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Kurzantwort: Ja, die Garten-Wolfsmilch ist giftig. Alle Teile führen einen weißen Milchsaft mit Diterpenestern, die Haut und Schleimhäute reizen. Auf der Haut drohen Rötung, Schwellung und Blasen, im Auge Entzündungen von Binde- und Hornhaut, beim Verschlucken Brennen, Erbrechen und Krämpfe. Erste Hilfe: Haut gründlich mit Wasser abwaschen, Augen mehrere Minuten lauwarm spülen und zum Augenarzt, bei Verschlucken den Giftnotruf anrufen.
Die Garten-Wolfsmilch ist ein kleines, unscheinbares Kraut. Sie steht zwischen Salat und Rosen, im Kiesweg und im Blumenkasten. Beim Jäten knickt der Stängel, und ein weißer Tropfen tritt aus. Genau dieser Tropfen ist das Problem.
Die Wirkstoffe im Milchsaft sind so stark, dass die Pharmaindustrie daraus ein Medikament gegen Hautveränderungen gemacht hat, das später wieder vom Markt verschwand.
Hier steht, woran du die Pflanze erkennst, was im Saft steckt, welche Symptome auftreten und was du bei Kontakt tust.
Steckbrief: So erkennst du die Garten-Wolfsmilch
Die Garten-Wolfsmilch, botanisch Euphorbia peplus, ist ein einjähriges Kraut von 5 bis 35 Zentimetern Höhe. Die Blätter sind rundlich bis eiförmig, weich und hellgrün. Die Blüten sind winzig und gelbgrün, sie sitzen in flachen Scheindolden am oberen Ende der Pflanze.
Sie blüht von Juni bis November und wächst in Gärten, auf Äckern und an Wegrändern, am liebsten auf nährstoffreichem, frischem Lehmboden. In Deutschland ist sie heimisch und häufig.
Das sicherste Erkennungsmerkmal ist der Milchsaft. Knickst du einen Stängel, tritt sofort ein weißer, klebriger Tropfen aus. Das gilt für alle Wolfsmilcharten, auch für die Zypressen-Wolfsmilch und die Stauden im Beet.
Verwechseln lässt sich die Garten-Wolfsmilch mit der Brachwurz (Euphorbia peplis), die aber an Küsten wächst und in Deutschland kaum vorkommt. Andere kleine Beetkräuter wie Vogelmiere oder Ehrenpreis führen keinen Milchsaft. Der Knicktest entscheidet.
Was im Milchsaft steckt
Der Saft der Wolfsmilchgewächse enthält Diterpenester, bei der Gattung Euphorbia vor allem vom Ingenol- und Phorbol-Typ, dazu Triterpensaponine. Diese Stoffe reizen Haut und Schleimhäute stark. Die Giftzentrale Bonn stuft die Wolfsmilch als giftig ein.
Die Garten-Wolfsmilch enthält den Wirkstoff Ingenolmebutat. Er war unter dem Namen Picato als Gel gegen aktinische Keratose zugelassen, eine Hautveränderung durch Sonnenlicht. Im Januar 2020 empfahl die Europäische Arzneimittelagentur, das Mittel ruhen zu lassen. In einer Studie mit 484 Patienten hatten 3,3 Prozent der Behandelten Hautkrebs entwickelt, in der Vergleichsgruppe 0,4 Prozent.
Das zeigt, wie wirksam der Saft ist. Als Hausmittel gegen Warzen, wie es in alten Kräuterbüchern steht, taugt er deshalb nicht.
Symptome bei Haut, Auge und Verschlucken
Auf der Haut zeigt sich der Kontakt als Rötung, Schwellung und Juckreiz, bei empfindlichen Menschen als Blasen. Die Reaktion kann mit Verzögerung kommen, oft erst Stunden nach dem Jäten.
Das Auge ist der kritische Punkt. Die Giftzentrale Bonn warnt vor gefährlichen Entzündungen der Binde- und Hornhaut; das Sehvermögen kann in Einzelfällen bedroht sein. Typisch ist der Weg über die Hand: jäten, dann die Augen reiben.
Nach dem Verschlucken treten starke Entzündungen der Schleimhaut mit Brennen in Mund und Rachen auf, dazu Erbrechen, Bauchkrämpfe und Schmerzen. In schweren Fällen kommen Unruhe, Kreislaufstörungen bis zum Kollaps hinzu.
Erste Hilfe bei Kontakt
Haut: Die betroffene Stelle sofort gründlich mit Wasser und Seife waschen. Der Saft klebt, deshalb lieber zweimal spülen. Keine Cremes darüber, bevor der Saft weg ist.
Auge: Sofort mit lauwarmem Wasser über mehrere Minuten spülen, die Lider dabei offen halten. Danach immer zum Augenarzt, auch wenn das Brennen nachlässt.
Verschlucken: Mund ausspülen, ein Glas Wasser trinken, nicht erbrechen lassen. Dann den Giftnotruf anrufen. Die Informationszentrale gegen Vergiftungen Bonn ist rund um die Uhr unter 0228 19240 erreichbar, der Giftnotruf Erfurt unter 0361 730730. Halte Pflanzenreste für die Bestimmung bereit.
Vorbeugen ist einfacher als spülen. Beim Jäten trägst du Handschuhe, beim Trimmen oder Mähen über Wolfsmilch eine Schutzbrille, weil die Messer den Saft verspritzen. Nach der Arbeit Hände und Unterarme waschen, bevor du ins Gesicht fasst oder isst.
Kinder und Haustiere
Kinder essen die Pflanze selten, der Saft schmeckt scharf und brennt sofort. Das Risiko ist der Weg von der Hand ins Auge. Wo Kinder spielen, sollte die Garten-Wolfsmilch deshalb raus, mit Handschuhen und vor der Samenreife.
Hunde und Katzen reagieren auf den Saft mit Speicheln, Erbrechen und geröteten Schleimhäuten. Knabbert ein Tier an der Pflanze, spülst du das Maul mit Wasser und rufst den Tierarzt an. Auch hier hilft ein Pflanzenteil zur Bestimmung.
Weil die Pflanze einjährig ist, reicht konsequentes Jäten vor der Samenreife, um sie aus dem Spielbereich zu bekommen. Eine Mulchschicht auf den Beeten hält die Samen im Boden dunkel, dann keimen weniger nach.
Häufige Fragen
Ist die Garten-Wolfsmilch tödlich?
Giftzentralen stufen die Gattung als giftig ein, dokumentierte Todesfälle durch die Garten-Wolfsmilch sind uns nicht bekannt. Das größte Risiko liegt bei den Augen.
Darf ich die Pflanze mit bloßen Händen jäten?
Besser nicht. Handschuhe, lange Ärmel und danach Händewaschen. Fass dir während der Arbeit nicht ins Gesicht.
Hilft Wolfsmilch-Saft gegen Warzen?
Das ist ein altes Hausmittel, aber riskant. Die Erfahrung mit dem Medikament Picato zeigt, wie stark der Wirkstoff die Haut verändert. Lass Warzen vom Arzt behandeln.
Kann die Pflanze auf den Kompost?
Ja, mit Handschuhen und ohne reife Samenstände, sonst verteilst du sie mit dem Kompost wieder im Garten.
Was tun, wenn mein Hund daran gefressen hat?
Maul ausspülen, Tierarzt anrufen und ein Stück der Pflanze mitnehmen. Erbrechen nicht selbst auslösen.
Sind Wolfsmilch-Stauden im Beet genauso giftig?
Ja, alle Euphorbia-Arten führen den reizenden Milchsaft. Beim Rückschnitt der Stauden gelten dieselben Schutzregeln.
Quellen
- Giftzentrale Bonn: Wolfsmilch, Zypressen- (Euphorbia cyparissias)
- Garten-Wolfsmilch — Wikipedia
- EMA suspends Picato as a precaution while review of skin cancer risk continues (2020)
Geschrieben von Jonas, Redaktion spatenfreunde.de — er schreibt hier über Garten, Pflanzen und die Arbeit im Beet.







