Reife Grassamen an Rispen im Gegenlicht der tiefstehenden Sonne

Rasen einsäen: der richtige Zeitpunkt und die Aussaat

Kurzantwort: Rasen wird am besten im Frühjahr ab einer Bodentemperatur von etwa 10 °C oder im Spätsommer zwischen Ende August und Mitte September eingesät. Der Boden wird vorher gelockert, geebnet und angewalzt, die Saat nur etwa einen Zentimeter tief eingeharkt und danach angedrückt. Entscheidend sind die ersten drei bis vier Wochen: In dieser Zeit darf die oberste Erdschicht nie austrocknen, sonst sterben die Keimlinge ab.

Eine neue Rasenfläche entsteht nicht durch Samen ausstreuen und Gießkanne holen. Zwischen der Aussaat und dem ersten Schnitt liegen mehrere Wochen, in denen kleine Fehler die ganze Fläche wieder zunichtemachen können.

Wer den Ablauf einmal in der richtigen Reihenfolge kennt, spart sich genau diese Fehler: die Wahl des Zeitpunkts, die Vorbereitung des Bodens und die Pflege in der empfindlichen Anfangsphase.

Der richtige Zeitpunkt im Jahr

Rasengräser keimen erst zuverlässig, wenn der Boden dauerhaft mindestens 10 °C warm ist. Nach Angaben der Deutschen Rasengesellschaft e. V. wird dieser Wert im Freiland meist von Anfang bis Mitte Mai erreicht, wenn im Frühjahr gesät werden soll. Genauso gut eignet sich der Spätsommer zwischen Ende August und Mitte September: Der Boden ist dann noch vom Sommer erwärmt, die Nächte sind kühler und feuchter, und Unkraut keimt in dieser Phase deutlich langsamer als im Frühjahr mit.

Von den beiden Terminen gilt der Spätsommer unter Fachleuten insgesamt als der zuverlässigere: Die Konkurrenz durch schnell wachsendes Unkraut fällt geringer aus, und die jungen Gräser müssen sich nicht sofort gegen sommerliche Hitzeperioden behaupten, wie es bei einer Frühjahrsaussaat der Fall sein kann.

Boden vorbereiten

Die Fläche wird zunächst umgegraben oder gefräst, von Steinen, Wurzelresten und altem Bewuchs befreit und anschließend feinkrümelig geharkt, die obersten drei bis vier Zentimeter besonders sorgfältig. Nach der tiefen Bodenbearbeitung sollte sich der Boden idealerweise über einige Wochen setzen können, bevor gesät wird, damit nachträgliche Senkungen nicht erst im fertigen Rasen als Dellen sichtbar werden. Kleine Unebenheiten gleichen sich in dieser Phase leichter aus als später im fertigen Rasen. Vor der Aussaat wird die Fläche mit einer Walze oder ersatzweise mit einem Brett angedrückt, damit sich der Boden setzt und keine Hohlräume bleiben, in denen die Saat zu tief einsinkt.

Gräserarten und der passende Rasentyp

Handelsübliche Rasenmischungen kombinieren meist mehrere Arten wie Deutsches Weidelgras, Rotschwingel, Rispengras und Straußgras, weil jede Art andere Stärken mitbringt. Deutsches Weidelgras keimt vergleichsweise schnell und macht die Fläche in gut einer Woche erstmals grün, Rotschwingel braucht dafür fast zwei Wochen, während Wiesenrispe und Lägerrispe mit gut drei Wochen die längste Keimzeit mitbringen, dafür aber besonders strapazierfähig sind. Welche Mischung sich lohnt, hängt von der späteren Nutzung ab: Ein robuster, wöchentlich gemähter Gebrauchsrasen verträgt spielende Kinder und Grillfeste, ein feinhalmiger Zierrasen dagegen verträgt in den ersten beiden Jahren nach der Aussaat kaum Belastung, braucht dafür aber ein engeres Mähintervall von fünf bis sieben Tagen und mehr Dünger.

Saatmenge und Aussaat

Für einen dichten Rasen reichen nach Angaben der Deutschen Rasengesellschaft bereits 20 bis 25 Gramm Saatgut pro Quadratmeter aus, aufgeteilt in zwei Gänge längs und quer der Fläche, damit keine kahlen Streifen entstehen. Die Saat gehört nur flach in den Boden: eingeharkt auf etwa einen Zentimeter Tiefe und anschließend erneut angewalzt, damit die Körner engen Bodenkontakt bekommen. Zu tief eingearbeitete Saat keimt deutlich schlechter, weil den Keimlingen die Kraft fehlt, bis zur Oberfläche zu wachsen.

Die ersten Wochen nach der Aussaat

Bis zur Keimung, die je nach Art sieben Tage bis gut drei Wochen dauert, muss die oberste Erdschicht durchgehend feucht gehalten werden. Bei trockener Witterung wird dafür nach Empfehlung der Deutschen Rasengesellschaft vier- bis fünfmal täglich für jeweils rund zehn Minuten beregnet, kurz und in feinem Sprühstrahl statt einmal kräftig, damit die Saat nicht weggeschwemmt wird. Ein einziger vertrockneter Tag kann in dieser Phase reichen, um die frisch gekeimten Wurzeln absterben zu lassen.

Startdüngung

Junge Gräser brauchen vor allem Phosphor für die Wurzelbildung. Ein spezieller Startdünger, direkt bei der Aussaat oder kurz danach ausgebracht, versorgt die Keimlinge in den ersten Wochen und sorgt für eine dichtere, schneller belastbare Grasnarbe als eine reine Stickstoffgabe, wie sie später beim etablierten Rasen üblich ist. Zu viel Stickstoff in dieser frühen Phase treibt die Halme zwar schnell in die Höhe, geht aber auf Kosten der Wurzelbildung – die Pflänzchen wirken dann zunächst satt grün, wurzeln aber flacher und vertragen später weniger Trockenheit und Belastung als gleichmäßig mit Phosphor versorgte Keimlinge.

Der erste Schnitt

Gemäht wird zum ersten Mal, wenn der Rasen etwa acht bis zehn Zentimeter hoch steht, meist vier bis sechs Wochen nach der Aussaat. Dabei wird höchstens ein Drittel der Halmlänge gekürzt, damit die noch flach wurzelnden jungen Pflanzen nicht unter Stress geraten. Erst nach zwei bis drei weiteren Schnitten verträgt die Fläche die übliche Schnitthöhe von vier bis fünf Zentimetern und normale Belastung.

Typische Fehler bei der Neuansaat

Am häufigsten scheitert eine Neuansaat an zu später Aussaat im Frühjahr, wenn gleichzeitig schon Trockenperioden drohen, oder an unregelmäßigem Wässern in den ersten Wochen. Auch eine zu hohe Saatmenge schadet mehr, als sie nützt: Die Keimlinge stehen dann zu dicht, konkurrieren um Licht und Wasser und werden anfälliger für Pilzkrankheiten wie den Schneeschimmel. Ein weiterer häufiger Fehler ist ungeduldiges Betreten der Fläche: Schon einzelne Fußspuren drücken die noch flachen Keimwurzeln aus dem lockeren Boden und hinterlassen sichtbare Lücken, die sich erst mit dem nächsten Nachsäen wieder schließen.

Unkraut in der Anfangsphase

In den ersten Wochen nach der Aussaat keimt auf offener Erde nicht nur der Rasen, sondern auch Beikraut aus dem Boden mit. Solange die junge Grasnarbe noch nicht geschlossen ist, sollte deshalb von Hand gejätet werden statt mit einem Unkrautvernichter, der auch die frischen Gräser schädigen würde. Sobald der Rasen nach den ersten Schnitten dicht genug steht, verdrängt er die meisten Beikrautarten von selbst, weil ihnen dann schlicht das Licht am Boden fehlt.

Quellen

Geschrieben von Clara, Redaktion spatenfreunde.de — sie schreibt hier über Garten, Pflanzen und die richtige Pflege.

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