die Pflanze verwildert leicht. Vögel wie Amseln, Drosseln und Eichelhäher fressen die Früchte und scheiden die Kerne im Wald aus. Auch Wildschweine, Rehe und Füchse verbreiten die Samen. Dazu kommt Gartenabfall, der in der Landschaft landet.
Im Schatten lichter Wälder verdrängt der Strauch heimische Arten. Fachleute sprechen von Laurophyllisierung, wenn immergrüne Lorbeerarten den Waldtyp verändern. Beobachtet wurde das erstmals 1956 im Tessin. Der Klimawandel begünstigt die Entwicklung. Auch im Umland von Hamburg und Berlin gibt es Studien dazu.
Kurzantwort: Der Strauch geht meist von Gärten aus in die Natur. Deshalb raten Fachleute davon ab, neue Kirschlorbeerhecken zu pflanzen.
Giftige Pflanze: Was Gartenbesitzer wissen sollten
Alle Teile der Lorbeerkirsche enthalten cyanogene Glykoside. Beim Zerkauen von Blättern und Samen entsteht daraus Blausäure. Die Giftzentrale Bonn stuft die ganze Pflanze als giftig ein. Nach dem Verzehr eines Blattes oder einiger zerkauter Samen sind Übelkeit, Erbrechen und Herzrasen möglich. Unzerkaute, verschluckte Samen gelten für Menschen als ungefährlich.
2013 wurde die Lorbeerkirsche in Deutschland zur Giftpflanze des Jahres gewählt. Bei Kindern und Haustieren lohnt Vorsicht, besonders im Herbst. Verbrannt wird Schnittgut am besten nur in geschlossenen Kaminöfen und gut getrocknet. Offene Feuerschalen können giftige Blausäureverbindungen freisetzen.
Kirschlorbeer entfernen und richtig entsorgen
Wer die Hecke ersetzen möchte, findet Hilfe im Beitrag Hecke entfernen. Beim Entsorgen gilt: Fruchtende Zweige nie in den Wald oder an den Feldrand kippen. Die Biotonne oder ein Wertstoffhof sind meist die beste Wahl. Manche Abfallsatzungen schließen invasive Neophyten von der Biotonne aus, ein Blick in die Satzung lohnt sich.
Wer die Hecke behalten will, schneidet sie vor der Fruchtreife. Das verhindert einen Großteil der Aussaat. Tipps dazu bietet der Ratgeber Kirschlorbeer schneiden sowie die Übersicht Kirschlorbeer schneiden: Wann.
Alternativen zur Lorbeerkirsche für dichten Sichtschutz
Heimische Sträucher liefern Nahrung für Insekten und Vögel. Beliebt sind Liguster, Hainbuche, Eibe und Feldahorn. Für Schnitthecken gibt es wuchsschwächere Zuchtsorten, die weniger Pflege brauchen. Sorten mit gefüllten Blüten sind für Insekten weniger wertvoll.
Bis vor Kurzem galt der Portugiesische Lorbeer als sicherer Ersatz. Nach Verwilderungen in der Westschweiz ist das nicht mehr eindeutig. Mehr dazu steht im Beitrag Portugiesischer Lorbeer. Eine bewährte heimische Wahl beschreibt der Artikel zur Liguster-Hecke.
Fazit
Kirschlorbeer verbieten will der Bund in Deutschland bisher nicht. Wer neu pflanzt, entscheidet selbst, und Gemeinden können eigene Vorgaben machen. Die Schweiz zeigt, wie ein Verbot aussehen kann. Für Gartenbesitzer hierzulande lohnt sich der Blick auf heimische Alternativen, denn die Debatte dürfte weitergehen. Neue Hecken lassen sich mit Liguster oder Hainbuche ohne Bedenken anlegen.
FAQ – Häufige Fragen
Ist Kirschlorbeer in Deutschland verboten?
Nein. Bundesweit gibt es kein Pflanz-, Verkaufs- oder Besitzverbot. Die Pflanze steht auf der Grauen Liste, also der Handlungsliste des Bundesamts für Naturschutz.
Seit wann ist Kirschlorbeer in der Schweiz verboten?
Seit dem 1. September 2024. Seitdem sind Vermehrung, Verkauf und Neupflanzung dort untersagt.
Muss ich meine alte Kirschlorbeerhecke entfernen?
In Deutschland besteht dazu keine gesetzliche Pflicht. In der Schweiz werden bestehende Hecken meist vorerst geduldet, einzelne Gemeinden wie Worb schreiben die Entfernung bis 2027 vor.
Steht Kirschlorbeer auf der EU-Liste invasiver Arten?
Nein. Die Unionsliste umfasst seit 2025 insgesamt 112 Tier- und Pflanzenarten. Die Lorbeerkirsche gehört nicht dazu.
Darf ein Bebauungsplan Kirschlorbeer untersagen?
Ja, Gemeinden dürfen Pflanzlisten und Festsetzungen in Bebauungsplänen vorschreiben. Wer neu baut, prüft deshalb die örtlichen Vorgaben.
Ist Kirschlorbeer giftig?
Ja. Alle Pflanzenteile enthalten cyanogene Glykoside, aus denen Blausäure entstehen kann. Die Giftzentrale Bonn stuft die ganze Pflanze als giftig ein.
Wie entsorge ich Kirschlorbeerschnitt richtig?
Am besten über die Biotonne oder den Wertstoffhof, sofern die örtliche Abfallsatzung das erlaubt. Auf den Kompost gehören fruchtende Zweige nicht.
Welche Alternativen gibt es zum Kirschlorbeer?
Heimische Sträucher wie Liguster, Hainbuche, Feldahorn oder Eibe. Für dichten Sichtschutz gibt es wuchsschwache Zuchtsorten.
Ist der Portugiesische Lorbeer eine sichere Alternative?
Nur noch eingeschränkt. Nach Verwilderungen in der Westschweiz gilt er nicht mehr als unbedenklich.
Warum breitet sich Kirschlorbeer im Wald aus?
Vögel fressen die Früchte und verteilen die Kerne. Dazu kommt Selbstaussaat und achtlos entsorgter Gartenabfall. Im Schatten setzt sich die Art gegen heimische Pflanzen durch.
Quellen
Henrik hat einen kleinen Stadtgarten und einen großen Balkon. Er schreibt über Hochbeete, Töpfe und Pflanzen für wenig Platz.





