Vertikutieren – wann, wie oft und worauf zu achten ist

Kurz gesagt: Vertikutiert wird im April bis Mai, wenn der Rasen wächst und die Nachttemperaturen über 10 Grad liegen — ein zweiter Termin ist im September möglich. Die Messer sollen den Boden nur zwei bis drei Millimeter ritzen. Wer tiefer geht, zerstört die Grasnarbe, statt sie zu belüften.

Was Vertikutieren bewirkt

Zwischen Halmen und Boden bildet sich mit der Zeit eine Schicht aus abgestorbenem Material — Rasenfilz. Sie behindert Wasser, Luft und Nährstoffe.

Ein Vertikutierer ritzt diese Schicht senkrecht auf und zieht sie heraus. Das Wort beschreibt genau das: senkrecht schneiden.

Nicht verwechseln mit dem Aerifizieren, bei dem Bodenkerne herausgestochen werden, um verdichteten Boden zu lockern. Das ist ein anderes Verfahren für ein anderes Problem.

Wann es nötig ist

Nicht jeder Rasen braucht es. Die Probe: Mit den Fingern in die Grasnarbe fahren. Liegt dort eine filzige Schicht von mehr als einem halben Zentimeter, lohnt es sich.

Ist der Rasen dicht, grün und ohne Moos, richtet Vertikutieren mehr Schaden als Nutzen an.

Einmal im Jahr reicht in den allermeisten Gärten. Zweimal ist nur bei starkem Filz sinnvoll.

Der richtige Zeitpunkt

Der Rasen muss wachsen, damit er die Verletzung schließen kann. Das ist ab etwa Mitte April der Fall.

Der Boden sollte trocken sein, das Gras kurz geschnitten — auf etwa zwei bis drei Zentimeter. Nasser Boden verschmiert, und die Messer reißen ganze Büschel heraus.

Im Herbst ist September der letzte sinnvolle Termin. Danach fehlt die Zeit zur Regeneration vor dem Frost.

Die richtige Tiefe

Zwei bis drei Millimeter unter die Oberfläche — mehr nicht. Die Messer sollen den Filz aufreißen, nicht in den Boden schneiden.

Die Einstellung wird auf einer kleinen Fläche geprüft. Wirft das Gerät Erde aus, ist es zu tief.

Gefahren wird in zwei Richtungen über Kreuz, aber nur, wenn der Filz stark ist. Bei mäßigem Befall genügt ein Durchgang.

Die Nachsorge

Hier entscheidet sich, ob der Rasen davon profitiert. Direkt nach dem Vertikutieren sieht die Fläche zerrupft aus — das ist normal.

1. Das ausgekämmte Material vollständig abharken und entfernen.

2. Lücken nachsäen, solange die Fläche offen ist.

3. Düngen, damit der Rasen Kraft zum Nachwachsen hat.

4. Bei schwerem Boden mit Sand absanden — das verbessert die Struktur dauerhaft.

5. Zwei bis drei Wochen gleichmäßig feucht halten und wenig betreten.

Handgerät, Elektro oder Benzin

Handvertikutierer eignen sich für kleine Flächen bis etwa 50 Quadratmeter. Sie sind günstig und anstrengend.

Elektrogeräte sind der Standard für Hausgärten bis etwa 500 Quadratmeter. Leise, wartungsarm, an das Kabel gebunden.

Benzingeräte lohnen ab großen Flächen und bei starkem Filz.

Viele Geräte haben eine austauschbare Walze zum Lüften mit Federzinken. Diese Walze kämmt nur oberflächlich und ersetzt das Vertikutieren nicht.

Für einmal im Jahr lohnt oft die Leihe im Baumarkt statt des Kaufs.

Häufige Fehler

  • Zu tief eingestellt — die Grasnarbe wird zerstört
  • Bei nassem Boden gearbeitet
  • Zu früh im Jahr, wenn der Rasen noch nicht wächst
  • Nicht abgeharkt — der Filz bleibt liegen
  • Nicht nachgesät — Unkraut besetzt die Lücken
  • Auf jungem Rasen vertikutiert; im ersten Jahr nach der Saat ist es tabu

Was der Rasen sonst noch braucht

Vertikutieren ist eine Maßnahme von mehreren und wirkt nur im Zusammenspiel.

Düngen im Frühjahr mit stickstoffbetontem, im Herbst mit kaliumbetontem Dünger. Kalium macht die Halme frosthart.

Kalken nur nach einer Bodenanalyse. Kalk auf gut versorgtem Boden schadet mehr, als er nützt — er ist kein Mittel gegen Moos, sondern gegen einen zu sauren pH-Wert.

Sanden verbessert schwere Böden dauerhaft, weil es die Struktur öffnet.

Mähen regelmäßig und nicht zu tief. Häufiges Mähen fördert die Verzweigung und damit die Dichte.

Wenn der Rasen trotzdem nicht will

Manche Flächen bleiben lückig, egal was man tut. Dann lohnt der ehrliche Blick auf die Bedingungen: Wie viele Stunden Sonne bekommt die Stelle? Steht dort Wasser? Wurzelt ein Baum darunter?

Unter dichten Bäumen und an dauerhaft schattigen Nordseiten wächst kein guter Rasen — das liegt nicht an der Pflege. Dort sind Bodendecker, Rindenmulch oder eine bepflanzte Fläche die bessere Lösung und machen deutlich weniger Arbeit.

Was Rasenfilz überhaupt verursacht

Filz entsteht, wenn organisches Material schneller anfällt, als es abgebaut wird. Häufige Ursachen sind zu viel Stickstoffdünger, zu seltenes Mähen mit anschließend großen Schnittmengen und ein Boden, dessen Bodenleben durch Verdichtung eingeschränkt ist.

Wer diese Punkte ändert, braucht seltener zu vertikutieren. Ein gut versorgter Boden mit aktivem Bodenleben baut Filz von selbst ab.

Mulchmähen, bei dem der Schnitt fein zerkleinert liegen bleibt, führt entgegen dem Verdacht nicht zu mehr Filz — vorausgesetzt, es wird häufig genug gemäht.

Der Zeitplan fürs Gartenjahr

März: Erster Schnitt, wenn das Gras wächst. Laub und Äste abräumen.

April bis Mai: Düngen, dann vertikutieren, nachsäen, sanden.

Juni bis August: Regelmäßig mähen, bei Trockenheit selten und durchdringend wässern.

September: Zweiter Vertikutiertermin, Herbstdüngung mit Kalium.

Oktober bis November: Laub entfernen, letzter Schnitt bei etwa fünf Zentimetern.

Winter: Gefrorenen Rasen nicht betreten — die Halme brechen und die Stellen bleiben braun.

Häufige Fragen

Wann vertikutiert man?

Im April bis Mai, zweiter Termin im September.

Wie tief?

Zwei bis drei Millimeter.

Wie oft im Jahr?

Einmal reicht meist.

Muss der Rasen vorher gemäht werden?

Ja, auf zwei bis drei Zentimeter.

Was kommt danach?

Abharken, nachsäen, düngen, feucht halten.

Darf man jungen Rasen vertikutieren?

Nein, erst ab dem zweiten Jahr.

Was ist der Unterschied zum Aerifizieren?

Aerifizieren lockert verdichteten Boden mit Hohlspoons.

Lohnt der Kauf eines Geräts?

Bei einmaliger Nutzung im Jahr eher die Leihe.

Sollte man den Rasen kalken?

Nur nach einer Bodenanalyse.

Was tun bei dauerhaft schattigen Stellen?

Bodendecker statt Rasen pflanzen.

Wodurch entsteht Rasenfilz?

Durch zu viel Stickstoff, seltenes Mähen und verdichteten Boden.

Darf man gefrorenen Rasen betreten?

Nein, die Halme brechen und die Stellen bleiben braun.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Bella, Redaktion spatenfreunde.de — sie schreibt hier über Garten, Pflanzen und die richtige Pflege.

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