Hände kürzen mit einer orangefarbenen Gartenschere einen dünnen Zweig mit Knospen

Büsche schneiden: Der richtige Zeitpunkt nach Blühtyp

Kurzantwort: Entscheidend für den richtigen Zeitpunkt ist, ob ein Busch am vorjährigen oder am frischen Holz blüht. Frühjahrsblüher wie Forsythie oder Flieder bilden ihre Knospen bereits im Vorjahr und werden deshalb direkt nach der Blüte geschnitten. Sommerblüher wie Sommerspiere blühen dagegen am diesjährigen Holz und werden im zeitigen Frühjahr, noch vor dem Austrieb, kräftig zurückgeschnitten. Unabhängig vom Blühtyp gilt zusätzlich eine gesetzliche Grenze: Radikale Rückschnitte sind nach § 39 Bundesnaturschutzgesetz vom 1. März bis zum 30. September verboten.

Kaum eine Gartenfrage wird so oft falsch beantwortet wie die nach dem richtigen Schnittzeitpunkt für Sträucher. Viele greifen im zeitigen Frühjahr pauschal zur Schere, weil das Wetter danach ist, und schneiden damit ausgerechnet die Knospen ab, die im selben Jahr noch hätten blühen sollen.

Wer den Blühtyp seines Strauchs kennt, trifft den richtigen Zeitpunkt dagegen fast automatisch.

Frühjahrsblüher: sofort nach der Blüte schneiden

Sträucher wie Forsythie, Flieder, Zierjohannisbeere oder Weigelie bilden ihre Blütenknospen bereits im Sommer und Herbst des Vorjahres am bereits verholzten, alten Holz. Wer sie im Winter oder zeitigen Frühjahr zurückschneidet, entfernt damit genau die Triebe, die im selben Frühjahr noch geblüht hätten. Der richtige Zeitpunkt für den Rückschnitt liegt deshalb unmittelbar nach dem Verblühen, meist im späten Frühjahr oder Frühsommer. So bleibt dem Strauch bis zum Herbst genug Zeit, neue Triebe zu bilden, an denen sich im folgenden Jahr wieder Blütenknospen anlegen.

Sommerblüher: Rückschnitt im zeitigen Frühjahr

Sträucher, die erst im Sommer blühen, etwa die Sommerspiere, bilden ihre Blüten dagegen am frischen, im selben Jahr neu gewachsenen Holz. Sie werden im zeitigen Frühjahr, noch bevor der Neuaustrieb beginnt, kräftig zurückgeschnitten. Der Strauch treibt danach aus den verbliebenen Augen kräftig neu aus, und genau an diesen neuen Trieben entstehen im Sommer die Blüten. Ein später oder unterlassener Rückschnitt führt bei diesen Arten oft zu einem sparrigen, von unten verkahlenden Wuchs mit weniger und kleineren Blüten.

Wie sich der eigene Busch einordnen lässt

Wer unsicher ist, welchem Typ ein Strauch angehört, kann sich an der Blütezeit orientieren: Blüht ein Gehölz vor oder kurz nach dem Laubaustrieb im Frühjahr, blüht es in aller Regel am alten Holz. Blüht es dagegen erst im Hochsommer, nachdem der Strauch längst voll belaubt ist, blüht es meist am neuen Holz. Im Zweifel hilft auch ein Blick auf die Triebe direkt nach der Blüte: Sitzen die verwelkten Blüten an bereits verholzten, älteren Zweigen, handelt es sich um einen Frühjahrsblüher.

Das gesetzliche Schnittfenster

Unabhängig vom Blühtyp gilt für jeden radikalen Rückschnitt eine bundesweit einheitliche gesetzliche Grenze. Nach § 39 Absatz 5 Bundesnaturschutzgesetz dürfen Sträucher und andere Gehölze außerhalb des Waldes vom 1. März bis zum 30. September nicht auf den Stock gesetzt oder radikal zurückgeschnitten werden, weil in dieser Zeit Vögel und andere Tiere in den Gehölzen brüten und ihre Jungen aufziehen. Ein schonender Form- und Pflegeschnitt, der nicht in ältere Astpartien eingreift, bleibt davon unberührt und ist ganzjährig erlaubt.

Was das für Frühjahrsblüher praktisch bedeutet

Für Frühjahrsblüher wie Forsythie oder Flieder ist das gesetzliche Schnittfenster in der Praxis meist kein Problem, weil ihr Pflegeschnitt direkt nach der Blüte ohnehin als schonender Form- und Pflegeschnitt gilt und nicht auf einen radikalen Rückschnitt ins alte Holz hinausläuft. Ein starker Auslichtungsschnitt, bei dem ganze alte Äste bodennah entfernt werden, sollte bei diesen Arten aber in den Zeitraum von Oktober bis Ende Februar gelegt werden, auch wenn das nicht der optimale Zeitpunkt für die Blütenbildung im folgenden Jahr ist.

Werkzeug und Schnitttechnik

Dünnere Triebe werden mit einer scharfen Gartenschere direkt über einer nach außen zeigenden Knospe gekürzt, damit der Neuaustrieb nach außen wächst statt ins Innere des Strauchs hinein. Ältere, dickere Äste, die komplett entfernt werden sollen, trennt eine Astsäge glatt am Astring ab. Grundsätzlich gilt bei jedem Rückschnitt: nie mehr als etwa ein Drittel der gesamten Krone auf einmal entfernen, damit der Strauch genug Blattmasse behält, um sich über den Rest der Saison zu erholen.

Verjüngungsschnitt bei überalterten Büschen

Stark überalterte, von unten verkahlte Sträucher lassen sich über mehrere Jahre verteilt verjüngen, indem jährlich nur ein Teil der ältesten Äste bodennah entfernt wird, während jüngere Triebe stehen bleiben. So bleibt der Strauch während der gesamten Verjüngung durchgehend belaubt und blühfähig, statt nach einem einmaligen, radikalen Rückschnitt über mehrere Jahre kahl und blütenlos zu bleiben. Auch dieser schrittweise Verjüngungsschnitt gehört, sofern er tiefer ins alte Holz eingreift, in den Zeitraum zwischen Oktober und Ende Februar.

Immergrüne Büsche als Sonderfall

Bei immergrünen Sträuchern wie Buchsbaum, Kirschlorbeer oder Liguster spielt der Blühtyp für die Schnittentscheidung kaum eine Rolle, weil sie meist wegen ihrer Form und nicht wegen der Blüte geschnitten werden. Auch hier gilt aber dieselbe gesetzliche Grenze: Ein Formschnitt, der die Silhouette erhält, ist ganzjährig erlaubt, ein radikaler Rückschnitt in altes Holz dagegen nur zwischen Oktober und Ende Februar. Gerade Buchsbaum und Kirschlorbeer vertragen zwar grundsätzlich auch einen kräftigen Rückschnitt, treiben danach aber erst im folgenden Frühjahr wieder dicht aus.

Typische Fehler beim Strauchschnitt

Der häufigste Fehler ist, alle Sträucher im Garten zum selben Zeitpunkt zu schneiden, unabhängig davon, ob sie am alten oder am neuen Holz blühen. Wer beispielsweise die Forsythie im zeitigen Frühjahr kräftig zurückschneidet, weil gerade Zeit dafür ist, entfernt damit die bereits angelegten Blütenknospen und muss ein Jahr auf die volle Blüte verzichten. Ebenso häufig ist ein zu später, sehr harter Rückschnitt von Sommerblühern erst im Sommer, wenn der Strauch bereits ausgetrieben hat, was die Blüte für die laufende Saison deutlich verkürzt oder ganz verhindert.

Quellen

Geschrieben von Clara, Redaktion spatenfreunde.de — sie schreibt hier über Garten, Pflanzen und die richtige Pflege.

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