Pflanze für Schlafzimmer: Was hilft, was Mythos ist, was passt

Kurzantwort: Pflanzen im Schlafzimmer sind unbedenklich. Ein Mensch verbraucht pro Nacht so viel Sauerstoff wie rund 250 Quadratmeter Blattfläche, eine Zimmerpflanze kommt kaum auf einen Quadratmeter. Luft reinigen sie in normalen Räumen allerdings auch nicht messbar. Wähle nach Licht und Pflegeaufwand: Bogenhanf (Dracaena trifasciata), Grünlilie (Chlorophytum comosum), Zamioculcas (Zamioculcas zamiifolia) und Efeutute (Epipremnum aureum) für dunkle Zimmer, Aloe vera und Phalaenopsis für helle Fenster. Bei Kindern und Haustieren sind Grünlilie und Phalaenopsis die sichere Wahl.

Um Pflanzen im Schlafzimmer ranken sich zwei Geschichten, die sich widersprechen. Die eine sagt, Pflanzen rauben nachts den Sauerstoff. Die andere sagt, Pflanzen reinigen die Luft und verbessern den Schlaf. Beides steht in Ratgebern, beides wird als Fakt verkauft.

Die Forschung hat beide Punkte geklärt, mit anderen Ergebnissen, als die Ratgeber behaupten.

Hier findest du, was belegt ist, und danach die Arten, die im Schlafzimmer tatsächlich funktionieren, weil sie mit wenig Licht und gelegentlichem Vergessen zurechtkommen.

Mythos 1: Pflanzen nehmen nachts den Sauerstoff weg

Der Kern stimmt: Ohne Licht betreiben Pflanzen keine Photosynthese und verbrauchen bei der Atmung Sauerstoff. Die Menge ist aber winzig. Michael Raissig, Professor am Institut für Pflanzenwissenschaften der Universität Bern, nennt sie gegenüber der NZZ „komplett vernachlässigbar“. Zum Vergleich: Ein Mensch verbraucht pro Nacht etwa so viel Sauerstoff wie rund 250 Quadratmeter Blattoberfläche. Eine durchschnittliche Zimmerpflanze kommt kaum auf einen Quadratmeter.

Die Vorstellung stammt aus einer Zeit, in der Krankenhäuser abends Blumensträuße aus den Zimmern räumten. Das war laut NZZ noch in den 1990er Jahren üblich und ist heute als unnötig erkannt. Der Partner im Bett verbraucht ein Vielfaches dessen, was eine Fensterbank voller Pflanzen schafft.

Eine Gruppe von Pflanzen nimmt sogar nachts Kohlendioxid auf: Arten mit Crassulaceen-Säurestoffwechsel, kurz CAM. Sie öffnen ihre Spaltöffnungen in der Dunkelheit und schließen sie tagsüber, um Wasser zu sparen. Dazu gehören laut Wikipedia die Echte Aloe, Kalanchoe, Kakteen, Ananasgewächse und Orchideen wie die Phalaenopsis. Für die Luft im Zimmer macht das keinen messbaren Unterschied, aber es zeigt, wie wenig der Mythos taugt.

Mythos 2: Pflanzen reinigen die Luft im Schlafzimmer

Die Quelle dieser Behauptung ist die NASA Clean Air Study von 1989. B. C. Wolverton testete darin Zimmerpflanzen in geschlossenen Kammern auf ihre Fähigkeit, Benzol, Formaldehyd und Trichlorethylen aus der Luft zu holen. In der Kammer klappte das.

2019 werteten Bryan Cummings und Michael Waring von der Drexel University zwölf solcher Kammerstudien aus drei Jahrzehnten aus. Ergebnis: Der normale Luftaustausch in Wohnungen und Büros verdünnt flüchtige Stoffe um Größenordnungen schneller, als Pflanzen sie aufnehmen. Um den Effekt einer gewöhnlichen Lüftung zu erreichen, bräuchte man 10 bis 1.000 Pflanzen pro Quadratmeter Bodenfläche.

Wer besser schlafen will, lüftet vor dem Zubettgehen. Die Pflanze auf dem Nachttisch ist Dekoration und darf es auch sein.

Worauf es im Schlafzimmer wirklich ankommt

Licht: Schlafzimmer sind oft die dunkelsten Räume, mit Vorhängen, die tagsüber halb zu sind. Wähle Arten, die Schatten vertragen, oder stelle die Pflanze direkt ans Fenster.

Feuchte Erde: Wer zu Allergien neigt, sollte auf Schimmel in der Blumenerde achten. Ein weißer, flaumiger Belag auf der Erde ist ein Zeichen für zu viel Wasser. Weniger gießen, die oberste Schicht austauschen oder auf mineralisches Substrat und Hydrokultur wechseln.

Duft: Stark duftende Pflanzen wie Jasmin oder Hyazinthen können in einem kleinen, geschlossenen Raum aufdringlich werden. Wer empfindlich ist, lässt sie draußen.

Sechs Arten, die im Schlafzimmer funktionieren

Bogenhanf (Dracaena trifasciata, früher Sansevieria trifasciata): steife, aufrechte Blätter, kommt mit wenig Licht aus, will nur alle zwei bis vier Wochen Wasser. Für Hunde und Katzen laut ASPCA giftig, Saponine verursachen Übelkeit, Erbrechen und Durchfall.

Grünlilie (Chlorophytum comosum): anspruchslos, verträgt Halbschatten, bildet Ableger. Die Giftzentrale Bonn stuft sie als ungiftig ein. Damit ist sie die beste Wahl für Kinderzimmer und Haushalte mit Katzen.

Zamioculcas (Zamioculcas zamiifolia): übersteht dunkle Ecken und wochenlanges Vergessen, weil sie Wasser in Rhizomen speichert. Laut Giftzentrale Bonn leicht giftig durch Calciumoxalat-Nadeln, die im Mund brennen. Bei kleinen Mengen ist keine Behandlung nötig.

Efeutute (Epipremnum aureum): gedeiht laut Wikipedia auch an sehr schattigen Orten, wächst hängend oder kletternd. Leicht giftig für Menschen und Haustiere, ebenfalls durch Calciumoxalat.

Echte Aloe (Aloe vera): braucht ein helles Fenster und fast kein Wasser, gehört zu den CAM-Pflanzen. Der gelbe Saft unter der Blattrinde enthält Aloin, die ASPCA führt die Pflanze als giftig für Hunde und Katzen.

Phalaenopsis: blüht wochenlang, mag ein Ost- oder Westfenster ohne Mittagssonne, wird einmal pro Woche getaucht. Laut ASPCA ungiftig für Hunde, Katzen und Pferde.

Pflege mit wenig Aufwand

Alle sechs Arten verzeihen mehr Trockenheit als Nässe. Gieße erst, wenn die oberen zwei Zentimeter Erde trocken sind, bei Bogenhanf, Zamioculcas und Aloe erst, wenn der ganze Topf trocken ist. Im Winter reicht bei den meisten die Hälfte.

Staub auf den Blättern bremst das ohnehin knappe Licht. Einmal im Monat mit einem feuchten Tuch abwischen. Dünger braucht keine der Arten im Schlafzimmer viel, eine halbe Dosis alle vier Wochen von April bis September reicht.

Häufige Fragen

Sind Pflanzen im Schlafzimmer ungesund?

Nein. Ihr nächtlicher Sauerstoffverbrauch ist laut Universität Bern vernachlässigbar. Nur bei Schimmel in der Erde oder starkem Duft kann es Probleme geben.

Welche Pflanze produziert nachts Sauerstoff?

Keine produziert nachts Sauerstoff. CAM-Pflanzen wie Aloe oder Phalaenopsis nehmen nachts Kohlendioxid auf, der Effekt auf die Raumluft ist aber nicht messbar.

Welche Schlafzimmerpflanze ist ungiftig für Katzen?

Grünlilie und Phalaenopsis. Bogenhanf, Aloe, Efeutute und Zamioculcas sind für Katzen giftig oder leicht giftig.

Verbessern Pflanzen die Luft im Schlafzimmer?

Nicht messbar. Nach einer Auswertung von 2019 bräuchte es 10 bis 1.000 Pflanzen pro Quadratmeter, um mit dem normalen Luftwechsel mitzuhalten.

Welche Pflanze passt in ein dunkles Schlafzimmer?

Zamioculcas, Efeutute und Bogenhanf kommen mit sehr wenig Licht aus.

Wie viele Pflanzen sind im Schlafzimmer sinnvoll?

So viele, wie du pflegen magst. Eine Obergrenze aus gesundheitlichen Gründen gibt es nicht.

Quellen

Geschrieben von Jonas, Redaktion spatenfreunde.de — er schreibt hier über Garten, Pflanzen und die Arbeit im Beet.

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