Kurzantwort: Der Feigenbaum braucht einen warmen, sonnigen und windgeschützten Standort, am besten vor einer Süd- oder Westwand, mit durchlässigem, humosem Boden ohne Staunässe. Geschnitten wird im Frühjahr, wobei alte, schwache und nach innen wachsende Triebe entfernt und zu lange einjährige Triebe nur mäßig eingekürzt werden, weil an ihnen die Früchte der kommenden Ernte wachsen. Junge Bäume brauchen in kalten Wintern zusätzlichen Schutz für Wurzelbereich und Stamm.
Der Feigenbaum gilt vielen noch als exotische Kübelpflanze für den Süden, dabei gedeihen ausreichend winterharte Sorten inzwischen auch im deutschen Freiland, sofern der Standort passt. Ursprünglich stammt die Art vermutlich aus dem östlichen Mittelmeerraum und wird dort seit der Antike kultiviert.
Wer im eigenen Garten Feigen ernten will, kommt um zwei Dinge nicht herum: einen wirklich warmen Platz und einen Winterschutz, der junge Pflanzen durch die ersten kalten Jahre bringt. Ist beides erfüllt, ist der Feigenbaum erstaunlich pflegeleicht.
Der richtige Standort
Feigen lieben warme, sonnige und geschützte Standorte. Ideal ist eine windgeschützte Süd- oder Westwand, die zusätzlich Wärme speichert und nachts wieder abgibt. An einem zugigen, kühlen Platz reift das Holz im Herbst schlechter aus und wird dadurch anfälliger für Frostschäden.
Der Boden sollte vor allem durchlässig und humos sein, denn die Wurzeln vertragen keine dauerhafte Staunässe. Auf schweren, lehmigen Böden lohnt es sich, vor dem Pflanzen Sand oder Kies einzuarbeiten. Eine Mulchschicht über dem Wurzelbereich schützt zusätzlich vor dem Austrocknen im Sommer.
Wann und wie geschnitten wird
Der Rückschnitt erfolgt zu Beginn des Frühjahrs, bevor der Austrieb einsetzt. Dabei werden alte, schwache und nach innen wachsende Triebe entfernt, damit Licht und Luft in die Krone gelangen. Zu lange einjährige Triebe lassen sich einkürzen, allerdings nicht zu stark, denn an ihnen sitzen die Früchte für die kommende Ernte.
Beim Schnitt tritt milchiger Pflanzensaft aus, der die Haut reizen kann. Handschuhe gehören deshalb bei der Arbeit am Feigenbaum immer dazu, ebenso wie eine scharfe, saubere Schere für glatte Schnittstellen.
Ein bis zwei Ernten im Jahr
Je nach Sorte reifen die Früchte meist zwischen Juli und Oktober. In milden Jahren oder an besonders geschützten Standorten kann ein Feigenbaum sogar zweimal Früchte tragen: eine kleinere Ernte im Frühsommer aus Knospen des Vorjahres und eine zweite, meist größere Ernte im Herbst am neuen Holz. Für den Hausgarten eignen sich ausschließlich selbstfruchtende, frosttolerante Sorten, die ohne die für die Wildform nötige Feigengallwespe zuverlässig Früchte ausbilden.
Winterschutz für junge Bäume
Junge Feigenbäume bis etwa drei Jahre sollten frostfrei überwintern oder zumindest deutlichen Schutz bekommen. Der Wurzelbereich wird mit einer dicken Schicht Laub oder Mulch abgedeckt, der Stamm zusätzlich mit Jute oder Vlies umwickelt. Bei erwarteten Temperaturen unter minus zehn Grad hilft es, die Triebe zusätzlich mit Vlies oder Kokosmatten zu umhüllen und die Zwischenräume mit Laub aufzufüllen.
Winterschutz sollte möglichst spät im Jahr angebracht werden, denn ein kurzer, leichter Frost schadet dem Holz kaum und härtet es sogar zusätzlich ab. Wird zu früh eingepackt, staut sich außerdem Feuchtigkeit unter der Abdeckung, was Fäulnis begünstigt.
Feigen im Kübel
In raueren Lagen lässt sich der Feigenbaum dauerhaft im Kübel kultivieren. Ein Gefäß mit mindestens vierzig Litern Volumen bietet genug Platz für die Wurzeln, sollte aber unbedingt Abzugslöcher haben, damit sich nach Regen kein Wasser staut. Im Winter zieht der Kübel an einen kühlen, hellen, aber frostfreien Ort, etwa in eine unbeheizte Garage oder einen Kellerraum mit Fenster.
Kübelpflanzen frieren schneller durch als Bäume im Freiland, weil die Wurzeln ringsum nur von dünnem Topfmaterial statt von tief reichender Gartenerde umgeben sind. Ein zusätzlicher Ring aus Luftpolsterfolie oder Jute um den Kübel hält die Wurzeln auch dann noch frostfrei, wenn der Baum selbst im Freien überwintert.
Gießen und Düngen
Auch wenn der Feigenbaum Staunässe nicht verträgt, braucht er in der Wachstumszeit regelmäßig Wasser, besonders im Kübel, wo das Substrat schneller austrocknet als im Freiland. Von Frühjahr bis Hochsommer profitiert er von einer organischen Düngung, etwa mit Kompost, die im Spätsommer eingestellt wird, damit die Triebe rechtzeitig vor dem Winter ausreifen können.
Wird im Herbst noch stickstoffbetont gedüngt, treibt der Baum unter Umständen neue, weiche Triebe, die vor dem ersten Frost nicht mehr verholzen und dann leicht erfrieren. Deshalb gilt für die Düngung dieselbe Regel wie für den Schnitt: Im zweiten Halbjahr wird zurückhaltender gearbeitet als im Frühjahr.
Wuchsform und Größe
Der Feigenbaum wächst als sommergrüner Strauch oder kleiner Baum und erreicht in seiner Heimat Höhen von drei bis zehn Metern. In Deutschland bleiben die meisten Exemplare durch die kürzere Vegetationszeit und gelegentliche Rückfrostschäden deutlich niedriger. Mit den Jahren bildet die Krone eine breite, unregelmäßige Form mit einem oft knorrigen, leicht gebogenen Stamm.
Vermehrung über Stecklinge
Feigen lassen sich unkompliziert über Steckhölzer vermehren, die im Spätwinter aus einjährigem Holz geschnitten werden. Ein etwa zwanzig Zentimeter langes Triebstück bewurzelt in feuchtem, durchlässigem Substrat an einem hellen, warmen Platz zuverlässig und liefert bereits im ersten Jahr eine kräftige Jungpflanze, die genetisch mit der Mutterpflanze identisch ist.
Häufige Probleme erkennen
Fallen im Sommer viele kleine, unreife Früchte vorzeitig ab, steckt meist unregelmäßige Wasserversorgung dahinter. Wechseln sich lange Trockenphasen mit starkem Gießen ab, kann der Baum die Früchte nicht zuverlässig versorgen und wirft einen Teil davon ab. Gleichmäßiges Gießen beugt diesem Fruchtfall wirksam vor.
Braune, eingerollte Blattränder deuten dagegen meist auf einen zu trockenen oder zu kühlen Standort hin. Ein Wechsel des Platzes oder, bei Kübelpflanzen, ein größeres Gefäß mit mehr Wasserspeicher schafft hier oft schon Abhilfe.
Quellen
Geschrieben von Clara, Redaktion spatenfreunde.de — sie schreibt hier über Garten, Pflanzen und die richtige Pflege.

