Ligusterhecke entlang eines Gehwegs

Liguster schneiden: Termine, Form und Radikalschnitt

Kurzantwort: Liguster wird nach der Blüte geschnitten, also etwa ab Ende Juni, und bei starkem Wuchs ein zweites Mal im August oder September. Die Hecke bekommt einen trapezförmigen Querschnitt, oben schmaler als unten, damit die unteren Zweige Licht bekommen und nicht verkahlen. Ein Rückschnitt ins alte Holz gehört in den Winter zwischen Oktober und Ende Februar.

Liguster gilt als anspruchslos, und das stimmt beim Boden und beim Standort. Beim Schnitt liegt die Sache anders: Kaum eine Heckenpflanze verkahlt so schnell von unten, wenn die Form nicht stimmt.

Die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen nennt als Termine den Schnitt nach der Blüte und notfalls einen zweiten im August oder September, wenn die Hecke stark wuchert.

Hier stehen die Termine, die richtige Form und der Weg zurück, wenn eine Hecke unten schon kahl ist.

Die Termine im Jahr

Der Hauptschnitt folgt der Blüte. Liguster blüht im Juni und Juli mit weißen, stark duftenden Rispen. Danach ist der erste Wachstumsschub abgeschlossen, und der Schnitt trifft ausgereiftes Holz.

Wer den Duft nicht braucht oder eine streng geschnittene Hecke will, kann schon Ende Juni um den Johannistag schneiden. Die Blüte fällt dann aus, dafür bleibt die Kontur den Sommer über sauber.

Der zweite Schnitt liegt im August oder Anfang September. Er nimmt den Zuwachs des Sommers und lässt dem Neutrieb genug Zeit, vor dem ersten Frost auszureifen.

Nach Mitte September wird nicht mehr geschnitten. Was danach noch austreibt, ist weich und friert im Winter zurück.

Weiße Blütenrispen des Ligusters
Die Blüte im Juni ist der Auslöser für den Hauptschnitt. Foto: MurielBendel, CC BY-SA 4.0

Der rechtliche Rahmen

§ 39 Absatz 5 des Bundesnaturschutzgesetzes verbietet vom 1. März bis zum 30. September, Hecken auf den Stock zu setzen oder zu beseitigen. Schonende Form- und Pflegeschnitte zur Beseitigung des Zuwachses bleiben erlaubt.

Der übliche Sommerschnitt am Liguster fällt in diese Ausnahme. Ein Rückschnitt ins mehrjährige Holz fällt nicht darunter und gehört in den Winter.

Vor jedem Schnitt zwischen März und September wird die Hecke auf Nester abgesucht. Liguster ist bei Amsel, Heckenbraunelle und Grasmücke ein beliebter Nistplatz, weil er dicht und dornenlos ist. Ein besetztes Nest hat Vorrang.

Die richtige Form

Der Querschnitt einer Ligusterhecke ist ein Trapez: unten breit, nach oben schmaler werdend. Die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen begründet das damit, dass genügend Licht in den unteren Bereich kommt; ohne diese Form verkahlt die Hecke im Lauf der Jahre.

Als Richtwert wird die Hecke pro Meter Höhe etwa zehn Zentimeter je Seite eingezogen. Bei einer Hecke von 1,80 Metern Höhe und 60 Zentimetern Fußbreite ergibt das oben rund 40 Zentimeter.

Ein waagerecht gespanntes Schnurgerüst hält die Höhe gerade. Für die Flanken reicht das Augenmaß, wenn von unten nach oben gearbeitet wird.

Erziehungsschnitt bei neuen Hecken

Eine frisch gepflanzte Ligusterhecke wird im ersten Jahr kräftig eingekürzt, oft um die Hälfte. Das kostet Höhe, erzwingt aber die Verzweigung im unteren Bereich.

In den folgenden zwei bis drei Jahren wird jeweils etwa ein Drittel bis die Hälfte des Zuwachses genommen. Die Hecke wächst dadurch langsamer in die Höhe und dafür geschlossen von unten.

Wer eine junge Hecke ungeschnitten hochwachsen lässt, bekommt lange, unverzweigte Ruten und ein Loch am Fuß, das sich später nur mit einem Radikalschnitt beheben lässt.

Wenn die Hecke unten kahl ist

Liguster treibt zuverlässig aus dem alten Holz aus. Eine verkahlte Hecke lässt sich deshalb radikal zurücknehmen, auch bis auf etwa dreißig bis fünfzig Zentimeter über dem Boden.

Der Termin liegt im Februar, vor dem Austrieb und außerhalb der gesetzlichen Sperrfrist. Der Neuaufbau dauert zwei bis drei Jahre.

Schonender ist der Schnitt auf Etappen: In einem Winter wird nur eine Flanke ins alte Holz zurückgenommen, im nächsten die andere. Die Hecke bleibt dabei durchgehend blickdicht.

Technik und Werkzeug

Für die geschnittene Hecke arbeitet die Heckenschere. Ihre Klingen zerteilen zwangsläufig auch Blätter, was beim kleinblättrigen Liguster kaum auffällt; bei großblättrigen Arten wie Kirschlorbeer wäre das ein Problem.

Gearbeitet wird von unten nach oben, damit das Schnittgut nach unten fällt und die Sicht auf die Kontur frei bleibt. Zuletzt kommt die Oberkante an die Reihe.

Einzelne dicke Äste, die aus der Fläche ragen, werden mit der Astschere tief im Inneren abgesetzt statt außen gekappt. So bleibt keine Schnittstelle in der Kontur sichtbar.

Das Schnittgut lässt sich kompostieren. Junge, weiche Triebe verrotten schnell, verholzte Teile werden vorher gehäckselt.

Standort, Boden und Wasser

Liguster wächst in der Sonne wie im Halbschatten und kommt mit fast jedem Gartenboden zurecht, auch mit kalkhaltigem. Staunässe verträgt er nicht.

Der Gewöhnliche Liguster wirft in kalten Wintern sein Laub ab, der Ovalblättrige bleibt bei milder Witterung weitgehend belaubt. Beide sind schnittverträglich.

Eine Gabe Kompost im Frühjahr trägt den Zuwachs, den zwei Schnitte pro Jahr verlangen. Im ersten Standjahr wird bei Trockenheit durchdringend gewässert, danach nur noch in längeren Trockenperioden.

Häufige Fragen

Wie oft muss Liguster geschnitten werden?

Zweimal im Jahr: nach der Blüte im Juni und bei starkem Wuchs noch einmal im August oder September.

Darf ich Liguster im Sommer schneiden?

Ein schonender Form- und Pflegeschnitt ist zulässig. Vorher auf Vogelnester prüfen.

Wie stark darf man Liguster zurückschneiden?

Bis ins alte Holz, notfalls auf dreißig bis fünfzig Zentimeter. Dieser Eingriff gehört in den Winter.

Warum verkahlt meine Ligusterhecke unten?

Meist, weil sie oben breiter ist als unten und den unteren Zweigen Licht fehlt.

Sind Ligusterbeeren giftig?

Ja, die schwarzen Beeren enthalten giftige Inhaltsstoffe. In Haushalten mit kleinen Kindern lohnt der frühe Schnitt, der die Blüte und damit den Fruchtansatz verhindert.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Clara, Redaktion spatenfreunde.de — sie schreibt hier über Garten, Pflanzen und die richtige Pflege.

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