Ginkgobaum (Ginkgo biloba) mit charakteristischem, fächerförmigem Laub

Ginkgo schneiden: wann es nötig ist und wie es gelingt

Kurzantwort: Ein ausgewachsener Ginkgo braucht in den meisten Fällen keinen Rückschnitt, weil er von Natur aus eine ansprechende Kronenform entwickelt. Ist ein Eingriff nötig, etwa um die Krone aufzulichten oder kranke Äste zu entfernen, gehört er in den Spätwinter zwischen Februar und März, kurz bevor die Knospen aufbrechen. Da der Ginkgo nur langsam wächst, wird dabei nie radikal, sondern immer nur behutsam geschnitten.

Der Ginkgo gilt als eines der ältesten Bäume der Welt und wirkt mit seinem fächerförmigen Laub in keinem Garten wie jeder andere Baum. Viele, die einen Ginkgo pflanzen, fragen sich trotzdem irgendwann, ob und wie sie ihn in Form bringen sollten.

Die Antwort fällt bei diesem Baum anders aus als bei den meisten Ziergehölzen: Wer wenig eingreift, liegt beim Ginkgo fast immer richtig.

Warum ein Ginkgo meist keinen Schnitt braucht

Anders als schnellwüchsige Gehölze, die ohne Formschnitt schnell unordentlich wirken, entwickelt der Ginkgo seine charakteristische Silhouette von selbst. Ein Eingriff dient deshalb fast immer nur der Korrektur einzelner störender Äste, nicht der grundsätzlichen Formgebung wie etwa bei einer Hecke oder einem Formschnittbaum.

Das liegt auch daran, wie sich die Krone über die Jahrzehnte verändert: Junge Ginkgos wachsen auffallend gerade und schlank, mit wenigen, eher steil aufrecht stehenden Ästen. Erst ab einem Alter von etwa fünfundzwanzig Jahren beginnt sich die Krone spürbar auszubreiten, weil die Äste zunehmend horizontal wachsen. Ausgewachsene Exemplare erreichen im Schnitt Höhen bis zu vierzig Metern und einen Stammdurchmesser von einem bis vier Metern.

Der richtige Zeitpunkt für den Rückschnitt

Wird doch geschnitten, liegt der günstigste Zeitpunkt im Spätwinter, meist im Februar oder März, kurz bevor der Saftfluss einsetzt und die Knospen schwellen. Zu diesem Zeitpunkt verheilen Schnittwunden über die gesamte folgende Saison, ohne dass der Baum vorher schon Kraft in ausgetriebene Blätter gesteckt hat. Ein Schnitt mitten im Sommer, wenn der Baum voll belaubt ist, entzieht ihm dagegen unnötig Energie und sollte deshalb vermieden werden.

Auslichten statt radikal kürzen

Ein Rückschnitt beim Ginkgo dient in erster Linie dem Auslichten: Einzelne, zu dicht stehende Äste werden entfernt, damit mehr Licht ins Innere der Krone gelangt und der Baum insgesamt kompakter wächst. Das ist eine rein gestalterische Maßnahme, die nicht jedes Jahr nötig ist. Weil der Ginkgo eher langsam wächst, sollte der Eingriff behutsam bleiben, ein radikaler Rückschnitt ins alte Holz passt nicht zu seinem Wuchstempo und lässt sichtbare Lücken zurück, die sich nur langsam wieder schließen.

Standort und Bodenansprüche

Ein Ginkgo ist bei der Bodenart wenig wählerisch und wächst sowohl auf sauren als auch auf alkalischen Böden. Er erträgt Temperaturen bis etwa minus dreißig Grad und ist damit auch für Lagen mit strengen Wintern geeignet. Was er dagegen nicht verträgt, sind dauerhaft nasse ebenso wie übermäßig trockene Böden, weshalb ein durchlässiger, mäßig feuchter Standort die besten Wachstumsbedingungen bietet.

Weibliche und männliche Bäume

Der Ginkgo ist zweihäusig, es gibt also getrennt männliche und weibliche Bäume, deren Geschlecht sich erst nach zwanzig bis fünfunddreißig Jahren zeigt. Weibliche Bäume bilden Samen, deren fleischige Außenschale beim Zerfallen einen unangenehmen Geruch nach ranziger Butter verströmt und bei Hautkontakt Reizungen auslösen kann. In Europa werden deshalb überwiegend männliche Ginkgos aus Stecklingen gepflanzt, während in Ostasien gerade die essbaren Samen weiblicher Bäume geschätzt werden.

Kranke und abgebrochene Äste

Unabhängig von der Jahreszeit dürfen abgestorbene, abgebrochene oder erkrankte Äste jederzeit vollständig entfernt werden. Ein sauberer Schnitt dicht am Astring verhindert, dass Feuchtigkeit in einem stehen gelassenen Stummel eindringt und dort Fäulnis auslöst. Größere Wunden ab einigen Zentimetern Durchmesser verheilen beim langsam wachsenden Ginkgo über mehrere Jahre, weshalb solche Schnitte von Anfang an möglichst klein gehalten werden sollten.

Widerstandsfähig gegen Schädlinge und Stadtklima

Der Ginkgo gilt als außergewöhnlich robust: Er ist weitgehend resistent gegen Pilz-, Bakterien- und Virusbefall und zählt zu den Bäumen, die am seltensten von Insekten befallen werden. Auch Luftschadstoffe setzen ihm kaum zu, weshalb er vielerorts als Park- und Straßenbaum in Großstädten gepflanzt wird. Diese Widerstandsfähigkeit ist mit ein Grund, warum ein Ginkgo im Vergleich zu anfälligeren Ziergehölzen so wenig pflegenden Eingriff braucht.

Fächerförmige Blätter und goldene Herbstfärbung

Kaum ein anderer Baum im Garten lässt sich an seinen Blättern so eindeutig und auf den ersten Blick erkennen wie der Ginkgo. Die fächerförmigen, oft leicht eingekerbten Blätter sitzen einzeln an kurzen Kurztrieben und unterscheiden sich damit deutlich von den Nadeln oder gezackten Blättern anderer Bäume. Im Herbst färben sie sich auffallend hellgelb bis goldgelb, bevor sie oft innerhalb weniger Tage nahezu gleichzeitig abfallen und für kurze Zeit einen goldenen Teppich unter dem Baum bilden.

Diese auffällige Erscheinung passt zu seinem besonderen Ruf: Der Ginkgo kann über tausend Jahre alt werden und gilt botanisch als lebendes Fossil, weil seine Art nahezu unverändert seit Jahrmillionen existiert. Zur Jahrtausendwende erklärte ihn das Kuratorium Baum des Jahres zum Mahnmal für Umwelt und Frieden sowie zum Baum des Jahrtausends überhaupt. Die Deutsche Dendrologische Gesellschaft, ein bundesweiter Zusammenschluss von Baumfachleuten, führt den Ginkgo bis heute als ihr Vereinslogo und benannte ihre Fachzeitschrift „Ginkgoblätter“ nach ihm.

Wie viel Platz ein Ginkgo im Garten braucht

Wer einen Ginkgo pflanzt, sollte die spätere Kronenbreite von Anfang an einplanen, auch wenn ein junger Baum zunächst schmal und aufrecht wirkt. Für einen Hausgarten eignen sich deshalb oft schmalkronige Sorten, die züchterisch auf eine kompaktere, säulenförmige Wuchsform hin ausgewählt wurden und auch nach Jahrzehnten kaum in die Breite gehen. Wer dagegen einen der breitkronigen Sorten pflanzt, braucht entsprechend mehr Abstand zu Wegen, Gebäuden und Nachbargrundstücken.

Quellen

Geschrieben von Clara, Redaktion spatenfreunde.de — sie schreibt hier über Garten, Pflanzen und die richtige Pflege.

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