Kurzantwort: Mähen und Vertikutieren am selben Tag ist problemlos möglich und sogar sinnvoll, solange die Reihenfolge stimmt: erst mähen, dann das Schnittgut entfernen und erst danach vertikutieren. Der Rasen sollte dabei weder nass noch staubtrocken sein, und die Messer werden so flach eingestellt, dass sie die Grasnarbe nur zwei bis drei Millimeter tief anritzen. Direkt im Anschluss helfen eine Nachsaat kahler Stellen, eine dünne Kompostschicht und gleichmäßiges Wässern dem geschwächten Rasen bei der Erholung.
Wer seinen Rasen fit für die neue Saison machen will, steht regelmäßig vor derselben Frage: Muss Mähen und Vertikutieren an zwei getrennten Terminen stattfinden, oder lässt sich beides an einem Nachmittag erledigen? Die gute Nachricht zuerst: Beide Arbeitsschritte ergänzen sich sogar, wenn man sie richtig aufeinander abstimmt.
Entscheidend ist dabei weniger der Kalendertag als die Reihenfolge und der Zustand des Rasens. Wird zuerst vertikutiert und erst danach gemäht, reißt der Mäher lose Filzreste und Moosbüschel wieder in die Grasnarbe, statt sie zu entfernen. In der richtigen Reihenfolge dagegen bereitet der Mähschnitt den Rasen optimal auf den anschließenden Vertikutierschnitt vor.
Erst mähen, dann vertikutieren
Der Rasen wird zunächst auf eine Höhe von etwa drei bis vier Zentimetern gemäht. Anschließend wird das Schnittgut gründlich vom Rasen entfernt, entweder mit dem Fangkorb des Mähers oder per Rechen. Erst wenn die Fläche frei von losem Gras ist, kommt der Vertikutierer zum Einsatz. So sieht man beim Vertikutieren sofort, wie viel Moos und Filz tatsächlich herausgekämmt wird, und die Messer verheddern sich nicht in frischem Schnittgut.
Die richtige Einstelltiefe
Beim Vertikutieren selbst kommt es auf die Tiefe der Messer an. Sie sollten den Boden gerade eben berühren und die Grasnarbe nur zwei bis drei Millimeter tief anritzen. Wer deutlich tiefer einstellt, verletzt die Wurzeln der Gräser und schwächt den Rasen zusätzlich, statt ihn nur von Filz und Moos zu befreien. Im Zweifel ist eine zu flache Einstellung sicherer als eine zu tiefe – notfalls wird ein zweiter, etwas tieferer Durchgang angeschlossen.
Auf die Bedingungen kommt es an
Unabhängig davon, ob beide Arbeitsschritte am selben Tag stattfinden, sollten weder Nässe noch Frostgefahr noch starke Hitze herrschen. Ein nasser Rasen verklebt unter den Messern, ein ausgetrockneter reißt an den Wurzeln statt sauber angeritzt zu werden. Ideal sind trockene, mild-warme Tage, an denen der Rasen weder feucht vom Morgentau noch von der Mittagssonne ausgedörrt ist.
Der beste Zeitpunkt im Jahr
Als Haupttermin empfiehlt die Gartenakademie Rheinland-Pfalz das Frühjahr, wenn die Gräser in voller Wachstumsphase stehen und sich rasch von dem Eingriff erholen. Konkret liegt das ideale Fenster im April und Mai bei Tagestemperaturen zwischen 15 und 20 Grad. Eine Vertikutierung im Herbst ist ebenfalls möglich, dem Rasen bleiben bis zum Wintereinbruch dann aber nur noch vier bis sechs Wochen zur Regeneration statt einer ganzen Wachstumssaison. Deshalb gilt der Herbsttermin eher als Ausnahme für stark verfilzte Flächen, nicht als Standardtermin.
Warum sich überhaupt Filz bildet
Rasenfilz entsteht aus abgestorbenen Halmen, Wurzelresten und nicht verrottetem organischem Material, das sich zwischen den grünen Grashalmen sammelt. Eine dünne Filzschicht ist normal und schadet dem Rasen nicht, wird sie aber zu dick, blockiert sie Wasser, Luft und Nährstoffe auf dem Weg zu den Wurzeln. Begünstigt wird starke Filzbildung durch verdichteten, schlecht durchlüfteten Boden, durch Schatten sowie durch eine einseitige Stickstoffdüngung, die zwar viel weiches Blattgrün, aber wenig widerstandsfähige Gräser hervorbringt. Auch Moos breitet sich unter denselben Bedingungen bevorzugt aus, weshalb Vertikutieren und eine Ursachenanalyse des Standorts zusammengehören.
Welches Werkzeug sich für welchen Rasen eignet
Für kleine Rasenflächen bis etwa 50 Quadratmeter reicht ein Handvertikutierer mit rotierenden Messern völlig aus und schont dabei den Geldbeutel. Bei größeren Flächen lohnt sich ein elektrischer oder benzinbetriebener Vertikutierer, weil er die gleichmäßige Schnitttiefe über die ganze Fläche hinweg zuverlässiger hält als ein von Hand geführtes Gerät. Wichtig ist bei jedem Gerätetyp dieselbe Grundregel: lieber zu flach als zu tief einstellen und im Zweifel einen zweiten, sanfteren Durchgang anschließen, statt die Grasnarbe in einem einzigen aggressiven Schnitt zu strapazieren.
Wie oft vertikutiert werden sollte
Vertikutieren ist ein Eingriff, den eine Rasenfläche nur begrenzt oft im Jahr verträgt. In der Regel reicht es, eine Fläche höchstens einmal jährlich zu vertikutieren, bei gesunden, wenig verfilzten Rasenflächen genügt sogar ein Rhythmus von alle zwei Jahre. Wer öfter vertikutiert, schwächt die Grasnarbe mehr, als er ihr durch die Entfernung von Moos und Filz nützt.
Was nach dem Vertikutieren zu tun ist
Direkt nach dem Vertikutieren zeigt der Rasen oft kahle Stellen und dünne Streifen, an denen Filz und Moos entfernt wurden. Diese Stellen werden am besten sofort nachgesät, damit sich schnell wieder eine dichte Grasnarbe schließt und keine unerwünschten Kräuter oder erneut Moos die Lücken besetzen. Eine dünne Schicht Kompost oder spezieller Rasenerde verbessert dabei die Keimbedingungen für die Nachsaat. Anschließend braucht der Rasen vor allem eines: gleichmäßige Feuchtigkeit, damit die neuen Samen keimen können und die vorhandenen Gräser die frischen Wunden an der Grasnarbe schnell schließen.
Wann sich zwei getrennte Termine trotzdem lohnen
Bei stark verfilzten oder stark vermoosten Rasenflächen kann es sinnvoll sein, den Mähschnitt einige Tage vor dem eigentlichen Vertikutieren anzusetzen. Der Rasen hat dann etwas Zeit, sich von der ersten kurzen Mahd zu erholen, bevor der zusätzliche Stress durch das Vertikutieren dazukommt. Für die meisten normal gepflegten Hausrasen ist dieser Zwischenschritt aber nicht nötig, und beide Arbeiten lassen sich bei passendem Wetter bequem an einem Tag erledigen. Wer sich unsicher ist, wartet lieber ein paar trockene Tage ab, statt bei feuchtem Boden loszulegen – ein verschobener Termin schadet dem Rasen deutlich weniger als ein Eingriff zur falschen Zeit.
Quellen
Geschrieben von Clara, Redaktion spatenfreunde.de — sie schreibt hier über Garten, Pflanzen und die richtige Pflege.

