Ein Rasenmäher zieht im Frühjahr die ersten Bahnen über den Rasen

Rasen pflegen im Frühjahr: die richtige Reihenfolge im Garten

Kurzantwort: Im Frühjahr gehört zuerst ein Schnitt auf etwa drei Zentimeter, dann Düngen und – nur wenn nötig – Vertikutieren ab Mitte bis Ende April, am besten nach dem zweiten oder dritten Mähen. Kahle Stellen werden direkt danach nachgesät, solange der Boden feuchtwarm bleibt.

Kaum ist der Winter vorbei, beginnt für viele Gartenbesitzer die Diskussion, wann der Rasen wieder auf Vordermann gebracht werden soll. Dabei braucht längst nicht jeder Rasen das volle Programm aus Mähen, Düngen und Vertikutieren – ein gepflegter Rasen kommt manches Jahr auch mit weniger aus, und zu viel Eingriff kann der Grasnarbe mehr schaden als nützen.

Die Bayerische Gartenakademie an der Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) warnt sogar ausdrücklich davor, jede Maßnahme routinemäßig durchzuführen, denn manche davon sind für die Grasnarbe ein echter Stresstest, der nur dort sinnvoll ist, wo das Problem tatsächlich vorliegt.

Der erste Schnitt im Frühjahr

Sobald die Halme im April länger als etwa drei Zentimeter sind, steht laut Gartenakademie der erste Schnitt der Saison an. Wichtig ist dabei, nicht zu tief zu mähen: Wer die Grasnarbe zu stark kürzt, schwächt die Wurzeln und macht den Rasen anfälliger für Moos und Unkraut. Als Faustregel gilt, nicht unter drei Zentimeter Höhe zu mähen; ist der Rasen über den Winter deutlich höher gewachsen, wird beim ersten Schnitt nur etwa die Hälfte der Halmlänge zurückgenommen, um die Pflanze nicht auf einen Schlag zu überfordern. Ein scharfes, sauber eingestelltes Messer am Mäher spielt dabei ebenfalls eine Rolle: Ausgefranste statt glatt geschnittene Halmspitzen verbrauchen mehr Energie zum Verheilen und lassen den Rasen in den ersten Tagen nach dem Schnitt blasser wirken.

Vertikutieren: kein Muss für jeden Rasen

Vertikutieren gilt bei vielen Hobbygärtnern als feste Frühjahrsroutine, wird von der Gartenakademie aber als massiver Eingriff beschrieben, der Stress für die Pflanzen bedeutet. Ziel der Maßnahme ist es, Moos und Rasenfilz zwischen den Halmen herauszuholen, die sonst Licht und Luft von der Grasnarbe fernhalten. Wo sich davon nur wenig gebildet hat, reicht oft ein handgeführter Vertikutierer oder sogar ein eiserner Rechen, statt gleich die Motormaschine anzuwerfen und damit unnötig große Flächen der Grasnarbe zu öffnen.

Der richtige Zeitpunkt fürs Vertikutieren

Erst wenn der Rasen sichtbar wächst, sind Vertikutieren und Nachsaat überhaupt sinnvoll. Foto: Bold Frontiers, CC BY 4.0

Wer vertikutieren möchte, sollte laut ÖKO-TEST bis Mitte oder Ende April warten und den Rasen vorher zwei- bis dreimal gemäht haben. Als Faustregel gilt die Forsythienblüte: Blüht der Strauch, ist der Boden meist warm genug – für eine gute Keimung später ausgesäter Samen werden rund 15 Grad Bodentemperatur benötigt. Der Vertikutierer sollte nur bis zur Bodenoberfläche eingestellt werden, maximal 0,3 Zentimeter tief, damit die Wurzeln nicht beschädigt werden und die Grasnarbe sich innerhalb weniger Wochen wieder schließen kann.

Nach dem Vertikutieren: Filz entfernen und nachsäen

Der beim Vertikutieren gelockerte Rasenfilz gehört nach der Arbeit vom Rasen entfernt und entsorgt, sonst erstickt er die junge Grasnarbe erneut. Ein Rechen oder der Fangkorb des Vertikutierers reicht dafür meist aus; auf größeren Flächen lohnt sich ein zweiter Durchgang quer zum ersten, damit auch liegen gebliebene Reste erfasst werden. Direkt danach lassen sich kahle Stellen nachsäen, die durch das Vertikutieren entstanden sind; anschließend wird der Rasen ausgiebig gewässert, damit die Samen keimen können, statt an der Erdoberfläche auszutrocknen.

Düngen: worauf es ankommt

Beim Düngen sind sich Fachleute laut ÖKO-TEST nicht ganz einig, ob er vor oder kurz nach dem Vertikutieren erfolgen sollte – entscheidender ist, dass überhaupt gedüngt wird. Die Gartenakademie empfiehlt für die organische Variante etwa fünf Liter gesiebten Kompost pro Quadratmeter sowie Stickstoffdünger in zwei Gaben, verteilt auf April und Juni, statt einer einzigen großen Menge zu Saisonbeginn.

Richtig bewässern im Frühjahr

Bei der Bewässerung empfiehlt die Gartenakademie, nicht täglich wenig, sondern einmal wöchentlich durchdringend zu gießen, mit etwa 20 bis 25 Litern je Quadratmeter am frühen Morgen oder späten Abend. Häufiges, oberflächliches Gießen verleitet die Wurzeln dazu, nah an der Oberfläche zu bleiben, während seltenes, aber durchdringendes Wässern sie tiefer in den Boden wachsen lässt – ein Vorteil, sobald es im Sommer wieder trockener wird.

Nachsaat bei feuchtwarmer Witterung

Kahle oder dünne Stellen im Rasen lassen sich zwischen April und Anfang Mai am besten nachsäen, wenn feuchtwarme Witterung optimale Keimbedingungen bietet. Wer zu früh im Jahr sät, riskiert, dass die jungen Keimlinge bei einem späten Kälteeinbruch erfrieren, bevor sie überhaupt richtig angewachsen sind. In den ersten Wochen nach der Aussaat sollte die Fläche gleichmäßig feucht gehalten werden, weil die noch flachen Wurzeln der Keimlinge im Gegensatz zum etablierten Rasen kaum eigene Wasserreserven im Boden erreichen.

Der englische Zierrasen: nicht überall die beste Wahl

Angesichts trockener werdender Sommer stuft die Gartenakademie den klassischen englischen Zierrasen zunehmend als Luxus ein, der viel Pflege und Wasser braucht. An schattigen oder trockenen Standorten empfiehlt sie Alternativen wie Blumenwiesen oder robuste Schattenstauden, die mit weniger Aufwand auskommen und dabei zusätzlich Insekten einen Lebensraum bieten, den ein kurzgeschorener Rasen kaum leisten kann. Wer trotzdem am klassischen Rasenbild festhalten möchte, kann diesen Rat immerhin für einzelne, besonders trockene oder schattige Teilflächen im Garten übernehmen, statt gleich die gesamte Fläche umzustellen.

Typische Fehler im Frühjahr vermeiden

Die häufigsten Frühjahrsfehler laufen laut Gartenakademie auf dasselbe Grundproblem hinaus: zu viel Eingriff zur falschen Zeit. Wer zu früh im Jahr mäht, vertikutiert oder düngt, trifft einen Rasen, der wegen niedriger Bodentemperaturen noch kaum wächst und sich entsprechend langsam von jedem Eingriff erholt. Wer dagegen zu spät startet, lässt Moos und Unkraut einen Vorsprung, den die einsetzende Wachstumsphase des Rasens nur schwer wieder aufholt. Die richtige Reihenfolge – erst mähen, dann düngen, erst danach bei Bedarf vertikutieren und nachsäen – federt beide Risiken ab, weil jede Maßnahme auf der vorherigen aufbaut, statt sie zu konterkarieren.

Quellen

Geschrieben von Clara, Redaktion spatenfreunde.de — sie schreibt hier über Garten, Pflanzen und die richtige Pflege.

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