Kurzantwort: Frisch verlegter Rollrasen muss in den ersten ein bis zwei Wochen täglich gewässert werden, bis die Grasnarbe sichtbar angewachsen ist. Erst wenn die Halme etwa sechs Zentimeter hoch stehen, wird zum ersten Mal gemäht – und dabei nicht kürzer als fünf Zentimeter, damit die jungen Wurzeln nicht geschwächt werden. Danach gilt für Rollrasen dieselbe Pflege wie für jeden anderen Rasen: regelmäßig mähen, bei Trockenheit wässern, düngen.
Rollrasen wirkt auf den ersten Blick wie die bequeme Abkürzung zum fertigen Rasen – die Fläche ist grün, sobald die Bahnen liegen. Wie gut sich die Grasnarbe aber tatsächlich mit dem Boden darunter verbindet, entscheidet sich erst in den Wochen danach.
Wer in dieser Anwachsphase an der Bewässerung spart, riskiert vertrocknete Ränder und Lücken zwischen den Bahnen – genau die Stellen, an denen später Unkraut zuerst Fuß fasst.
Warum die ersten Tage entscheidend sind
Beim Verlegen wird die fertig gewachsene Grasnarbe mitsamt einer dünnen Wurzelschicht vom Produktionsfeld getrennt und an anderer Stelle neu ausgerollt. In diesem Moment hat der Rasen praktisch keinen Kontakt mehr zum Boden darunter und kann kein Wasser aus tieferen Schichten ziehen. Erst wenn neue Wurzeln durch die Sode in den Untergrund wachsen, ist die Fläche wieder auf sich selbst gestellt. Dieser Prozess dauert je nach Witterung und Bodenart etwa zwei bis drei Wochen – und genau in dieser Zeit braucht der junge Rasen deutlich mehr Wasser als ein etablierter.
Fachgerechtes Verlegen als Grundlage
Wie gut die Anwachsphase gelingt, hängt schon von der Verlegung selbst ab. Die Deutsche Rasengesellschaft (DRG) weist darauf hin, dass die Sodenstöße fest aneinandergedrückt werden müssen und häufig Nacharbeit von Hand nötig ist, damit die Ränder nicht austrocknen. Offene Fugen zwischen den Bahnen sind die Stellen, an denen die dünne Rasenschicht am schnellsten austrocknet, weil dort beidseitig Luft an die Wurzeln kommt. Nach dem Verlegen wird die Fläche außerdem angewalzt oder angetreten, damit die Sode vollflächig Bodenkontakt bekommt und keine Hohlräume bleiben, in denen die Wurzeln ins Leere wachsen würden.
Wässern in der Anwachsphase
Direkt nach dem Verlegen wird kräftig gewässert, bis der Boden unter der Sode durchfeuchtet ist – ein kurzes Besprengen der Oberfläche reicht nicht aus. In den folgenden ein bis zwei Wochen sollte die Fläche, je nach Wetterlage, ein- bis zweimal täglich bewässert werden, damit die dünne Wurzelschicht nicht abtrocknet, bevor sie neue Wurzeln bilden konnte. Wichtig ist dabei die Balance: Staunässe macht die Fläche matschig und unbegehbar und kann die jungen Wurzeln ebenso schädigen wie Trockenheit. Am besten wird früh morgens gewässert, damit das Wasser vor der Mittagshitze einziehen kann und die Halme nicht über Nacht feucht bleiben, was Pilzkrankheiten begünstigt. Nach etwa zwei Wochen, wenn ein leichter Zug an der Grasnarbe spürbaren Widerstand bietet, ist der Rasen angewachsen und die Wassergaben können schrittweise auf zwei- bis dreimal wöchentlich reduziert werden.
Der erste Schnitt
Gemäht wird zum ersten Mal, sobald die Grashalme rund sechs Zentimeter hoch stehen, meist nach etwa fünf bis zehn Tagen. Beim ersten Schnitt wird nicht zu tief gemäht: Die Höhe sollte nicht unter fünf Zentimeter fallen, da ein zu kurzer Schnitt die noch schwachen jungen Gräser stresst und die Bewurzelung verzögert. Für den weiteren Verlauf gilt die aus der klassischen Rasenpflege bekannte Drittel-Regel: Bei jedem Schnitt sollte höchstens ein Drittel der Halmlänge entfernt werden. Solange der Rasen noch nicht vollständig durchgewurzelt ist, wird zudem mit Grasfangkorb gemäht statt zu mulchen, weil das Bodenleben die zusätzlichen Schnittreste in dieser frühen Phase noch nicht rasch genug abbauen kann.
Qualitätsmerkmale von gutem Rollrasen
Nicht jede Sode ist gleich gut geeignet. Für strapazierfähigen Gebrauchsrasen nennt die Deutsche Rasengesellschaft klare Grenzwerte: Der Anteil an unerwünschten Fremdgräsern sollte maximal zwei Prozent betragen, die Bodendeckung mindestens 95 Prozent erreichen und die Filzschicht unter der Grasnarbe nicht dicker als fünf Millimeter sein. Wer Rollrasen beim Fachbetrieb bestellt, kann nach diesen Werten fragen – sie sagen mehr über die spätere Belastbarkeit der Fläche aus als der erste grüne Eindruck beim Verlegen.
Weitere Pflege nach der Anwachsphase
Sobald der Rollrasen sichtbar durchgewurzelt ist, unterscheidet sich seine Pflege nicht mehr von der eines gesäten Rasens. Für Gebrauchsrasen liegt die empfohlene Schnitthöhe bei etwa 30 bis 45 Millimetern, gemäht wird je nach Wachstum ein- bis zweimal wöchentlich. Gedüngt wird erstmals frühestens vier bis sechs Wochen nach dem Verlegen, da zu früh gegebener Dünger die zarten neuen Wurzeln eher schädigt als fördert. Vertikutiert wird eine frisch verlegte Fläche erst nach der ersten oder zweiten Vegetationsperiode, wenn sich Rasenfilz gebildet hat – im ersten Jahr würde ein Vertikutierer die noch flachen jungen Wurzeln beschädigen.
Typische Fehler in der Anwachsphase
Der mit Abstand häufigste Fehler ist zu wenig Wasser in den ersten Tagen, weil die Fläche optisch schon fertig aussieht und die Dringlichkeit unterschätzt wird. Der zweite häufige Fehler ist starke Belastung: Wer die neue Fläche schon in der Anwachsphase mit Kinderspiel, Gartenmöbeln oder häufigem Begehen belastet, drückt die Sode aus dem Bodenkontakt und verzögert die Bewurzelung an genau diesen Stellen. Bis zur vollständigen Durchwurzelung nach etwa drei bis vier Wochen sollte die Fläche deshalb nur zum notwendigen Wässern und Mähen betreten werden.
Die richtige Jahreszeit zum Verlegen
Rollrasen lässt sich, anders als gesäter Rasen, fast ganzjährig verlegen, solange der Boden nicht gefroren ist. Am unkompliziertesten gelingt die Anwachsphase im Frühherbst und im späten Frühjahr, wenn der Boden noch warm genug für zügige Wurzelbildung ist, die Temperaturen aber nicht so hoch sind wie im Hochsommer. Wer im Sommer verlegt, muss mit spürbar höherem Wasserbedarf rechnen, weil die dünne Grasnarbe bei Hitze schneller austrocknet, als neue Wurzeln nachwachsen können. Eine Verlegung an einem sehr heißen, sonnigen Tag ist deshalb ungünstiger als am frühen Morgen oder bei bewölktem Himmel, weil die Sode dann weniger Zeit ungeschützt in der Sonne liegt, bevor sie gewässert wird.
Boden vorbereiten
Ein guter Untergrund entscheidet mit darüber, wie schnell der Rollrasen anwächst. Der Boden sollte vor dem Verlegen feinkrümelig geharkt, von Steinen und Wurzelresten befreit und leicht angewalzt sein, damit die Sode überall gleichmäßig aufliegt statt an einzelnen Stellen auf Hohlräumen zu schweben. Wo der Untergrund zu Staunässe neigt, lohnt sich eine dünne Sandschicht als Drainage, bevor die Rollrasenbahnen ausgelegt werden – auf verdichtetem Lehmboden bleibt sonst gerade in den ersten Wochen zu viel Wasser an der Oberfläche stehen, statt in die Tiefe abzuziehen.
Quellen
- Anforderungen und Qualitätskriterien beim Einsatz von Fertigrasen – Deutsche Rasengesellschaft e.V. (DRG)
- Hausrasen-Pflegemaßnahmen – Deutsche Rasengesellschaft e.V. (DRG)
- Rasen – Wikipedia
Geschrieben von Clara, Redaktion spatenfreunde.de — sie schreibt hier über Garten, Pflanzen und die richtige Pflege.

