Kurzantwort: Geranien – botanisch korrekt Pelargonien – stammen aus dem südlichen Afrika und vertragen keinen Frost. Gepflanzt wird deshalb erst nach den Eisheiligen Mitte Mai, wenn keine Nachtfröste mehr zu erwarten sind. Wer früher pflanzen möchte, hält die Pflanzen bei kalten Nächten übergangsweise im Haus oder an einem frostgeschützten Platz.
Kaum eine andere Balkonpflanze ist in Deutschland so verbreitet wie die „Geranie“ – dabei trägt sie diesen Namen eigentlich zu Unrecht.
Für die Pflanzzeit ist die botanische Feinheit zweitrangig. Entscheidend ist die Herkunft der Pflanze, die den Zeitpunkt fürs Pflanzen ins Freie ziemlich genau vorgibt.
Geranie oder Pelargonie
Im deutschsprachigen Raum werden Pelargonien im Alltag fast durchgehend als „Geranien“ bezeichnet, obwohl das botanisch nicht korrekt ist. Geranium und Pelargonium sind zwei eigenständige Gattungen aus der Familie der Storchschnabelgewächse, die sich unter anderem im Aufbau der Blüte unterscheiden: Pelargonienblüten sind zygomorph, also spiegelsymmetrisch statt radiärsymmetrisch aufgebaut.
Für die Pflege im Garten spielt diese Unterscheidung kaum eine Rolle, weil im Handel unter „Geranie“ praktisch immer die Pelargonie gemeint ist. Der Name hat sich historisch eingebürgert und wird sich in der Alltagssprache vermutlich auch nicht mehr ändern.
Der eigentliche Storchschnabel (Geranium) ist dagegen eine winterharte heimische und europäische Staudengattung fürs Beet, die mit der frostempfindlichen Balkonpflanze außer dem Namen wenig gemein hat. Wer im Baumarkt nach „winterharten Geranien“ für das Staudenbeet sucht, meint in aller Regel tatsächlich den echten Storchschnabel und nicht die Kübelpflanze vom Balkon.
Herkunft: Warum die Pflanze frostempfindlich ist
Die Gattung Pelargonium umfasst 220 bis 280 Arten, die vor allem im südlichen Afrika verbreitet sind, mit Schwerpunkt in Südafrika und Namibia. Die Pflanzen besiedeln dort ein breites Spektrum an Lebensräumen, von Gewässerrändern bis in trockene, wüstenartige Gebiete.
Kein Teil dieses Verbreitungsgebiets kennt echten Winterfrost, wie er in Mitteleuropa üblich ist. Entsprechend haben Pelargonien im Lauf ihrer Entwicklung keine Frostresistenz ausgebildet und reagieren auf Kälte deutlich empfindlicher als heimische, winterharte Gartenpflanzen.
Diese Anpassung an ein mildes, oft trockenes Klima erklärt auch, warum Geranien im Sommer vergleichsweise gut mit kurzen Trockenphasen zurechtkommen, dafür aber sofort mit Schäden reagieren, sobald die Temperaturen in Richtung Gefrierpunkt fallen.
Der richtige Pflanztermin: nach den Eisheiligen
Weil schon eine einzige kalte Nacht junge Triebe schädigen oder die ganze Pflanze zum Absterben bringen kann, kommen Geranien erst nach den Eisheiligen Mitte Mai ins Freie. Bis dahin bleiben sie an einem hellen, aber frostgeschützten Ort wie einem Wintergarten oder einem hellen Zimmer.
Wer schon Ende April oder Anfang Mai pflanzen will, sollte die Pflanzen bei angekündigtem Nachtfrost kurzfristig wieder hereinholen, statt sie ungeschützt draußen stehen zu lassen. Ein Vlies über Nacht bietet nur begrenzten Schutz und ersetzt das Hereinholen bei echtem Frost nicht zuverlässig.
Was die Eisheiligen wirklich bedeuten
Der Deutsche Wetterdienst ordnet die Eisheiligen als traditionellen Lostag der Landwirtschaft ein, der je nach Region unterschiedlich datiert wird: im Norden vom 11. bis 13. Mai, im Süden vom 12. bis 15. Mai. Als feste meteorologische Regelmäßigkeit mit garantiertem Kälteeinbruch lässt sich das laut DWD statistisch nicht bestätigen.
Spätfröste im Mai bleiben trotzdem möglich, wenn auch nach neueren DWD-Auswertungen mit einer Häufigkeit von deutlich unter 50 Prozent, besonders in Süddeutschland. Für frostempfindliche Balkonpflanzen wie Geranien bleibt Mitte Mai deshalb weiterhin die vorsichtigere Wahl, auch wenn ein Kälteeinbruch in den meisten Jahren ausbleibt.
Zonale- und Peltatum-Hybriden
Die im Handel erhältlichen Geranien sind fast ausschließlich Hybriden, allen voran Zonale-Hybriden mit aufrechtem Wuchs und Peltatum-Hybriden mit hängendem, rankendem Wuchs für Balkonkästen und Ampeln. Beide Gruppen gehen auf Kreuzungen mehrerer südafrikanischer Wildarten zurück und werden seit Jahrzehnten züchterisch weiterentwickelt.
Für die Pflanzzeit macht es keinen Unterschied, welche der beiden Formen gewählt wird – beide sind gleichermaßen frostempfindlich und folgen demselben Zeitplan nach den Eisheiligen. Der Unterschied zeigt sich erst später im Sommer, wenn Zonale-Hybriden kompakt aufrecht stehen und Peltatum-Hybriden lange Triebe über den Rand des Kastens hängen lassen.
Vorziehen für einen früheren Start
Wer nicht bis Mitte Mai auf blühende Kästen warten möchte, kauft bereits angetriebene Jungpflanzen im April und hält sie bis zum sicheren Pflanztermin an einem hellen Fensterplatz drinnen. So sind die Pflanzen bereits kräftig entwickelt und blühen nach dem Auspflanzen deutlich schneller als frisch gesteckte Stecklinge.
Kurze Ausflüge ins Freie an milden Tagen härten die Jungpflanzen zusätzlich ab, solange sie nachts wieder hereingeholt werden, bis der Eisheiligen-Termin sicher vorüber ist.
Der richtige Standort nach dem Pflanzen
Nach dem Auspflanzen bevorzugen Geranien einen möglichst sonnigen, warmen Platz, der ihrer Herkunft aus offenen, lichtreichen afrikanischen Landschaften entspricht. An schattigen Standorten fällt die Blüte spürbar schwächer aus.
Regelmäßiges Ausputzen verblühter Blüten hält die Pflanze über den ganzen Sommer in Blüte, weil sie sonst Energie in die Samenbildung statt in neue Knospen steckt. Auch vergilbte oder beschädigte Blätter werden laufend entfernt, damit sich daran kein Pilzbefall entwickelt.
Nach dem ersten Frost im Herbst
Im Herbst endet die Freilandsaison mit dem ersten Frost genauso abrupt, wie sie im Frühjahr erst nach den Eisheiligen beginnt. Wer die Pflanzen über den Winter erhalten möchte, holt sie rechtzeitig vor dem ersten Frost ins Haus und überwintert sie hell und kühl bei möglichst wenig Wasser.
Im nächsten Frühjahr können dieselben Pflanzen dann erneut ab Mitte Mai ins Freie – ein Kreislauf, der sich über viele Jahre wiederholen lässt, solange die Pflanze im Winter frostfrei untergebracht ist.
Wer die Überwinterung scheut, kauft im Frühjahr stattdessen einfach neue Jungpflanzen. Beide Wege sind gängige Praxis – die Überwinterung spart auf Dauer Geld und erhält oft besonders kräftig gewachsene Exemplare, der Neukauf bedeutet dafür weniger Aufwand über den Winter.
Quellen
Geschrieben von Clara, Redaktion spatenfreunde.de — sie schreibt hier über Garten, Pflanzen und die richtige Pflege.

